Ein Täter noch immer flüchtig

Juweliersfamilie nach Schüssen in Trudering geschockt: „Immer das Gefühl, dass uns einer auflauert“

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Juwelier Baier in Trudering wurde Opfer von Trickbetrügern v.l. Sabrina, Bernhard und Gabriele Baier

Nach den Schüssen in der Truderinger Straße fahndet die Polizei weiter nach einem mutmaßlichen Gold-Betrüger. Jetzt hat die betroffene Familie gesprochen.

  • Mitten in Trudering sind am Mittwoch (27. März 2019) Schüsse gefallen.
  • Polizeibeamte in Zivil feuerten vor einem Juweliergeschäft auf flüchtende Gangster.
  • Ein mutmaßlicher Täter wurde festgenommen, ein anderer Mann ist auf der Flucht.  

Update 29. März: Wie Chinaböller habe es sich zuerst angehört, sagt Sabrina Baier (27). Die junge Frau spricht über jene Szene vom Mittwochmittag, die sie nachträglich jetzt noch zittern lässt. Diese Augenblicke, als ein Polizist vor ihrem Laden dreimal den Abzug seiner Pistole drückt. Als auch ihre Eltern, Gabriele (54) und Bernhard Baier (55), erst einmal gar nicht ganz realisieren, was da draußen grad passiert. Bis eine Frau panisch in den Laden stürmt und ruft: „Draußen wird geschossen!“ 

Trudering: Mann bietet Juwelier Zahngold zum Kauf an

50 Jahre lang ist nie etwas passiert in dem Familienunternehmen der Baiers, einem Juweliergeschäft in Trudering. Bis zum Mittwoch. Als die Polizei im Geschäft Trickbetrüger stellen wollte – und die Situation eskalierte. „Vorige Woche kam ein unscheinbarer Mann“, erinnert sich Bernhard Baier. „Er hat Zahngold angeboten und gesagt, er gehört zu einer Gemeinschaftspraxis mit fünf Zahnärzten.“ Baier prüfte das Material. „Es war absolut authentisch“, sagt er. Er fand sogar Spuren von Zahnresten. 

Juwelier wird plötzlich misstrauisch

In den nächsten Tagen kamen vermeintliche Kollegen der Praxis, brachten sechs weitere Male Metall. Vier Männer zwischen 20 und 25 Jahren waren das. Baier kaufte fast 800 Gramm für über 10.000 Euro. Als die Täter noch mehr verkaufen wollten, sagte Baier, er wolle es zuerst in der Schmelze überprüfen lassen: „Sie drängten uns, schon vorher etwas zu kaufen. Da wussten wir, dass etwas nicht stimmt.“ Und die Befürchtungen waren wahr: „Am nächsten Tag rief jemand von der Schmelze an und sagte: Das ist alles nichts wert!“ 

Juwelier Baier stellt Betrügern eine Falle

Kurz darauf meldeten sich die Täter erneut. Baier willigte zum Schein ein, mehr zu kaufen und rief die Polizei. Als der Gauner den Laden betrat, wartete ein Zivilpolizist drinnen, ein anderer draußen. Baier stellte den Mann zur Rede – der daraufhin eine Nummer in seinem Handy wählte. In diesem Moment quietschten draußen die Reifen. Offenbar hat er seinen Spezl draußen gewarnt. Der Polizist, der draußen stand, schoss dreimal auf das flüchtende Auto. „Der Polizist im Laden drückte den Mann gegen die Vitrine und legte ihm Handschellen an“, sagt Gabriele Baier. Der andere konnte fliehen. 

Bei Familie Baier sitzt der Schock tief. „Ich habe immer das Gefühl, dass uns einer auflauert“, sagt Gabriele. Die Polizei fand noch am selben Tag das Auto des Flüchtenden – und ist dank der DNA-Spuren zuversichtlich, den zweiten Täter zu fassen.

Kathrin Braun

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In Hamburg endete ein Angriff auf eine Frau und ihr Kind im Todesdrama, wie nordbuzz.de berichtet.

