Eltern bringen Ferdi allein zur Welt

Trotz Wehen: Klinik schickt Mutter heim - Sturzgeburt

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Süß! Baby Ferdi in den Armen von Mama Alexandra (33).

München - Da liegt er. Im Arm der Mama. Die Haare noch ganz klamm. Willkommen, kleiner Ferdi! Am Mittwoch kam der süße Bub zur Welt. Doch leider nicht in der Klinik, wie gewünscht – sondern zuhause in Kirchtrudering. Als lebensgefährliche Sturzgeburt!

„Trotz stundenlanger Wehen haben die Ärzte uns wieder nach Hause geschickt“, erzählt Florian K. (33). Nachts um zwei Uhr war er mit seiner Frau Alexandra (33) ins Klinikum Neuperlach gefahren, weil sie starke Schmerzen hatte. „Die Wehen waren so stark, dass sie sich sogar übergeben musste.“ Der werdende Vater ruft im Kreißsaal an – die Zeit drängt. „Als wir ankamen, war sofort ein Arzt für uns da. Aber er sagte, dass der Muttermund noch nicht weit genug geöffnet wäre.“ Und schickt das Paar mitten in der Nacht wieder nach Hause – mit Zäpfchen für die Schmerzen und der Ansage, dass es mit der Geburt wohl noch mindestens eine Woche dauern würde. Das hatten Florian und Alexandra auch geglaubt, schließlich sollte der kleine Ferdi erst am 30. Dezember kommen. Aber der Bub hat seinen eigenen Willen – und will schon zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt.

Papa Florian (33), ein echter Held.

„Gegen vier Uhr nachts waren wir wieder daheim“, sagt Papa Florian. „Die Schmerzen meiner Frau wurden immer stärker, sie atmete sehr hektisch.“ Kurz darauf der große Schreck: ihre Fruchtblase platzt. Mit letzter Kraft schleppt sich Alexandra ins Bad und beginnt zu pressen. Als Florian erneut im Kreißsaal anruft, ist es schon zu spät: „Ich spüre, dass der Kopf kommt“, ruft Alexandra. „Bitte schnell, mein Sohn kommt gerade zur Welt“, spricht ihr Mann noch in den Hörer und legt auf. Aber die Geburt kann nicht mehr warten: Jetzt müssen die Eltern ihren Sohn selbst zur Welt bringen. „Ich hatte kurz Angst und dachte, ich bin im falschen Film. Aber dann habe ich nur noch funktioniert“, sagt Florian.

Er stützt seine Frau. Bange Sekunde vergehen, als der kleine Ferdi sich verhakt. Aber dann schafft er es nach langem Kampf aus dem Mutterleib heraus – und schreit zum ersten Mal. „Wir waren erleichtert und dankbar – es waren viele Schutzengel um uns herum“, sagt die Mama, die danach per Sanka noch in die Klinik gefahren wird.

Mittlerweile ist das Baby wohlauf. Doch Ferdi hatte Glück – Hausgeburten sind riskant. „Die Ärzte hätten uns nicht wegschicken dürfen. Wir haben ihnen vertraut“, sagt Florian. „Ich will mir nicht ausmalen, was alles hätte passieren können.“

Was das Klinikum Neuperlach zu dem Vorfall sagt

Eine hochschwangere Frau sucht Hilfe in der Klinik – und wird spätnachts wieder weggeschickt. Wie kann so etwas passieren? „Zuallererst freuen wir uns, dass es Mutter und Kind gut geht“, sagt Sprecherin Maike Zander. Zu dem Vorgehen der Ärzte teilt das Klinikum mit: „Leider gibt es Einzelfälle, in denen sich das Geburtsgeschehen trotz langer Erfahrung und eingehender Untersuchung nicht voraussehen lässt. Deshalb erfolgte die Empfehlung an die werdende Mutter, zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen.“

Die Folge: Mutter Alexandra hatte eine Sturzgeburt. „Dass sich die Wehen überstürzt entwickeln würden, war da nicht abzusehen“, sagt Sprecherin Maike Zander. Und erklärt weiter: „Wir haben Mutter und Kind nach der Geburt im Klinikum Neuperlach behandelt und wünschen der Familie jetzt für die gemeinsame Zeit zu Hause alles Gute.“

Die Geburt ihres ersten Babys werden die Eltern jedenfalls nicht so schnell vergessen. „Wir sind jetzt einfach froh, dass Ferdi auf der Welt und gesund ist“, sagt Papa Florian.

Andreas Thieme

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