„Das ist pietätlos“

Schon 60 Fälle: Immer mehr Diebstähle auf dem Friedhof

Erbärmlich und geschmacklos findet es Maria L., dass die Diebe nicht einmal vor Friedhöfen haltmachen.

Auf dem Friedhof in Riem werden seit einigen Wochen wertvolle Grablaternen gestohlen. Etwa 60 Betroffene haben sich bereits bei der Friedhofsverwaltung gemeldet. Die Stadt warnt jetzt mit Plakaten vor den Dieben.

München - „Das ist wirklich das Allerletzte, eine Unverschämtheit!“ Maria L.(Name geändert) ist empört. Als sie vor Kurzem auf dem Friedhof in Riem an das Grab kam, das sie regelmäßig pflegt, war der gusseiserne Grablichtbehälter weg. „Einfach abgesägt“, sagt sie. „Ich finde das absolut pietätlos“, schimpft die 81-Jährige. „Es ist erbärmlich und geschmacklos, wenn man nicht einmal mehr auf dem Friedhof darauf vertrauen kann, dass nichts gestohlen wird! Eine Frechheit.“

Schon 60 Betroffene haben sich gemeldet

Maria L. ist nicht die Einzige, der auf dem Riemer Friedhof eine Grablaterne gestohlen wurde. „Wir gehen davon aus, dass bislang etwa 60 Stück gestohlen wurden“, sagt Alois Maderspacher vom Referat für Gesundheit und Umwelt, das auch für die städtischen Friedhöfe zuständig ist. Denn so viele Betroffene haben sich bislang bei der Friedhofsverwaltung gemeldet.

Vor allem haben es die Diebe offenbar auf Grablaternen aus Metall abgesehen. Etwa 100 bis 200 Euro kosten die oft kunstvoll gefertigten Kerzenhalter. Für die Angehörigen geht es allerdings meist nicht nur um den materiellen Wert. „Mit dem Diebstahl greifen die Täter auch in die Privat- und Trauersphäre ein“, sagt Maderspacher. Deshalb rät er allen Betroffenen, den Diebstahl nicht auf sich beruhen zu lassen, sondern unbedingt eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dies sei wichtig, da sich das Präsidium nur so ein Bild von der Häufung machen und reagieren könne.

Bisher nur eine handvoll Anzeigen

Bislang gibt es eine Diskrepanz zwischen bei der Friedhofsverwaltung gemeldeten und angezeigten Fällen. Bei der Polizei sind bislang lediglich eine Handvoll Anzeigen eingegangen. Das zuständige Dezernat bittet um Hinweise unter 089/1 89 52-0.

Laut Maderspacher sind die Friedhofs-Mitarbeiter sensibilisiert und angewiesen, verstärkt auf Verdächtiges zu achten. Auch die Polizei hat ein Auge auf den Friedhof. Die Stadt hat nun sogar Plakate auf dem Friedhof aufgehängt, die Besucher auf die Häufung der Diebstähle aufmerksam machen. „Eine feste Verankerung macht es den Dieben schwer“, rät Maderspacher.

Auch andere Friedhofsbesucher sind empört. Erna (75) und Franz Englhart (78) sind zwar selbst noch nicht bestohlen worden, doch sie wissen von einer Bekannten, die das Grab ihrer Eltern pflegt, dass dort der Messingbehälter des Grablichts abgebrochen wurde. „Diebstahl auf dem Friedhof ist nicht entschuldbar“, sagen sie.

Sind empört über die Diebstähle: Erna (75) und Franz Englhart (78). Von dem Grab, das das Ehepaar pflegt, wurde bislang noch nichts gestohlen. 

Stefanie Wegele, Achim Schmidt

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