Zoff am Stadtrand

Heftiger Streit zwischen München und Haar wegen Lkw-Verkehr: „Wir werden uns nicht kampflos beugen“

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An der Bahnstraße in Trudering wird’s häufig eng, deshalb hat der Stadtrat ein Fahrverbot für Lkw beschlossen.

Wegen des starken Lkw-Verkehrs in der Truderinger Bahnstraße in Richtung Gronsdorf ist ein heftiger Streit zwischen der Stadt München und der Gemeinde Haar ausgebrochen.

München/Haar - Zwischen der Stadt München und der Gemeinde Haar fliegen die Fetzen. Stein des Anstoßes ist das Lkw-Fahrverbot, das der Stadtrat für die Bahnstraße in Trudering beschlossen hat. Haars Bürgermeisterin droht nun offen mit einer Klage.

Lkw-Chaos in Gronsdorf

Der Streit an der Stadtgrenze schwelt schon seit Jahrzehnten. Auslöser ist die Erschließung von Gronsdorf, einem Ortsteil von Haar. Das Örtchen hat nur zwei Zufahrten: Auf Haarer Flur über die Ortsteile Salmdorf nach Ottendichl zur B471 oder über die schmale Bahnstraße auf Münchner Seite zur Wasserburger Landstraße.

Dort leiden die Anlieger vor allem unter den großen Lkw aus und ins Gronsdorfer Gewerbegebiet, hauptsächlich aber unter den Kieslastern die das Gronsdorfer Quetschwerk ansteuern. Bei Gegenverkehr weichen die Brummis oft auf die Gehwege aus und schrammen dabei häufig nur knapp an den Gartentüren vorbei. Eine Verkehrszählung ergab 28 Lkw zwischen 7.30 Uhr und 8.30 Uhr, insgesamt rund 4000 Durchfahrten täglich, samt entsprechendem Lärm und Abgasen.

Keine Kooperation zwischen München und Haar

Die Anlieger haben schon viel versucht, haben höhere Gehwege und Bordsteinkanten, Geländer zur Fahrbahn, Tempolimits und mehr, vor allem immer wieder Fahrverbote gefordert. Bislang ohne Erfolg.

Nun hat sich der Münchner Stadtrat durchgerungen und einstimmig ein Fahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen für die Bahnstraße beschlossen. Man habe immer wieder versucht, mit der Gemeinde Haar gemeinsam verträgliche Lösungen zu finden, doch alle Gespräche und Kooperationsangebote hätten nicht gefruchtet, sagt CSU-Stadtrat Hans Podiuk. „Der Schutz der Münchner ist unser wichtigstes Ziel – da können wir uns nicht von Umlandgemeinden über viele Jahre hin- und aufhalten lassen.“

Haarer Rathaus sauer auf Münchner Stadtrat

Im Haarer Rathaus schäumt man. Sie sei „schlichtweg fassungslos über das einseitige Vorpreschen der Münchner Stadträte“, erklärt Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD). Bisher habe sie gedacht, mit der Stadt auf Augenhöhe und kooperativ im Austausch zu sein. „Jetzt hat das Tischtuch einen Riss.“ Sollte der Stadtratsbeschluss tatsächlich umgesetzt werden, „werden wir uns nicht kampflos beugen und umgehend Klage einreichen“. Schließlich werde ja nicht der gesamte Kiesverkehr über die Bahnstraße abgewickelt, so die Bürgermeisterin. Auch die Haarer Ortsteile würden einen beachtlichen Teil an Lärm und Verschmutzung abkriegen. „Dass jetzt die einen Anwohner geschützt und die anderen komplett belastet werden sollen, ist ein merkwürdiger Politikstil.“

Zwar liege das Kieswerk auf Haarer Flur, bedient würden aber Baustellen in der Region und zum Großteil auch in München, argumentiert Müller. Dabei habe man in Gronsdorf doch gerade die Voraussetzung für die Anbindung an den Rappenweg geschaffen, aber der Stadt gelinge es seit Jahrzehnten nicht, dieses illegale Gewerbegebiet zu ordnen, kritisiert die Haarer Rathauschefin.

Lkw-Streit zwischen München und Haar: Keine Lösung in Sicht

Was sie nicht sagt: Derzeit ist die neue Straße vor allem eine Erschließung für die beiden Neubaugebiete am Gronsdorfer S-Bahnhof. Zudem hatte sie selbst bei einem Gespräch mit Truderinger Stadtteilpolitikern erklärt, dass dort keine Verbindung für Lkw entstehen soll. Im jüngsten Haarer Gemeinderat wurde sogar die Befürchtung laut, dass angesichts neuer Wohnbaupläne am Rappenweg ein eventueller Durchstich massiven Verkehr nach Gronsdorf ziehen könnte.

Eine andere Verkehrslösung auf eigenem Gebiet lehnen die Haarer strikt ab. Die sogenannte Spange Nord, die Gronsdorf und Haar-Eglfing entlang der S-Bahn verbinden soll, ist laut der Bürgermeisterin „nie als Entlastungsstraße für die Bahnstraße gedacht, sondern soll unseren Ortsteil mit dem Hauptort verbinden“. Das Kreisverwaltungsreferat muss nun prüfen, ob und wie es das Lkw-Verbot in der Bahnstraße umsetzt. 

Grundstücks-Poker mit der Gemeinde Haar: Geplante Neubaugebiete samt Schulcampus

An Münchens östlicher Stadtgrenze gibt es auch noch andere Probleme mit den Nachbarn aus Haar. Die wollen einen neuen Schulcampus bauen, brauchen dafür aber Grund von der Stadt. Aus dem Stadtrat und dem Bezirksausschuss Trudering kommt jedoch Widerstand wegen drohender Verkehrsprobleme auf Münchner Seite.

Am Donnerstag wird im Bundestag nach einem Antrag der Grünen über ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Autobahnen abgestimmt. Die Bundesregierung hatte einem solchen schon vorab eine Absage erteilt.

Carmen Ick-Dietl

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