Mehr als 1500 Fälle

Millionenbetrug - Münchner Arzt zieht Krankenkassen über den Tisch

Ein Arzt bei der Abrechnung.
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Durch falsche Abrechnungen soll sich ein Truderinger Arzt bereichert haben.

Drei Millionen Euro soll sich ein Truderinger Arzt ergaunert haben - durch eine hinterlistige Masche. Doch die Beamten sind ihm auf die Schliche gekommen.

München - Sein Verdienst war ihm wohl nicht genug. Also hat ein Arzt (58) aus München*-Trudering* nachgeholfen und einen anderen Weg gefunden, um sich die Taschen voll zu machen. Von Ende 2014 bis Ende 2020 soll er bei mehreren gesetzlichen Krankenkassen Leistungen abgerechnet haben, die er nie erbracht hatte. Gesamtwert: rund drei Millionen Euro!

Ende 2019 kam ihm ein Mitarbeiter einer Krankenkasse auf die Schliche. Er erstatte Strafanzeige, die Polizei übernahm die Ermittlungen. Und tatsächlich: Knapp über 1500 gefälschte Patientendaten fanden die Ermittler. Selbst als sie im Juni 2020 seine Privat- und Praxisräume durchsuchten, hörte der 58-Jährige nicht auf. Kurios: Bei der Durchsuchung seines Zuhauses trafen die Ermittler ihn im Schlafanzug an. Im gleichen Outfit erschien er am Nachmittag dann auch auf der Wache.

München-Trudering: Ein Mitarbeiter der Krankenkasse stellte Strafanzeige

So kam ihm der Krankenkassen-Mitarbeiter auf die Schliche: Der Arzt fragte mehrmals bei den Krankenkassen nach, ob die Patienten noch dort versichert seien. Hinzu sei die auffällig häufige Abrechnung von ärztlichen Leistungen auf genau diese angefragten Patientendaten, teilt die Polizei mit. Die Patienten wussten davon nichts.

Anja Brandstetter jagt die Millionenbetrüger.

Die Jagd auf die Millionenbetrüger leitet Anja Brandstetter. Sie ist Chefin der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen beim Kommissariat 73, die es seit fünf Jahren gibt. „So einen extremen Fall sehe ich das erste Mal“, sagt Brandstetter. Hintergrund, warum die Arbeitsgruppe überhaupt gegründet wurde, ist, dass die Fallzahlen damals explodiert seien.

Der Truderinger Arzt muss nun abwarten, wie es weitergeht. Brandstetter und ihr Team haben das Ermittlungsergebnis nun der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg übermittelt, die die weitere Prüfung des Betrugsfalls übernimmt. - *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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