Baugenossenschaft „Kooperative Großstadt“

Wenn Bürger selbst bestimmen, wie gebaut wird

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Suchen Münchner, die gemeinsam ein Haus bauen wollen: Markus Sowa (li.) und Christian Hadaller.

München - In Riem, nur einen Steinwurf von der Messestadt entfernt, soll das erste Wohnprojekt von „Kooperative Großstadt“ entstehen, einer neuen Münchner Baugenossenschaft. Jetzt sind die Chefs auf der Suche nach Mitgliedern und Mietern.

Noch ist es nur eine leere Fläche, buchstäblich weiß wie Schnee. In den Köpfen von Markus Sowa und Christian Hadaller nimmt hier aber bereits ein neues Wohnhaus Gestalt an. Dass sie das Areal in der Nähe der Messestadt bebauen dürfen, ist für die beiden Baugenossenschafts-Vorstände ein Glücksfall. Die Stadt hatte einen Wettbewerb für das Gelände ausgeschrieben, konkret an Baugenossenschaften gerichtet. Im Kreativ-Trio mit den Baugenossenschaften Wagnis und Wogeno hat die Kooperative Großstadt ihre Bewerbung eingereicht – und das Grundstück bekommen.

Alle drei dürfen ihre Projekte in Riem realisieren. „Wir bauen jeweils unsere eigenen Häuser“, erklärt Markus Sowa. „Aber es wird auch Gemeinschaftseinrichtungen geben, die wir gemeinsam planen.“ Erst vor wenigen Wochen bekamen sie grünes Licht für ihr Projekt. „Das Grundstück war ein Weihnachtsgeschenk. Am 24. Dezember haben wir die Zusage bekommen.“

35 bis 40 Wohnungen sollen in dem Neubau an der Ecke Heinrich-Böll- und Elisabeth-Mann-Borgese-Straße entstehen. „Unter anderem wird es Kleinwohnungen geben, zum Beispiel für Alleinerziehende mit einem Kind – die haben es auf dem Münchner Wohnungsmarkt ansonsten nicht leicht.“ Auch für Studenten ist ein Platz angedacht. „Noch ist aber nicht klar, ob es klassische Studentenbuden werden oder Wohngemeinschaften.“ Auch eine Groß-WG hätten Sowa und Hadaller gerne. „Aber da müssen wir erst einmal abwarten, wie die Wünsche der Bewohner aussehen.“

Diese dürfen sich nämlich an der Konzeption des Gebäudes beteiligen. Die Baugenossen planen, im März einen offenen Architekturwettbewerb auszuschreiben. Im Juli soll der Gewinner feststehen, damit noch im Sommer die Vorbereitungen beginnen können. Für den Wettbewerb stellen Sowa und Hadaller Bedingungen, die die teilnehmenden Architekten erfüllen müssen. „Hier haben die zukünftigen Bewohner die Möglichkeit, ihre Wünsche mit einzubringen. Die Idee einer Genossenschaft ist ja, dass sich Menschen zusammentun, um gemeinsam ein Haus zu entwickeln.“ Dadurch entstehe später auch eine stärkere Identifikation mit dem eigenen Heim. „Es soll das Haus der Bewohner sein.“

Wer ein solcher werden will, muss der Kooperative Großstadt beitreten. Zwei Pflichtanteile à 500 Euro fallen dafür an sowie ein Eintrittsgeld in Höhe von 200 Euro. Letztgenanntes fließt in die Verwaltung der Genossenschaft. „Dann ist man Teilhaber. Und man hat Stimmrecht auf der Jahreshauptversammlung der Mitglieder.“ Dabei handle es sich um das wichtigste Organ der Genossenschaft. Die größten Entscheidungen würden dort getroffen. „Außerdem erhält man das Recht auf eine der Wohnungen, die in Zukunft zu bauen sind.“ Tritt man aus der Baugenossenschaft wieder aus, bekommt man seine beiden Anteile ausbezahlt.

4000 Quadratmeter Geschossfläche sollen auf dem Gelände in Riem entstehen, mit einem unbewohnten Erdgeschoss von rund 680 Quadratmetern. Für dieses ist eine Holz- und Metallwerkstatt geplant: „als Treffpunkt und als Raum für die Gemeinschaft“, aber auch als Ausbildungswerkstatt, unter anderem für Flüchtlinge. „Das entspricht dem integrativen Charakter des Projekts“, sagt Markus Sowa. Natürlich achten sie darauf, dass für die Be- und Anwohner keine Lärmbelästigung entstehe, fügt er mit einem Lächeln hinzu.

„Man muss der Stadt München wirklich zugutehalten, dass sie sich für die spekulationsfreie Entwicklung von Wohnprojekten engagiert“, sagt Sowa. Das Genossenschafts-Trio habe das Grundstück zu einem vergünstigten Kaufpreis bekommen. „Dafür müssen wir bestimmte Bedingungen erfüllen“, erklärt er. „Zum Beispiel müssen wir die Wohnungen dauerhaft vermieten und dürfen sie nicht in Eigentum umwandeln.“ Auch sollen 70 Prozent der Wohnungen nach dem sogenannten München Modell entstehen, das Haushalten mit mittlerem Einkommen und Familien mit Kindern die Möglichkeit geben soll, zu verhältnismäßig günstigen Konditionen in der Stadt zu wohnen. Für diese Wohnungen fallen voraussichtlich weitere 650 Euro pro Quadratmeter an, für die restlichen 30 Prozent, die frei finanziert sind, werden es wohl 950 Euro.

Wer Mitglied der Kooperative Großstadt werden möchte oder sich für das Bauprojekt in Riem interessiert, hat am heutigen Montag, 23. Januar, die Gelegenheit, sich zu informieren. Im Vorderhaus der Lothringer Straße 13 laden Markus Sowa, Christian Hadaller und ihre Kollegen um 19 Uhr zu einem Informationsabend.

Marian Meidel

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