Projekt „Riemer Rückgrat“

Irre Idee: Schießen hier bald Holz-Hochhäuser aus dem Boden?

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Markante Begleiter der Messehallen: Elf Holz-Hochhäuser. 

Es ist eine außergewöhnliche Idee: In der Messestadt Riem könnten in einer Reihe elf neue Holz-Hochhäuser entstehen. Die Stadt will dazu nun eine Machbarkeitsstudie erstellen.

Riem - Elf neue Hochhäuser aus Holz, mitunterschiedlichen Höhen zwischen 45 und 60 Metern, entlang der Riemer Verkehrsachse Willy-Brandt-Allee – so lautet der Vorschlag von Andrea Gebhard. Die Münchner Architektin und Stadtplanerin war mal im Planungsreferat für das Grün in der neuen Messestadt zuständig und später als Co-Geschäftsführerin der Buga 2005 in Riem tätig. Sie kennt das Gebiet wie ihre Westentasche. 

Für Gebhard ist der breite Grünstreifen entlang der Willy-Brandt-Allee ohne bedeutende Funktion. Denn sowohl das Messegelände als auch die Wohnbebauung auf der anderen Seite wenden der Achse ihren Rücken zu. Ideal also für eine Nachverdichtung, die aber gleichzeitig zur Aufwertung werden soll.

München-Riem: Experiment im Hinblick auf „essenzielle Fragen“

Mit dem sogenannten „Riemer Rückgrat“ will die Architektin einen wesentlichen Beitrag dazu leisten und „mit einer städtebaulichen Figur der Messestadt Riem ein besonderes Gesicht geben“. Die Hochpunkte würden durch ihre Aneinanderreihung entlang der Straße die Grünachsen der Messestadt-Siedlung aufgreifen und die linearen Strukturen der vorhandenen Bebauung nochmals zusätzlich betonen. 

Die Gebäude könnten als Kette von bis zu 800 innovativen und experimentellen Wohntypologien, gegebenenfalls auch für Verwaltung und Büros fortschrittlicher Firmen genutzt werden. Dazu denkt Gebhard an Cafés und Co-Working-Spaces im Erdgeschoss, kleine Läden, Kioske und Paketsammelstellen. Aus dem derzeit „toten Rücken“ zur Messe würde so ein großzügiger und belebter Boulevard, wirbt sie. Heckengärten und Gartenelemente könnten als Rückzugsorte für Bewohner oder für Beschäftigte in der Mittagspause dienen.

Andrea Gebhard sieht im Rückgrat aber auch „ein Experiment im Hinblick auf essenzielle Fragen des Städtebaus“. Auf der Suche nach neuen Lösungen für Abstandsflächen, neuen Wohnformen und als Beitrag zum Mietwohnungsbau. Die Stadt müsse die knappen Flächen in München effizienter nutzen. Einst verfügbare Kasernenareale wurden bereits entwickelt, letztlich bleibe nur die Nachverdichtung – auch im Hinblick auf den Schutz der Ressource Boden. „Es ist notwendig, intensiv und transdisziplinär zu entwerfen, neue Wege zu gehen, ungewöhnliche Ideen zu entwickeln – aber vor allem ist der Mut zur Umsetzung entscheidend“, so die Planerin.

Riem: Stadt will Hochhäuser in der Willy-Brandt-Allee prüfen

Noch ist das Ganze nur eine Vision, doch auch in Münchens Zukunft sollen Hochhäuser nicht mehr tabu sein. Doch Stadtbaurätin Elisabeth Merk hat bereits ihren Gefallen daran bekundet. Vom Stadtrat will sie sich einen Prüfauftrag holen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

In der Messestadt habe die Idee eingeschlagen wie eine Bombe, erklärte Anwohnerin Gertraud Ruprecht auf der jüngsten Bürgerversammlung in Trudering. „Neun Hochhäuser auf dem Stück zwischen Messestadt-Ost und Messestadt-West, das halten wir für nicht machbar.“ Die Anwohner sorgen sich um Sozialverträglichkeit, Verkehr, Frischluftzufuhr und mehr. Auch wenn die Messestädter den Hochhaus-Vorschlag mit großer Mehrheit ablehnen, sehen sie offenbar Entwicklungspotenzial auf einigen Flächen. 

Die Stadtrats-Grünen fordern daher eine „frühzeitige und ernsthafte Beteiligung der Bewohner an einem möglichen Diskussions- und Planungsprozess“. Dabei müsse man neben der Grünfläche auch über die vier Fahrbahnen der Willy-Brandt-Allee und die großen Flächen westlich und östlich der Messe diskutieren, sagen die Grünen-Stadträte Herbert Danner und Katrin Habenschaden. Auf diesen Arealen wird alle drei Jahre die weltweit größte Baumaschinen-Messe Bauma abgehalten, dazwischen werden sie vor allem als Lagerfläche, Parkplatz, für Flohmärkte und Wiesncamp genutzt.

Mehr: Vom Riesenrad bis zum Hundehaus - Die Zukunft der Stadtviertel Trudering-Riem, Schwanthalerhöhe und Berg am Laim

Carmen Ick-Dietl

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