Aus Kostengründen

Kein Sozialbürgerhaus für Trudering - Politiker entsetzt

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Das Sozialbürgerhaus an der Streitfeldstraße soll in seiner bisherigen Heimat bleiben.

Seit über einem Jahrzehnt ist der Bau des Sozialbürgerhauses für die Region Berg am Laim/Trudering-Riem geplant. Jetzt soll sich die Stadt gegen das Projekt entschieden haben und erntet dafür Kritik. 

München - Die Stadt will offenbar auf den geplanten Neubau des Sozialbürgerhauses für die Region Berg am Laim/Trudering-Riem verzichten. Aus Kostengründen – mieten kommt langfristig billiger als selber bauen. Daher soll das Sozialbürgerhaus wohl am derzeitigen Standort an der Berg am Laimer Streitfeldstraße bleiben. Der Stadtrat soll den Neubau-Verzicht am Donnerstag im Kommunalausschuss absegnen. In Trudering ist man über die Parteigrenzen hinweg fassungslos. „Wenn alles so läuft, wie es sich die Verwaltung vorstellt, dann ist das Sozialbürgerhaus in Trudering dann gestorben“, schimpft Georg Kronawitter (CSU).

Da das brisante Stadtratspapier Kostenaufstellungen beinhaltet, ist es eigentlich nicht öffentlich. Über die Tatsachen jedoch müsse man reden dürfen, sagt Kronawitter erzürnt. Seit mehr als einem Jahrzehnt plane man bereits dieses Sozialbürgerhaus, so der Ex-Stadtrat.

„Man lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern“

Entstehen soll es eigentlich gegenüber dem Truderinger Bahnhof. Momentan wird die Fläche für Krautgärten genutzt. Filialen von Stadtteilbibliothek, Volkshochschule und städtischer Sing- und Musikschule sollten mit einziehen, früher war sogar mal eine Jugendfreizeitstätte eingeplant. Vor zwei Jahren dann die Nachricht, das geplante Haus sei zu klein für die inzwischen gewachsenen Aufgaben und alle Mitarbeiter. Vielleicht könne man zwei Etagen aufstocken. Damals erfuhren die Stadtteilpolitiker per Zufall aber auch, dass Sozialreferat und Kämmerei nach einem billigeren Mietobjekt suchen.

CSU-Politiker Georg Kronawitter kritisiert die Entscheidung der Stadt. 

Tatsächlich scheint die Stadt nun langfristig im bisherigen Gebäude bleiben zu wollen. Stirbt aber das Sozialbürgerhaus, wie geht es dann mit den anderen Nutzungen weiter? „Man lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern“, ärgert sich Kronawitter. Die ganze Bebauung auf dem Areal sei fertig, „nur bei der sozialen Infrastruktur drückt sich die Stadt jetzt raus“.

Nutzt nun die Freiwillige Feuerwehr das Gebäude?

Für Grünen-Stadtrat Herbert Danner gibt es eine ganze Liste von Argumenten pro Neubau-Standort in Trudering. „Er liegt zentral, ist mit U- und S-Bahn sowie fünf Buslinien perfekt angebunden, bietet vielfältige Synergien, eine bessere Atmosphäre für Bürger und Mitarbeiter.“ Zudem ist in Danners Augen jede eigengenutzte Immobilie auf lange Sicht wirtschaftlicher als ein Mietobjekt. Die CSU hat noch eine andere Frage: Kann der frühere Eigentümer ohne das geplante Sozialbürgerhaus eigentlich die Rückabwicklung verlangen? Die Fläche gehörte einst einer Truderinger Familie, die rundherum gebaut hat. Als auf diesem Teil Gemeinbedarf festgesetzt wurde, bat der Eigentümer die Stadt um Enteignung, damit man die Unkosten nicht länger tragen muss. „Wohnen ist hier für die Stadt also ganz sicher nicht möglich“, so Kronawitter. Allerdings hatten die Stadtteilpolitiker selbst das Grundstück zuletzt als eventuellen Ersatz-Standort für die Freiwillige Feuerwehr ins Gespräch gebracht. 

Carmen Ick-Dietl

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