Drei Menschen sterben

BMW-Raser verletzt Touristen tödlich - Hinterbliebener unversöhnlich: „Mein letzter Wunsch ist ...“

Drei Menschen kamen in München bei einem Unfall zur Oktoberfest-Zeit ums Leben. Nun stand der Unfall-Fahrer vor Gericht, wo sich bewegende Szene abspielten. Das Urteil stößt auf Unverständnis.

  • Tödlicher Raserunfall in München: Im September 2017 kamen drei Touristen aus Frankreich ums Leben.
  • Am 27. November 2019 hat der Prozess gegen einen BMW-Fahrer begonnen.
  • Am ersten Verhandlungstag hat sich der 60-jährige Angeklagte geäußert, das folgende Urteil stieß bei Hinterbliebenen auf Unverständnis.

Update vom 28. November, 20.23 Uhr: „Dieser Mann hat mir alles genommen“, sagt Jean-Pierre L. „Meine Trauer und mein Schmerz sind grenzenlos.“ Seine beiden Kinder musste der Franzose beerdigen. Auch der Verlobte der Tochter, Baptiste D. (29), starb bei dem Unfall. „Sie wollten heiraten“, sagt der Vater. Sein Blick wird glasig, er wischt sich eine Träne weg. „Sie waren so ein tolles Paar. Ihnen wurde die Zukunft genommen.“

Seine Ex-Frau Danielle überlebte den Unfall schwer verletzt – Ersthelfer Alwin S. (33) hatte sie aus dem brennenden Wrack gerettet, er wurde vorgestern am Rande des Prozesses am Amtsgericht als Held gefeiert.

BMW-Raser verursacht tödlichem Unfall in München - Jetzt fällt das Urteil

Doch vor Gericht kam es auch zu bangen Momenten. Im vollen Sitzungssaal musste Richterin Betina Dettenhofer die Obduktionsergebnisse vorlesen – im Angesicht der Angehörigen, die bitterlich weinten, aber anwesend bleiben wollten. Sie kritisierten hinterher das Urteil: „Es war Mord!“ Verurteilt wurde Raser Nestor P. aber wegen fahrlässiger Tötung – er erhielt die am Amtsgericht höchstmögliche Strafe von vier Jahren Haft. 

„Eine Schande“, findet Jean-Pierre L. Rechtlich war das Urteil jedoch nachvollziehbar: Denn im Unterschied etwa zu Raser Victor B. (34), der vor zwei Wochen in Laim vor der Polizei geflohen war und einen Buben (14) totgefahren hatte, war bei dem Fall in Waldtrudering „kein Vorsatz nachweisbar“, erklärte Oberstaatsanwältin Anne Leiding. „Gerade auf die Motivation des Täters kommt es aber an.“

Nach tödlichem Unfall in München: Emotionale Szenen vor Gericht

Für die Angehörigen ist das in ihrem Schmerz schwer verständlich. Jean-Pierre L. sagt: „Wer mit 122 km/h durch die Stadt fährt, der nimmt in Kauf, dass andere dadurch zu Tode kommen.“ Er überlegt nun, Berufung gegen das Urteil einzulegen – und fordert einen neuen Prozess am Landgericht, der eine lebenslange Haftstrafe für Raser Nestor P. nach sich ziehen könnte.

Besonders bitter bleibt: Die Franzosen waren in München zu einer Geburtstagsfeier eingeladen und fuhren nur wenige hundert Meter weit mit dem Auto, bis Nestor P. sie an der Ampel rammte. Ihm kann Jean-Pierre L. nicht verzeihen. „Der letzte Wunsch in meinem Leben ist, dass dieser Mann nie wieder in Freiheit sein darf.“

Drei Touristen sterben nach Unfall: Emotionale Gerichtsszenen - „Schmerz ist grenzenlos“

Update vom 27. November, 19.19 Uhr: In einem Fall, der tragischer kaum sein könnte, wurde Alwin M. (33) zum Helden. Auf der Wasserburger Landstraße zog er eine schwer verletzte Frau aus einem Autowrack, während ihm die Flammen ins Gesicht schlugen.

