1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Trudering-Riem

Münchner Schule wird nicht rechtzeitig fertig: „Hätten in jedes Stockwerk Wachen mit Tröten setzen müssen“

Erstellt:

Von: Carmen Ick-Dietl

Kommentare

Schulcampus Riem
Am Schulcampus Riem wird noch kräftig gebaut. © Achim Schmid

Das Gymnasium Riem wird nicht rechtzeitig zu Schuljahresbeginn fertig. Seit Mitte August ist das klar, jetzt gab es einen Informationsabend für die betroffenen Eltern.

München - Boris Seyfarth, Geschäftsführer der MRG und somit Bauherr des neuen Schulcampus in Riem, ist sichtlich geknickt, als er beim Infoabend am Dienstag vor die rund 200 Eltern tritt. „Ich möchte mich in aller Form bei Ihnen entschuldigen, dass es mit dem Einzug nicht klappt.“ Man habe alles versucht, doch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs haben eine Verzögerung von derzeit vier Monaten ausgelöst. Hinzu kam eine „exorbitante Corona-Sommerwelle auf der Baustelle“.

Jedes einzelne Problem löste eine Kettenreaktion im Baufortschritt aus. Am Ende gaben fehlende Brandschutztüren den Ausschlag. „Der Türenlieferant hat uns einfach sitzen gelassen.“ Ersatztüren, wie einige Väter beim Infoabend forderten, hätten nicht den nötigen „Türen-TÜV“ und dürften nicht installiert werden. „Ohne Türen hätten wir in jedes Stockwerk Brandwachen mit Tröten setzen müssen.“

Riem: Viele mögliche Ersatzlösungen funktionierten nicht

Zum Start der Sommerferien war daher klar: Es klappt nicht mit dem Schulstart. Man habe die Eltern nicht in Etappen informieren und größere Sorgen verursachen wollen, erklärte Stadtschulrat Florian Kraus. Erst musste eine Ersatzlösung für die 386 Kinder her. „Wir haben bei der Messe, beim Bauzentrum, im Gasteig, beim Ausbildungszentrum der Elektro-Innung in der Messestadt, bei der neuen Marieluise-Fleißer-Realschule nachgefragt“, außerdem bei den Berufsschulen in der Balan- und der Orleansstraße, beim Michaeli- und beim Truderinger Gymnasium. Nichts sei infrage gekommen. Für eine Pavillonanlage wäre knapp ein Jahr Vorlaufzeit nötig gewesen.

Die große Frage der anwesenden Eltern: Wann können unsere Kinder ins Messestadt-Gymnasium ziehen? „Eventuell nach den Weihnachtsferien“, so Seyfarth. Wenn alles glatt laufe. Der Schulcampus werde aber noch das ganze nächste Jahr eine Großbaustelle bleiben, warnte MRG-Projektleiter Karsten Wodtke. Schließlich müssen der Rest des Gymnasiums, die Realschule sowie die beiden Sporthallen fertig werden. Der Bau sei „von Anfang an eine Gratwanderung“ gewesen, so ohne Zeitpuffer. Daher war vor einem Jahr auch die Teileröffnung mit nur 15 Klassen beschlossen worden. Hätten sie vom Bauverzug früher gewusst, hätten sie ihre Kinder an einer anderen Schule eingeschrieben, schimpften einige Eltern. Diese Entscheidungsfreiheit sei ihnen genommen worden.

München: Schulleiter arrangiert sich mit der Situation

„Schule ist mehr als der Weg dahin“, fand dagegen Schulleiter Günter Förschner. Er sei auch nicht begeistert gewesen, nicht in Riem starten zu können. In der Schule an der Schwanthalerstraße könne man aber ganz wunderbar unterrichten. „Lieber dort als in einem Provisorium in Riem.“ Er werde nun auch keine Kompromisse mehr akzeptieren. Was einer klaren Absage an einen frühzeitigen Umzug gleichkommt.

Den betroffenen Kindern will es die Stadt nun so leicht wie möglich machen. So fängt der Unterricht erst um 8.30 Uhr an, um die längere Wegstrecke zeitlich auszugleichen. Außerdem wird jede Schulstunde um fünf Minuten gekürzt, damit die Kinder etwa zur gleichen Zeit wie aus Riem nach Hause kommen. Zudem werden acht Reisebusse gechartert, die die Kinder um 7.30 Uhr an den Bahnhöfen Messestadt-West und Riem aufsammeln und in die Stadt bringen. Bei Bedarf könnte es auch noch eine weitere Haltestelle geben. Nach vier Wochen sollen die Kapazitäten angepasst werden.

München: Der Schulweg wird erleichtert

Jedes Kind kann, keines muss die Busse nutzen. Denn der Weg mit der U-Bahn wird schneller sein als die Busfahrt ins Stadtzentrum. Für alle 386 Kinder gibt es daher zusätzlich ein 365-Euro-Ticket des MVV. „Wir statten alle doppelt aus – als Reaktion auf die Sorgen der Eltern“, erklärte RBS-Stadtdirektor Peter Scheifele. Zudem wird die MVG für den Umsteigebahnhof Innsbrucker Ring extra U-Bahn-Sicherheitspersonal abstellen.

Auch interessant

Kommentare