Unglaubliche Rechnung

Er muss 1099 Euro zahlen - für sieben Wochen Strom

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Diese Stromabrechnung traf Christian E. wie ein Hammer. Er kann sie sich nicht erklären, bezahlen muss er die 1099 Euro trotzdem, weil kein Fehler im Stromzähler vorlag. 

1099 Euro Stromrechnung muss Christian E. zahlen – für eine Zeit von nur sieben Wochen. Wie das passieren konnte, weiß er selber nicht.

München - Seit Christian E. (29) und seine Verlobte Dorota K. (21) die Endabrechnung für ihre Wohnung bekommen haben ist klar: der Sommerurlaub fällt heuer aus. Denn die Stromrechnung für die letzten sieben Wochen, die die jungen Leute als Mieter in ihrer alten Wohnung in Trudering verbrachten, ist unglaublich hoch. 1099 Euro für sieben Wochen! „Ich kann das gar nicht glauben. Das sind mehr als 62 Prozent unseres Jahresverbrauchs“, sagt Christian E.

Zwar heizten die beiden in ihrer alten Wohnung in Trudering mit Strom, aber in den sieben Wochen im Winter sei es nicht übermäßig kalt gewesen, sagt der Mieter. „Die Heizungen liefen nie auf voller Stufe. Ich kann mir das eigentlich nur so erklären, dass ein Fehler vorliegt oder dass jemand anderer Strom auf unsere Rechnung verbraucht hat“, sagt er. Denn außerhalb der Wohnung habe sich eine Steckdose befunden – und in den letzten Wochen der Mietdauer übernachteten die beiden bereits in ihrer neuen Wohnung in Taufkirchen.

Die ehemalige Vermieterin des jungen Paares ist ebenfalls ratlos. „Das kann ich mir auch nicht erklären. So eine hohe Stromrechnung habe ja auch ich selber nicht – vielleicht liegt ein Abrechnungsfehler vor“, sagte die 73-Jährige unserer Zeitung. Denn auch sie heize mit Strom. Sie versichere aber, dass niemand Strom auf Kosten von Christian E. und seiner Verlobten gezapft habe.

Der Mieter haftet, nicht sein Vermieter

Die Stromanbieter des Paares waren damals „E wie Einfach“. Sprecherin Bettina Donges leitete die Unterlagen an die Fachabteilung weiter, von dort hieß es: Es liegt kein Fehler vor. „Es war in den Wintermonaten sehr kalt. So lässt sich das erklären – die restlichen Monate lag der Stromverbrauch in den Vorjahren deutlich niedriger“, sagte Donges.

So bleibt Christian E. auf der Rechnung sitzen – 807 Euro muss er noch überweisen, den Rest hatte er bereits im Voraus bezahlt. Immerhin kann er den Betrag in vier Raten abstottern. Für diese Vereinbarung stellte ihm sein Stromanbieter zunächst zusätzlich 50 Euro Verwaltungsaufwand in Rechnung. Immerhin auf diese Gebühr hat der Stromanbieter nun verzichtet.

Rechtlich haftet der Mieter allein für eine hohe Stromrechnung, wenn er den Vertrag mit dem Stromanbieter abgeschlossen hat. Der Vermieter habe damit nichts zu tun, erklärt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Wenn der Mieter den Verdacht hat, dass auf seine Kosten Strom gezapft wurde, müsse er das auch beweisen, was in der Praxis schwierig ist. „Meistens aber ist tatsächlich ein Stromfresser die Ursache, etwa veraltete Nachtspeicheröfen“, sagt Franz.

Stromfresser können sehr teuer werden

Auch Klimaanlagen verbrauchen massiv viel Energie, warnt die Mietrechtsexpertin angesichts der Sommerhitze. Wird eine Klimaanlage auch nur 30 Tage im Jahr betrieben, frisst sie meistens so viel Strom wie ein großer Kühlschrank in einem ganzen Jahr. Mietrechtsexpertin Franz empfiehlt stattdessen Ventilatoren und Jalousien. Die muss übrigens der Vermieter auf seine Kosten einbauen, wenn die Hitze in einer Wohnung im Sommer wegen Baumängeln unerträglich wird und dem Mieter nicht zuzumuten ist.

Franz sagt: „Ich rate allen Mietern, auf den Stromverbrauch zu achten und im Ernstfall frühzeitig das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen, um eine Lösung zu finden, mit der die Kosten für den Mieter reduziert werden können – etwa durch den Einbau eines kleinen Holzofens für besonders kalte Nächte oder eine bessere Isolierung.“ Auch, so die Mietrechts-Expertin, sollten Mieter auf Sparsamkeit achten, um nicht nachträglich böse Überraschungen zu erleben.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Trudering/Riem“.

Video: SnackTV

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