DB-Projekt in München Ost

Neue Gleise in Trudering geplant: Deutsche Bahn droht Anwohnern mit Enteignung - „keine leichte Geschichte“

Güterzüge fahren durch den Bahnhof in Trudering: Hier will die Deutsche Bahn die Gleise erweitern
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Sollten die Deutsche Bahn ihre Gleis-Pläne in München durchsetzen, müssen einige Häuser Teile ihres Grundstücks abgeben.

In Trudering soll der Bahn-Verkehr ausgebaut werden. Die DB will die Gleise erweitern. Alles gut für‘s Klima - doch betroffenen Anwohnern droht die Enteignung.

München/Trudering - Die Bahn will die Güterzug-Gleise am Bahnhof Trudering und die Strecke nach Daglfing zweigleisig ausbauen. Dazu muss die Brücke am Schatzbogen neu gebaut werden. Zudem braucht man Privatgrund. Den Eigentümern droht schlimmstenfalls sogar Enteignung, falls sie nicht freiwillig verkaufen.

740 Meter – das ist die europäische Standardlänge für Güterzüge. Ein Zug ersetzt rund 52 Lastwagen. Der Transport wird günstiger, es müssen weniger Züge fahren und die Streckenkapazität erhöht sich. Alles gut fürs Klima, so die Deutsche Bahn (DB).

Hier am Schatzbogen in Trudering plant die Deutsche Bahn neue Gleise: Anwohnern droht die Enteignung

Die Bahnbrücke über den Schatzbogen (Luftbild oben, im Kreis) muss komplett abgerissen und neu gebaut werden. Dazu braucht die Bahn Teile der Grundstücke, die im Luftbild links oberhalb der Brücke zu sehen sind. Das Foto links zeigt, wie nah die Gleisanlagen den Häusern jetzt schon sind. Die zusätzlichen Gleise würden noch enger an die Häuser heranrücken.

Foto: Oliver Bodmer, Grafik: Bahn

Neue Gleise in Trudering: Bahn droht mit Enteignung - nördlicher Brückenteil wird abgerissen

Nur passen derart lange Züge derzeit nicht auf die Gleise am Bahnhof Trudering. Hier aber soll die Überholspur für die schnelleren Personenzüge sein. Daher will die Bahn nun in Trudering* die Gleise fünf bis zehn auf der Nordseite entsprechend verlängern – zum Teil um bis zu 150 Meter.

Unter der Brücke am Schatzbogen, einer wichtigen Straßenquerverbindung im Münchner Osten, ist es ebenfalls zu eng. Deshalb soll der nördliche Brückenteil abgerissen und verbreitert wieder aufgebaut werden. Drunter ist dann auch Platz für ein zweites Gleis der Schienenverbindung nach Daglfing. „Das ist der letzte Flaschenhals auf dem Güterzug-Nordring“, erklärt Norbert Barth, Projektleiter für DB-Großprojekte in Süddeutschland.

Neue Gleise in Trudering: Anlieger sollen Teile ihrer Gärten verkaufen „Das wird keine leichte Geschichte“

Allerdings benötigt braucht die Bahn dafür zusätzliche Flächen von privat. Die Besitzer der Reihenhäuser in der Heltauer Straße, die heute etwa 25 Meter vom Bahndamm entfernt sind, sollen also Teile ihrer Gärten verkaufen, damit die Güterzüge künftig noch näher an ihren Häusern vorbeirauschen können. „Das wird keine leichte Geschichte“, ahnt Norbert Barth, „wir müssen da in Dialog treten, aber wir streben eine gütliche Einigung an.“ Gibt’s die nicht, droht am Ende sogar Enteignung.

„Was ist wichtiger: Klimaschutz oder die jeweiligen Betroffenen?“, fragt Barth provokant. Der Bund entscheide, ob er Gemeinwohl über Einzelwohl stellen wolle. „Es ist keine bessere Planung möglich“, behauptet der DB-Planer.

Die Bahn argumentiert bei ihren Plänen viel mit mehr Schutz für Klima und Anlieger. So müssten die Güterzüge künftig in Trudering nicht mehr von 100 auf 60 km/h abbremsen. Die Fahrt durch die Stadt erzeuge dadurch weniger Emissionen und spare Energie. Es werde in diesem im Gebiet leiser, verspricht Barth. Zudem soll es für den gesamten Bereich des Bahnhofs Trudering erstmals Schallschutzmaßnahmen geben – von Lärmschutzfenstern bis zu Wänden und Wällen.

Bahn-Projekt in Trudering: Wohngebiet womöglich betroffen - kein Lärmschutz für alte Grundschule

Schulen genießen eigentlich den höchsten Schutz. Anders die Grundschule am Lehrer-Götz-Weg. Weil das 130 Jahre alte Schulgebäude im Flächennutzungsplan nicht gesondert verzeichnet ist, beurteilt es die Bahn nur nach dem Wohngebiet-Grenzwert. Zusätzlichen Schallschutz soll es deshalb nicht geben. Dabei rücken die Gleise hier fast acht Meter näher an die Schule heran.

Noch schlimmer könnte es das geplante Wohngebiet an der Heltauer Straße treffen, wo rund 1500 neue Wohnungen* entstehen sollen. „Wir wissen von den Planungen“, gibt Barth zu, „doch es ist für uns im Moment nicht spruchreif.“ Für den Lärmschutz werden im Planfeststellungsverfahren nur „verfestigte“ Planungen berücksichtigt.

Neue Gleise in Trudering: Bahn droht mit Enteignung - Baustart und Brückenabriss könnte noch dauern

Bis 2024 wird der Bebauungsplan für den Acker sicher nicht fertig. Man sei noch in einer ganz frühen Phase des Projekts, betont die Bahn. Nächstes Jahr soll die Entwurfsplanung beginnen, das Genehmigungsverfahren 2024 starten. Die Termine für Baustart und Brückenabriss sind davon abhängig, ob das Planfeststellungsverfahren bis 2026 abgeschlossen ist. Die DB rechnet mit 3,5 Jahren Bauzeit für das gesamte Projekt.

Infoveranstaltung: Am 27. Juli lädt das Projektteam von 18 bis 19.30 Uhr zu einer digitalen Informationsveranstaltung ein. Weitere Infos gibt es im Internet.

(Carmen Ick-Dietl) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA
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