Bürger können Wünsche einbringen

Neue grüne Lunge im Münchner Osten? Die Steinwüste Willy-Brandt-Platz soll umgestaltet werden

Die umstrittenen Pflastersteine aus Indien sollen weg – die trostlose Leere auch.
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Die umstrittenen Pflastersteine aus Indien sollen weg – die trostlose Leere auch.

Schon vor Jahren hatte OB Reiter eine Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes ins Gespräch gebracht. Jetzt könnte Fahrt in die Geschichte kommen.

München - Als Oberbürgermeister Dieter Reiter* (SPD) im Wahlkampf 2019 auf dem Willy-Brandt-Platz vor den Riem-Arcaden stand, fand er ihn einfach nur schrecklich. Der Platz, fast doppelt so groß wie der Münchner Marienplatz*, lade wirklich nicht zum Verweilen an, kritisierte der OB damals und kündigte eine Verschönerungsaktion an, die vom Stadtrat später beschlossen wurde.

München: Willy-Brandt-Platz sollte durch Leere punkten

Dabei war das Areal eigentlich als „Aufenthalts- und Erholungsraum“ für die Messestädter in Riem* gedacht gewesen. Frei von jeglichem Mobiliar sollte der Platz durch seine „großzügige Leere“ punkten. Das schaffe Raum für temporäre Veranstaltungen und erlaube die größtmögliche Nutzungsvielfalt, hatten die Planer ihr Konzept begründet. Die Messestädter allerdings verspotten den Platz seit Jahren als „Platz der Leere“. Daran änderten auch die bunten Kunststoffmöbel nach Wiener Vorbild, der aufgepäppelte Wasserstrudel im 3000 Quadratmeter großen Asphaltrondell und das an ein abgestürztes Baugerüst erinnernde Kunstwerk am U-Bahn-Abgang nichts.

Informationstag

Um die Bürger an der Neugestaltung des Willy-Brandt-Platzes zu beteiligen, lädt das Baureferat am Freitag, 17. September, von 14 bis 19 Uhr zu einem Informationstag am Willy-Brandt-Platz ein. Dabei werden die Rahmenbedingungen vorgestellt sowie Wünsche und Anregungen gesammelt, die dann in die Entscheidung einfließen sollen. 

Das, was ursprünglich als Pluspunkt gedacht war, wird in der nun vorliegenden Konzeptstudie für einen schöneren Willy-Brandt-Platz als großes Defizit genannt. Die sehr große Platzfläche, die fast komplett versiegelt ist, ohne wirksame Vegetation und Nutzungsangebote.

München: Der Willy-Brandt-Platz soll wieder grüner werden

Doch Änderungen am bestehenden Gestaltungskonzept könnten nur mit Zustimmung der Architekten passieren, die einst den Wettbewerb gewonnen haben. Der Ausweg: Die Stadt gestaltet den Platz komplett neu. Vor allem will man die Flächen, die nicht genutzt werden, der Natur zurückgeben. So könnte entlang der Straße bis zum Portikus entweder ein kleines Birkenwäldchen oder eine bunte Wiese mit Blumen, Kräutern und Gräsern entstehen. Auch ein großer Teil der Fläche zwischen Portikus und Einkaufszentrum könnte so begrünt werden, dazwischen Sitze und Liegen sowie Flächen und Rampen für Skater, Biker und andere Sportler. Hier könnte auch wieder ein Wasserspiel platziert werden. Eine Durchgangsseite soll weiterhin für Märkte und Veranstaltungen frei bleiben. Schon jetzt findet hier der Wochenmarkt statt.

Viel Natur: So werben die Planer für die Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes.

Die Idee, die nun dahintersteht: Eine „erlebbare Vegetation“, ergänzt durch verschiedene Nutzungsangebote, soll zu einer hohen Aufenthaltsqualität im Zentrum der Messestadt führen. Gleichzeitig wird die Biodiversität erhöht.

Bei einer derartigen Umgestaltung müsste auch ein großer Teil der rötlichen Pflastersteine weg. Um den indischen Sandstein gab es 2009 großen Ärger, als bekannt wurde, dass er aus Steinbrüchen stammt, in denen auch Kinder unter äußerst fragwürdigen Bedingungen arbeiten. Die Stadt hatte sich auf ein angebliches UNESCO-Zertifikat des Exporteurs verlassen, das sich hinterher als dreister Schwindel herausstellte. Carmen Ick-Dietl *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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