Hör mal, wer da trommelt

Musizierende Kinder: Nachbarn streiten sich vor Gericht 

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Liebt Hunde - und auch Musik: Cecilia C. kann aber nicht verstehen, warum ihre Nachbarn ihr Haus nicht besser gegen Lärm isolieren.

Zwei Truderinger haben die Nachbarsfamilie verklagt. Deren vier Kinder spielen Schlagzeug, Saxofon und Tenorhorn. Und das viel zu laut und auch zu Ruhezeiten, sagen die Kläger. Der Richter sieht das anders.

München - Bumm, bumm, bumm! Wenn das Schlagzeug der Nachbarn erklingt, flüchtet Cecilia C. (62) von der Terrasse ins Haus. Sie spüre das Beben in ihrem Körper teils noch Stunden später, klagt die Truderingerin. Unerbittlich ist er, der Streit zwischen der Hausfrau samt Mann, Systemingenieur Carl-Heinz (62), und der Nachbars-Familie. Immer wieder hatte es schon in der Vergangenheit wegen des Lärms Zoff zwischen den Hauseigentümer gegeben. Der Streit eskalierte vollends, als die Nachbarskinder vor einigen Jahren auch noch zu musizieren anfingen.

Schlagzeug, Tenorhorn und auch Saxofon spielen die drei Buben und ihre Schwester. Die Kinder übten fleißig auch während der Ruhezeiten mittags und in der Nacht – und bei offenen Fenstern und Türen, sagen zumindest Cecilia C. und ihr Mann.

Ihre eigenen Kinder spielen auch Instrumente

Vor Gericht wollten sie erwirken, dass die Nachbarn ihr Haus besser isolieren, damit weniger Lärm nach außen dringt. Diesen hat das Paar regelmäßig gemessen. „Das Maximale waren mehr als 70 Dezibel .“ Den Nachbarskindern hätten sie nie verbieten wollen, zu musizieren, sagt das Paar. Auch ihre zwei erwachsenen Kinder hätten Instrumente wie etwa Bassgitarre gelernt. „Aber wir haben dafür gesorgt, dass die Nachbarn nicht gestört werden.“

Cecilia C. klagt über Herzrasen, erhöhten Blutdruck und Schlafstörungen wegen der ungewollten musikalischen Unterhaltung. Mehrmals hätten sie über Schlichter des Kreisverwaltungsreferats versucht, sich mit den Nachbarn zu einigen, so die Eheleute. Doch ohne Erfolg. Am Ende hätten sie sogar ihr Haus verkaufen wollen.

Auch ein anderer Streit von Nachbarn landete vor Kurzem vor Gericht: Zwei Löwen-Fans stritten für ihr Recht, Fahnen des TSV 1860 in ihrem Garten aufzustellen.

Die Nachbarn wiederum wollen anonym bleiben, äußerten sich auf Anfrage nicht zu dem Streitfall. Vor Gericht beteuerte die Familie, dass während des Musizierens die Türen und Fenster stets geschlossen seien. Die Geräusche lägen nicht über 55 Dezibel, die Nachtruhe würde eingehalten. Der Richter wertete die von Cecilia C. vorgelegten Lärmprotokolle aus. Über einen Zeitraum von zwei Jahren seien weniger als eine Handvoll relevanter Fälle festgehalten worden. Bei den Lärmverursachern habe es sich zudem um minderjährige Kinder gehandelt. Und die dürften auch mal Grenzen überschreiten, so der Richter.

Richtwert von maximal 55 Dezibel tagsüber

Generell ist es rechtlich nicht klar geregelt, wann ein Nachbar zu laut ist. Streiten sich Hauseigentümer (Nachbarschaftsrecht), dann verweist das Bundes-Immissionsschutzgesetz auf die „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“. Für ein allgemeines Wohngebiet, in dem sich etwa auch Supermärkte befinden dürfen, legt diese tagsüber einen Richtwert von maximal 55 Dezibel und nachts von 40 Dezibel fest. Ausnahme: Kinderlärm. „Hier sagt der Gesetzgeber, es gehört zur Entwicklung von Jugendlichen, dass sie auch mal laut sein dürfen“, so Chefjustiziarin Inka-Marie Storm von Haus und Grund Deutschland.

Darauf bezog sich auch der Münchner Richter. Zudem sei Musik nicht generell mit Lärm gleichzusetzen – Klage abgewiesen. Ganz aufgeben will Cecilia C. nicht, auch wenn das Urteil bereits rechtskräftig ist. Sie hat einen Befangenheitsantrag gegen den Richter gestellt. „Er war voreingenommen.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Trudering/Riem“.

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