Die beiden Kinder der Frau starben, ebenso der vierte Insasse. Beim Unfall wurden sie regelrecht zerrissen, wie Richterin Bettina Dettenhofer in der Verhandlung erklärt. „Es ist einer der schwersten und schlimmsten Verkehrsunfälle der vergangenen Jahre in München.“

Bei Alwin M. bedankt sie sich: „Ihre Zivilcourage war vorbildlich.“ Jean-Pierre L., Ex-Mann der Überlebenden und Vater zweier Opfer, umarmt den Retter. „Von Herzen danke für Ihren Einsatz.“ Es sind rührende Szenen der Mitmenschlichkeit.

Raser Nestor P. wirkt im Gerichtssaal abwesend. „Auch nach dem Unfall war er völlig ruhig und wirkte in sich verschlossen“, sagt ein Polizist. „Er hatte nur Angst, dass er eingesperrt wird.“ 

Was mit ihm los war, kann am Ende auch das Gericht nicht klären. Nestor P. ist gesund, trinkt keinen Alkohol, nicht einmal eine Brille braucht er. 

Und trotzdem hatte er vor dem Unfall stark beschleunigt, wie etliche Zeugen bestätigen: „Man hörte den Motor richtig aufheulen. Der Unfallort glich einem Schlachtfeld aus Trümmern.“

Am Ende stand das härteste mögliche Urteil für Nestor P., das das Amtsgericht aussprechen konnte: vier Jahre Haft. „Sie hätten vier Sekunden Zeit gehabt, um abzubremsen“, sagt Richterin Dettenhofer. „Dadurch hätte der Unfall verhindert werden können.“ 

Ein Vorsatz, wie etwa im Falle von Totraser Victor B. (34) aus Laim, sei jedoch nicht nachweisbar – daher kam es nicht zur Mordanklage. Zum Unverständnis der Angehörigen. Sie sagten unter Tränen: „Unser Schmerz ist grenzenlos. Kein Urteil kann wiedergutmachen, was passiert ist.“

Drei Touristen starben nach Unfall - BMW-Raser klagt: „Ich bin ein gebrochener Mann“

Update 27. November, 11.45 Uhr: Drei Franzosen starben, weil Nestor P. ungebremst in eine Kreuzung fuhr. Zum Prozessauftakt in München sagt der Angeklagte: "Es tut mir so leid. Ich hätte nicht ins Auto steigen dürfen." Angeblich erinnert er sich nicht, wurde erst im Wrack seines BMWs wieder wach.

BMW-Raser nach tödlichem Unfall in München: „Ich bin ein gebrochener Mann“

Im Sitzungssaal sind die Angehörigen der Opfer, die damals im brennenden Opel Corsa meterweit durch die Luft geschleudert worden waren. 

Der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht.

Zu ihnen sagte der Todesfahrer über seinen Anwalt: "Bitte nehmen Sie meine Entschuldigung an. Ich bin ein gebrochener Mann."

thi

Touristen sterben bei fürchterlichem Unfall: Prozess in München startet

Ursprungsmeldung vom 26. November: München - Die Ampel schaltet auf Grün, ein Auto mit vier Franzosen will gerade losfahren. Da kracht ein 60-Jähriger von hinten ungebremst auf den Kleinwagen. Das angefahrene Auto wird durch den Aufprall knapp 100 Meter über die Kreuzung in München geschleudert und geht in Flammen auf. Drei der Franzosen sterben.

Am Mittwoch (9.15 Uhr) muss sich der Autofahrer vor dem Amtsgericht für den Unfall aus dem September 2017 verantworten. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor. Es drohen laut einem Gerichtssprecher vier Jahre Haft. Vor Gericht wird es auch um die Frage gehen, warum nicht wie in anderen Raserfällen Mord angeklagt ist. Laut dem Sprecher ist nur ein Verhandlungstag angesetzt.

dpa

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