„Warten ist das Schlimmste“

Tierschützerin kämpft gegen Hunde-Mafia - Übergabe endet mit Drohungen

Ein Zivilpolizist (l.), Melanie S. (m.) und die Reporterin unterhalten sich. 

Eine Tierschützerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen die Hunde-Mafia in Deutschland zu kämpfen - doch ihre Aktionen sind nicht immer ungefährlich. Eine Reporterin begleitete sie für einen Tag.

München - Ein Mann kommt entschlossenen Schrittes auf Tierschützerin Melanie S. zu. Er sieht außergewöhnlich gewöhnlich aus: graue Cap, schwarzer Kapuzenpulli, eine leicht spießige Brille. Langsam lässt er seine Hand in die rechte Hosentasche gleiten, zieht ein Portemonnaie heraus und zeigt einen Ausweis: „Zivilpolizei!“, sagt er, „Wenn die Übergabe erfolgt, kommen wir raus.“

Die Ware bei der Übergabe: Welpen, angeblich Samojeden, die ein Händler aus Slowenien illegal verkaufen will. Melanie S. hat die Anzeige aufgespürt und ein Treffen auf dem Edinburghplatz in der Messestadt West ausgemacht. Dann alarmierte sie die Polizei. Nicht die erste Aktion dieser Art für die 25-Jährige: Etwa 300 Welpen hat sie so in drei Jahren gerettet. Viele von ihnen waren zu jung, hatten nicht die nötigen Impfungen oder kamen gar krank in Deutschland an.

„Das Warten ist immer das Schlimmste“

Melanie S.’ Handy läutet: Der Händler verspätet sich um 15 Minuten. „Das Warten ist immer das Schlimmste“, sagt sie, während sie ungeduldig ihr Gewicht von einem aufs andere Bein verlagert. Jedes Mal, wenn ein verdächtig wirkendes Auto vorbeifährt, reckt sie den Hals. Dann bleibt ihr Blick an einem schwarzen Audi mit einem Hundekäfig im Kofferraum hängen. „Da sind sie“, sagt sie aufgeregt.

In dem Wagen sitzt ein unauffällig wirkendes Paar. „Die wollen Vertrauen erwecken“, erklärt Melanie S. Selten treffe sie auf Händler, die einen zwielichtigen Eindruck machen. Die 25-Jährige will trotzdem Abstand halten. Sie hofft, dass die Händler vom Auto weggehen, denn einmal hätte sie ein flüchtender Verkäufer beinahe umgefahren. Der Audi parkt weit entfernt. Melanie S. zögert kurz, dann nimmt sie ihren Mut zusammen, geht hin und schlüpft in die Rolle der unschuldigen Käuferin.

Die Situation wird ernst

„Oh, sind die süß“, quietscht sie, während das freudestrahlende Paar sie empfängt und den Kofferraum öffnet. „Darf ich ein Foto machen?“, fragt sie gleich hinterher. Ohne eine Antwort abzuwarten, lichtet sie nicht nur die schwanzwedelnden Hunde, sondern auch die Händler ab. „Die ist Liza und die Rea“, sagt der Händler in gutem Deutsch und drückt Melanie S. die Hunde auf den Arm.

Dann schlägt die Zivilpolizei zu und die Stimmung ändert sich. „Wollen Sie die Hunde verkaufen?“, fragen sie streng. Der Händler verneint, plötzlich spricht er nicht mehr so gut Deutsch. Seine Freundin, die offensichtlich nichts versteht, steht unbeholfen daneben.

Die Beamten wollen die Pässe der Tiere sehen. Die Anspannung ist in diesem Moment förmlich greifbar, der Verkäufer greift ins Handschuhfach. Er hat einen Hundepass dabei – nur ist er unvollständig, unter anderem fehlt die Tollwut-Impfung. Ein Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz. Die Polizei fordert das Paar auf, mit auf das Revier zu kommen.

Es droht zu eskalieren

Dort gibt Melanie S. eine Zeugenaussage, während die die Polizisten, die nur selten solche Fälle bearbeiten, das Strafmaß prüfen. 300 Euro soll der Händler zahlen, die Hunde werden beschlagnahmt. Der Mann, der aus Slowenien stammt, beteuert weiter seine Unschuld. „Wenn sie nicht zahlen, müssen Sie in den Knast“, sagt eine Polizistin. „Wie lange?“, erwidert der Händler und schimpft. Als die Situation zu eskalieren droht, fordert ein Polizist Melanie auf, die Hunde ins Tierheim zu bringen. Dort müssen sie mindestens sieben Wochen in Quarantäne bleiben, erst dann sind sie fertig geimpft. Besitzer sind weiterhin die Händler, wenn sie die Kosten übernehmen, erhalten sie die Hunde zurück.

Am Abend erhält Melanie S. vom Händler Drohnachrichten per E-Mail. Anscheinend ist er wieder frei, hat die Strafe gezahlt. „Mein Einsatz ist manchmal ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt die Tierschützerin traurig. „Wir brauchen hier härtere Strafen.“

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