Stress zwischen Stadt und DB

Bahn-Eklat in München: Rasen bald 500 Güterzüge am Tag mit 100 km/h durch Wohngebiete? - Rathaus fühlt sich überrumpelt

Symbolbild: Güterbahnhof in München.
+
Symbolbild: Güterbahnhof in München.

Eigentlich wollte die Bahn nächste Woche wichtige Informationen zum künftigen Verlauf der Daglfinger/Truderinger Kurve präsentieren. Weil die Stadt sich übergangen fühlte, wurde nun alles wieder abgesagt.

  • Die Bahn plant die Daglfinger/Truderinger Kurve (DTK) für Güterverkehr mitten durch München.
  • Anwohner haben Angst vor erheblicher Lärmbelästigung durch die schnellen Züge.
  • Die Stadt München ist sauer über die Planungen und fühlt sich überrumpelt.

München - Zwischen Bahn und der Stadt München* brodelt es. Auslöser ist die Ankündigung der Bahn, die Bewertung des Bundesverkehrsministeriums zur Daglfinger/Truderinger Kurve (DTK) zu veröffentlichen. Dabei geht es um die Frage, wie die Gleise künftig durch das Gebiet zwischen Trudering, Berg am Laim und Bogenhausen verlaufen sollen. Über die Münchner Strecken soll künftig mehr europäischer Güterverkehr zwischen Skandinavien und dem Brenner-Basistunnel fließen. Bis zu 500 Züge mit einer Länge von maximal 750 Metern könnten dann mit 100 km/h durch Trudering rauschen.

München: Anwohner schlagen andere Trasse vor - Deutsche Bahn lehnt ab

Die Bahnvariante geht stark zulasten der Anlieger, die deshalb eine andere Trasse vorgeschlagen haben. Die Bahn hat diese Alternative zwar bereits abgelehnt, daraus aber zwei eigene Versionen abgeleitet, die zusätzlich geprüft werden sollten. Obwohl sie nach wie vor ihren eigenen Vorschlag favorisiert. Welche Trasse denn nun tatsächlich umgesetzt werden soll, ist vom Auftraggeber der Infrastrukturprojekte, dem Bundesverkehrsministerium (BMVI), abhängig.

Das hat nun offensichtlich seine Wahl getroffen. Jedenfalls wollte die Bahn die Entscheidung am Montag auf ihrer Webseite der Öffentlichkeit präsentieren. Ergänzend dazu sollte einen Tag später ein Webcast stattfinden, bei dem die Projektleitung die Hintergründe der Bewertung im Detail erläutern und Nachfragen beantworten sollte. Am Freitag sagte die Bahn alles wieder ab.

Ankündigung zu Daglfinger/Truderinger Kurve überrumpelt Rathaus völlig

Auf Wunsch der Stadt und des Oberbürgermeisters verschiebe man die Bekanntgabe und die damit verbundene Online-Veranstaltung bis nach der Stadtratssitzung am 7. Oktober, bei der mehrere Bahnprojekte im Münchner Osten behandelt würden.

Der Hintergrund: Im Rathaus ist man am Donnerstag von der Ankündigung zur DTK offenbar völlig überrumpelt worden. Danach sollen böse Beschwerdeschreiben rausgegangen sein. SPD-Stadtrat Andreas Schuster hatte gerade erst moniert, dass es einen Dialog auf Augenhöhe geben müsse. Diesen Ärger wird sicher auch Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel zu spüren bekommen, der am Donnerstag ohnehin einen Gesprächstermin bei Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat.

Bahn-Eklat in München: Verwaltung verärgert über Deutsche Bahn

Auch in der Verwaltung soll man richtig verärgert sein. Denn dort fehlen offenbar immer noch prüffähige Unterlagen, um die Vor- und Nachteile der einzelnen Trassenvarianten bewerten zu können. Bei einem Treffen mit der Bahn lagen sie wohl auf dem Tisch, wurden danach aber wieder mitgenommen, wie Insider berichten. Ohne sie konnte die Stadt jedoch bislang keine Empfehlung abgeben.

Habe das BMVI erst mal eine Auswahl getroffen, brauche man keine Diskussion mehr, hatte FDP-Stadtrat Fritz Roth noch vor Kurzem gewarnt. Die Bahn will die abgesagte Information der Öffentlichkeit offenbar schnellstmöglich nachholen. Zuvor seien weitere Gespräche zwischen Bahn und Stadt vorgesehen. (Carmen Ick-Dietl) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Der Hauptbahnhof München* hat eine lange Geschichte. Aus einer provisorischen Holzkonstruktion wurde einer der größten Bahnhöfe Deutschlands.

Auch interessant

Kommentare