Campingwagen ist sein Zuhause 

Wohn-Irrsinn: 54-Jähriger muss bei Freunden im Garten leben

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Sigmund Doll vor seinem Wohnwagen in Trudering.

Kaum zu glauben: Sigmund Doll muss bei Freunden im Garten in einem Wohnwagen leben, weil er keine Wohnung findet. Und das trotz gut bezahltem Job.

München - Sigmund Doll (54) und sein Hund Leo. Ein Herz und eine Seele. Doch trotz gut bezahltem Job findet der Kaufmann keine Wohnung für sich und seinen anatolischen Hirtenhund. „Wir haben schon 140 Wohnungen angeschaut“, sagt er. „Aber immer nur absagen. Es ist zum Verzweifeln.“

Seit Herbst 2016 ist Sigmund Doll schon auf der Suche – bislang ohne Erfolg. „Einige Male wurde wir eingeladen und waren voller Vorfreude“, sagt er. „Doch dann kamen 300 Interessenten zum Termin. Bis zu 50 Leute wurde auf einmal durch die Wohnung geschleust. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Der Wohnungs-Irrsinn in München: Wie Sigmund Doll haben sich schon Tausende andere Suchende die Zähne daran ausgebissen. