Was der Mieterverein dazu sagt

Mieter klagen über Verwahrlosung: Hilfe, unsere Häuser sind Müllhalden!

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Lotte Maier (Name geändert) im Garten der Müllwohnung in ihrem Haus.

Es ist die Kehrseite des bezahlbaren Wohnens: In größeren Blocks herrscht die Anonymität. Die Folge sind oft genug auch schwierige Zustände im und am Haus. Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen zwei Beispiele aus der Messestadt Riem und was der Mieterverein rät. 

Fall 1 - Mieter im Gefängnis: 

Der Wohnungsmangel wird immer drängender. Umso ärgerlicher ist es, wenn Wohnraum jahrelang leersteht. So wie hier in einem Gewofag-Haus an der Oslostraße: Eine 100-Quadratmeter-Wohnung mit Garten ist seit zwei Jahren unbewohnt, die Nachbarn sind empört! 

„Es ist ein Skandal“, sagt Lotte Maier (Name geändert). „Ich kenne zig Menschen, die dringend eine Wohnung suchen. Da die Wohnung im Erdgeschoss liegt, wäre sie ein Traum für Familien mit Kindern und sogar geeignet für Leute mit Handicap“, ärgert sich die Nachbarin. Aktuell ist der Garten voller Müll und Schrott, ebenso die Wohnung selbst und der dazugehörige Kellerraum. 

So sieht es im Keller aus, der zu der Wohnung gehört.

„Wir haben schon länger bemerkt, dass die beiden Mieter weg sind, bis wir eines Tages Polizeibeamte im Garten sahen… Die haben uns erklärt, der eine Bewohner sei zu einer Haftstrafe verurteilt und nach einem Freigang nicht rechtzeitig zurückgekehrt“, sagt die Nachbarin. Das ist schon mehr als ein Jahr her. „Warum die Wohnung immer noch leersteht und die Gewofag den Garten verkommen lässt, ist mir ein Rätsel“, sagt sie. 

Nun aber schöpfte sie Hoffnung – denn in der vergangenen Woche wurden Halteverbostsschilder vor dem Haus aufgestellt. Steht die Zwangsräumung an? Unsere Redaktion fragte bei der Gewofag nach. Und tatsächlich: Am heutigen Dienstag wird die Wohnung geräumt, der Müll aus Garten und Keller kommt auch weg. Danach wird saniert und neu vermietet, erklärt eine Gewofag-Sprecherin. 

Das Problem war: Auch wenn die Mieter gar nicht mehr in einer Wohnung wohnen und keine Miete zahlen, darf der Vermieter nicht einfach räumen. Dazu braucht es ein Gerichtsurteil, Räumungstitel und Gerichtsvollzieher. All das verschlingt viel Geld. Kosten, auf denen die Gewofag wahrscheinlich sitzen bleibt. Wo die Mieter sich momentan befinden, weiß die Gewofag nicht. Allein die Mietrückstände belaufen sich inzwischen auf mehr als 18.000 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für Anwälte und Gericht.

Fall 2: Fremde laden Unrat ab

Kein Durchkommen mehr, alles zugestellt! Keller, Flure, Eingänge: überall Müll, alte Möbel und Kühlschränke, vergammelte Nahrungsmittel. Das ist das Bild, das sich Jörg Hoppe (70) bietet, wenn er vor seine Wohnungstür in der Helsinkistraße schaut. Schon seit Jahren sind die Zustände aus seiner Sicht untragbar: „Es ist eine Schande, einfach ekelhaft!“ Besonders, weil der gehbehinderte Hoppe für längere Strecken auf sein Elektromobil angewiesen ist. 

Hoppe sagt: „Die Gänge sind so voller Müll, dass ich nicht mehr durchkomme. Und ich kann auch keine Steckdosen mehr erreichen, um das Elektromobil zu laden.“ Also hat er sich ein Verlängerungskabel aus dem Bad herausgelegt. Eine Notlösung, die aber nicht zum Dauerzustand werden soll. Und das ist nicht das einzige Problem… Hoppe, der im vierten Stock lebt, sagt: „Die Zustände sind katastrophal. Ich musste mich schon acht mal von der Feuerwehr aus der Wohnung holen lassen, weil die Lifte nicht funktionieren.“ 

Jörg Hoppe kommt mit seinem Elektromobil kaum noch durch die vermüllten Flure.

Eigentlich ist das Haus an der Helsinkistraße nur zehn Jahre alt – aber es wirkt viel älter. Im Putz gähnen Löcher. Und dann eben überall der Müll, den Nachbarn aus den umliegenden Häusern (und eventuell auch aus dem Komplex selber) hier abstellen! Schon früher, als noch die Gewofag das Haus verwaltete, kämpfte man gegen Unrat. Im Juli 2013 übernahm die Joseph-Stiftung aus Bamberg die Hausverwaltung – und kämpft mit den gleichen Problemen. 

Und: Die Mieter in dem Komplex mit 240 Wohnungen wollen, dass es endlich besser wird. Sie haben einen Mieterbeirat gegründet und sind bei der Hausverwaltung vorstellig geworden. Die reagierte prompt und nahm am vergangenen Dienstag das Gelände samt der Müllberge in Augenschein. In einer Stellungnahme schreibt die Joseph-Stiftung: „In der Tat werden vor allem die gemeinschaftlichen Verbindungsflure im Kellergeschoss immer wieder für fremde Müllablagerungen zweckentfremdet.“ Nun aber soll Schluss sein. Noch in dieser Woche wird der Sperrmüll entsorgt. Dann lässt die Hausverwaltung Treppennischen vergittern und intensiviert die Videoüberwachung. Die Joseph-Stiftung schreibt: „In einem weiteren Objekt in Riem hat sich die Maßnahme der Videoüberwachung bewährt.“

Das sagt der Mieterverein: Kaum Handhabe

Mieter können wenig machen, wenn ihre Umgebung verkommt. Sie haben zwar gegenüber dem Vermieter einen Anspruch darauf, dass Müll aus Kellern, Gängen und von Gemeinschaftsflächen entfernt wird. Doch ihnen bleibt nicht viel mehr als den Vermieter anzuschreiben und ihm Fristen zu setzen. Eine Mietminderung wegen vermüllter Gemeinschaftsflächen kann nur sehr gering ausfallen. Die Kosten für die Beseitigung Mülls sind auf die Mieter umlegbar.

Haben auch Sie ein Problem? Schreiben Sie uns – die Spezialisten vom Mieterverein kümmern sich: Anja Franz, Mietrechts-Expertin, Stephan Immerfall, Leiter der Rechtsabteilung, und Vize-Geschäftsführerin Angela Lutz-Plank. Mail an lokales@tz.de

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