+++Newsticker zu den Schüssen in Trudering+++

Update vom 28. März, 19.32 Uhr: Waren die Schüsse gerechtfertigt? Wie berichtet, hat ein Polizist (41) gestern drei Schüsse auf das Auto eines flüchtenden Täters abgefeuert. Zur Erinnerung: Zwei Männer betrogen einen Juwelier mit unechtem Gold um 10.000 Euro. Die Polizei nahm einen der Täter fest, der andere türmte – da fielen die Schüsse. Das Kommissariat 11 überprüft nun, ob der Polizist verhältnismäßig gehandelt hat und ob andere Menschen durch die Kugeln hätten gefährdet werden können. Die Polizei fand am Donnerstag übrigens das Auto des Geflüchteten. Wegen der vielen DNA-Spuren ist die Polizei zuversichtlich, den Gangster bald festnehmen zu können.

Update vom 28. März, 13.21 Uhr: Nun werden neue Hintergründe zum Großeinsatz in Trudering vom Mittwoch bekannt. Wie die Polizei mitteilt, boten drei Täter einem Juwelier in Trudering seit dem 19. März in bislang sechs bekannten Fällen angebliches Zahngold zum Verkauf an. Nach der Prüfung des Zahngolds kam der Juwelier laut Polizei zum Schluss, dass es sich um echtes Zahngold handelt. Daher kaufte er die Ware, für die er insgesamt rund 10.000 Euro zahlte. 

Männer verkaufen Juwelier wertloses Material statt Zahngold - Besitzer alarmiert Polizei

Doch dann erhielt der Juwelier von der Firma, die das Gold einschmelzt, die Rückmeldung, dass es nicht um Zahngold handelt - sondern um „wertloses Material“. Da sich die Täter erneut angekündigt hatten, verständigte der Juwelier die Polizei. Zwei zivile Polizisten überwachten daraufhin den angekündigten Termin. Ein Polizist hielt sich im Geschäft, ein weiterer außerhalb des Ladens auf. 

Video: Schüsse vor Juwelier in München - das steckt dahinter

Nachdem ein 25-jähriger Tatverdächtiger aus dem Landkreis Eichstätt das Geschäft gegen 12.30 Uhr betrat, wurde er vorläufig festgenommen. Der zweite Polizist wollte einen zweiten Verdächtigen, der in einem BMW in der Nähe des Geschäfts geblieben war, kontrollieren. Doch „der Tatverdächtige wollte sich mit dem Pkw entfernen und der Beamte gab daraufhin drei Schüsse auf das Fahrzeug ab, um die Flucht zu unterbinden“, teilt die Polizei mit. Trotz Schüssen konnte der Verdächtige mit dem Auto fliehen. Der Wagen wurde gegen 14 Uhr leer in der Nähe des Tatorts gefunden. 

Schüsse in Trudering: Fahndung der Polizei ohne Erfolg

In einer großangelegten Fahndung suchte die Polizei nach dem Flüchtigen, die gegen 19 Uhr erfolglos beendet wurde. Die Ermittlungen wegen des Verdachts eines Verbrechenstatbestandes (gewerbsmäßiger Bandenbetrug) werden vom Kommissariat 65 (Trickdiebstahl) geführt und die Überprüfungen des Schusswaffengebrauchs wurden vom Kommissariat 11 übernommen. Über die Haftfrage bei dem 25-Jährigen wird im Laufe des Tages entschieden.

Nach Schüssen in Trudering: „Wir hatten alle Angst“ - Zeugen geschockt

Update 18.18 Uhr: Nach Schüssen vor einem Juwelier in Trudering fahndet die Polizei mit Hochdruck nach einem mutmaßlichen Täter. Sogar Linienbusse werden kontrolliert.  

Der Flüchtige hatte am Mittwochmittag mit einem anderen Mann in einem Schmuckgeschäft den Inhaber mit Altgold betrügen wollen. Doch der Juwelier ließ sich nicht berirren. Beamte in Zivil wollten die Männer festnehmen - doch diese flüchteten. Daraufhin feuerten die Beamten drei Schüsse ab. 

