In Kirchtrudering

Miet-Skandal: 10.000 Euro im Monat für dieses Loch

+
Der "Garten" mit Müllcontainer.

München - Miet-Skandal! Mit einem verwahrlosten Zweifamilienhäuschen aus den 60er-Jahren in Kirchtrudering verdient ein skrupelloser Vermieter jeden Monat wohl fast 10.000 Euro!

Das Matratzenlager im Dachgeschoss

Warmes Wasser und Heizung? Fehlanzeige. Die sanitären und hygienischen Bedingungen sind ein Albtraum. Der Kellerraum steht zentimetertief unter einer stinkenden Fäkalien-Brühe. In vielen Ecken grinst der Schimmel. Der Garten ist eine Müllhalde. Der Müllcontainer vor dem Haus wurde seit einem Monat nicht mehr geleert. Die Menschen kochen auf einem Herd und einer uralten Kochplatte, die im Treppenhaus steht. Ständig knallt die Sicherung heraus. Wenn hier nachts Feuer ausbrechen sollte, kommen die oben nicht mehr lebend hinaus. Mit diesem Rattenloch – einem verwahrlosten Zweifamilienhäuschen aus den 60er-Jahren Am Mitterfeld in Kirchtrudering – verdient ein skrupelloser Vermieter jeden Monat wohl fast 10.000 Euro!

Drei der Bewohner im Badezimmer des ersten Stocks. Hier gibt’s nur kaltes Wasser, die Heizung funktioniert nicht, die ­Badewanne hat keinen Duschkopf, und der Boden ist immer feucht.

30 Bulgaren sind offiziell hier gemeldet. Tatsächlich wohnten dort nach Angaben der Bewohner zeitweise bis zu 70 – darunter mindestens 15 Kinder vom Säugling bis zum Schulkind. Jeden Qua­dratmeter hat Vermieter Mehmet K. (42) zu Geld gemacht. Eine Matratze im Speicher oder im kalten, vor Schmutz und Müll starrenden Keller kostet 170 Euro.

Eine Baustelle? Nein, eine Ecke im Keller. Hier steht eine – nicht angeschlossene – Toilettenschüssel. Der Boden ist feucht, es stapelt sich Schutt, Schimmel blüht an der Wand

Ioan (Name geändert), seine Frau und die beiden kleinen Kinder haben richtig Glück gehabt. Sie haben ein eigenes Zimmer. Sechs Quadratmeter groß mit Mini-Balkon für 350 Euro. Die Tür nach draußen lässt sich allerdings nicht mehr schließen. Ein Kabelbinder ersetzen die Klinke. Die Familie nebenan zahlt 850 Euro – für etwa 15 Quadratmeter. Alle leiden. Auch die Nachbarn nebenan und gegenüber, die fassungslos vor diesem Elend stehen und sich ekeln, weil der Müll so stinkt und die Bulgaren in ihrer Not in den Garten pinkeln. „Zu viele Leute, zu wenig Platz und alles ist kaputt“, sagt Ioan. „Oft gibt es Streit. Einige hier trinken und die Kinder können nicht schlafen, weil es zu laut ist.“ Ioan lebt mit seiner Familie seit Juni hier, hat per Mundpropaganda von dieser Wohnmöglichkeit erfahren und war dankbar: „Leute wie wir bekommen in München keine Wohnung. Kein Vermieter will uns haben.“

Dieser Raum im Dachgeschoss war mal ein Bad – jetzt schlafen hier Menschen.

Die von den Nachbarn gerufene Polizei war schon oft hier – zum letzten Mal am 10. Oktober kurz vor Mitternacht. Vermieter Mehmet K., der natürlich nicht hier, sondern recht komfortabel in Sendling lebt, hatte die Beamten selbst gerufen. Er hatte Angst vor seinen eigenen Mietern, die angesichts dieser Zustände revoltierten und nicht mehr zahlen wollten: „Der Vermieter hat oft versprochen, Handwerker zu schicken. Nie kam jemand. Wir reparieren alles selbst.“

In diesem Kellerraum, direkt neben einem Schlafraum, steht das Abwasser. Es stinkt bestialisch

Von den Polizisten verlangte Mehmet K., dass diese die Rädelsführer der Meuterei mitten in der Nacht aus dem Haus werfen sollten. Von Schuldbewusstsein nicht die geringste Spur. Die Polizisten waren angesichts dieser Umstände entsetzt und ermitteln wegen des Verdachts des Mietwuchers. Nun müssen die Behörden entscheiden, ob dieses Haus überhaupt noch bewohnbar ist.

Dorita Plange

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring

Kommentare