„Niemand hat uns Hilfe angeboten“

Werkstatt-Brand in Trudering: Ehepaar verliert sein Auto - und die Versicherung zahlt nicht

Bei dem Feuer in der Autowerkstatt ist ein hoher Sachschaden entstanden und es wurden zwei Menschen leicht verletzt. Das Auto des Ehepaars Koschwitz wurde dabei ebenfalls zerstört.
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Bei dem Feuer in der Autowerkstatt ist ein hoher Sachschaden entstanden und es wurden zwei Menschen leicht verletzt. Das Auto des Ehepaars Koschwitz wurde dabei ebenfalls zerstört.

Das Ehepaar Koschwitz hat seinen Mercedes bei einem Feuer in der Autowerkstatt verloren – das Auto brannte komplett aus. Nun will die Versicherung nicht zahlen.

München - Die Bilder waren erschreckend. Am Freitag, 4. Juni, stieg eine große Rauchwolke über dem Münchner Osten* auf. In Trudering stand eine Autowerkstatt in Flammen*. Der Schaden war immens. Er soll bei über einer Million Euro liegen – schließlich brannten rund 20 Autos bei dem Feuer komplett aus. Auch der Mercedes GLC 250d der Familie Koschwitz. Von ihm blieb nur noch ein kümmerlicher Rest übrig. Auch mehrere Brillen, ein Smartphone und alles andere im Auto wurden von den Flammen verschlungen. Für Siegfried Koschwitz (82) und seine Frau Karin (82) ein Schock.

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Brand in Trudering: Die Koschwitz wurden durch die Zeitung informiert

Was danach folgte, trieb die beiden fast in den Wahnsinn. Von dem Brand erfuhren sie aus der Zeitung. „Niemand hat uns informiert oder uns Hilfe angeboten“, beklagt Siegfried Koschwitz. Der 82-Jährige ist aufgebracht. Er kommt sich vor wie im Irrenhaus und ist enttäuscht, wie vonseiten der Werkstatt und des Daimler-Konzerns mit ihm umgegangen wurde. Die Werkstatt wehrt sich gegen diese Vorwürfe.

Kein Verständnis haben die Eheleute Karin und Siegfried Koschwitz dafür, dass sie für ihr Auto, das beim Brand in einer Truderinger Werkstatt zerstört wurde, kein Geld sehen.

Ihr Anwalt betont, dass es von der Werkstatt am Sonntag nach dem Brand eine telefonische Benachrichtigung gegeben habe. Zudem sei es am Montag an der Unglücksstelle zu einem Gespräch zwischen den Verantwortlichen der Werkstatt und der Familie Koschwitz gekommen. Den Mercedes hatten die Rentner vor knapp vier Jahren als Gebrauchtwagen gekauft. „Unsere Kinder leben von Hamburg bis Genf verteilt. Da wollten wir die letzten Jahre noch gut hinkommen – und vor allem bequem einsteigen“, erzählt Koschwitz. In die Werkstatt musste das Auto wegen einer Garantiearbeit. Ein Chip war kaputt. Der Wert des Mercedes lag bei rund 31.600 Euro. Jetzt ist alles weg.

Brand in Trudering: Die Versicherung zahlt erst, wenn es einen Verantwortlichen gibt

Nun stellt sich die Frage: Wer muss zahlen? Die Versicherung der Werkstatt wiegelte ab, sieht sich nicht in der Verantwortung. „Wir sind fassungslos“, sagt Koschwitz. Wie sei es möglich, dass man selber auf sein Auto aufpassen müsse, wenn man es in die Werkstatt gebe. Das sei ganz normal, sagt Sascha Straub, Jurist und Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern, über das Verhalten der Versicherung. Der Experte erklärt: „Die entscheidende Frage ist: Wer ist schuld, ob absichtlich oder fahrlässig?“ Erst wenn das geklärt sei, könne jemand haftbar gemacht werden. Die Fahrlässigkeit eines Mitarbeiters, schlampige Wartungsarbeiten, ein Schaden an einem anderen Auto… Die Möglichkeiten sind zahlreich. „Es braucht eine Verantwortlichkeit“, sagt Straub. Ansonsten bleibe man auf dem Schaden sitzen. „Lebensrisiko“, nennt das der Jurist. Vergleichbar: Wenn man sein Auto beim Wandern auf einen Parkplatz abstellt und es vom Hagel beschädigt wird. Straub rät, in solchen Fällen unbedingt einen Anwalt einzuschalten.

Und genau das machte Siegfried Koschwitz auch. Für ihn ist klar: „Ein Feuer entsteht nicht einfach so.“ Doch das müssen die Geschädigten erst einmal beweisen. „Die Ermittlungen dauern an“, teilt die Polizei* mit. „In der Werkstatt wurden wie in vielen anderen Werkstätten auch Gefahrstoffe gelagert“, heißt es. Das habe die Ausbreitung des Feuers begünstigt. Bis der Fall abgeschlossen ist, kann es also dauern – Monate, wenn nicht Jahre. Fürs Erste greift die Teilkasko-Versicherung von Siegfried Koschwitz. Ein neues Auto hat er immerhin schon. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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