Schüsse in Trudering - das berichten Zeugen

Jela Duvic (47) arbeitet in einer Bäckerei in Nähe des Tatorts. Sie erinnert sich: „Es war wahnsinnig viel los, wir hatten alle Angst – wir Angestellte und die Kunden, die zu uns in den Laden kamen. Eine Mutter kam mit ihrem Kinderwagen zu uns ins Geschäft. Sie hatte die Schüsse gehört.“ – Der Juwelier wollte nicht mit der Presse sprechen.

Gabriele Kraft ist die Inhaberin von Inneneinrichtung Kraft, dem Laden gleich neben dem Juweliergeschäft Baier. Sie selbst hat das Fast-Drama auf der Straße direkt vor ihrem Geschäft nicht mitbekommen, wohl aber eine Mitarbeiterin: „Sie erzählte mir, dass sich die Schüsse wie Böller angehört hätten“, berichtet die 59-Jährige der tz. Danach habe ihre Kollegin gesehen, wie ein blaues Auto mit quietschenden Reifen davongebraust sei in Richtung Innenstadt – gefolgt von einem Mann in Zivil mit gezückter Waffe – ein Zivilpolizist. 

Direkt vor dem Geschäft von Gabriele Kraft fielen die Schüsse.

Update 16.02 Uhr: Aktuell wird die Truderinger Straße wieder für den Verkehr freigegeben.

Großeinsatz der Polizei in Trudering: Fluchtauto gefunden

Update 15.37 Uhr: Das Fluchtauto wurde in der Nähe des Tatorts in Trudering gefunden. Das teilte die Polizei auf Twitter mit. Die Fahndung nach dem männlichen Tatverdächtigen läuft weiterhin. 

Update 15.18 Uhr: Nun werden erste Details zu den Hintergründen der Vorkommnisse in Trudering bekannt. Wie die Polizei der tz bestätigte, gibt es einen Zusammenhang zu einem vorangegangenen Betrug durch Ankauf von Altgold bei einem Juwelier an der Truderinger Straße. 

Ob einer der Täter eine Waffe hatte, ist derzeit unklar.

Schüsse in Trudering: Eine Person auf Flucht vor Polizei

Update 14.36 Uhr: Nach ersten Informationen schoss die Polizei in Trudering auf ein Auto. Dabei wurde mehr als ein Schuss abgegeben. Auf der Truderinger Straße liegen Scherben.

Video: Szenen vom Tatort - Sven Müller von der Münchner Polizei gibt ein Statement ab

Großeinsatz der Polizei in Trudering: Das ist bisher bekannt

Update 14.12 Uhr: Wie die Polizei München auf Twitter mitteilt, sind zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. Die Hintergründe würden derzeit noch ermittelt. „Die Tat steht aber in einem allgemeinkriminellen Kontext“, so die Polizei. Ob den Schüssen Straftaten wie ein Überfall oder ein Diebstahl vorausgingen, konnte die Polizei zunächst nicht sagen.

Erstmeldung: Großeinsatz - Mann auf der Flucht - Polizei gibt Schüsse ab

München - Wie die Polizei München mitteilt, läuft derzeit ein größerer Einsatz im Münchner Stadtteil Trudering. Nach einem Schusswaffengebrauch der Polizei konnte eine Person festgenommen werden, eine weitere ist jedoch noch auf der Flucht. Über die Hintergründe des Vorfalls machte der Sprecher zunächst keine Angaben. Es bestehe allerdings keine Gefahr mehr.

Aufgrund der Ereignisse bleibt der Juwelier in der Truderinger Straße vorerst geschlossen. Die Eigentümer des Geschäfts haben eine Nachricht an der Ladentür ausgehängt.

Erst Mitte März gab es einen Großeinsatz der Polizei in der Nähe des Mariahilfplatzes in München. Dort fielen Schüsse, zwei Menschen kamen ums Leben, berichtet tz.de*.

Zwei Fälle einer seltenen Erkrankung meldet das Gesundheitsamt Ebersberg. Zwei Frauen sind lebensgefährlich erkrankt. Eine ist Erzieherin in einem Grafinger Kindergarten, berichtet Merkur.de*. Weil sie sich durch Zurufe nicht stoppen ließ, hat einPolizist eine Hündin, die auf ihn zustürmte, durch einen Warnschuss gestoppt, berichtet Merkur.de*.

*tz.de, Merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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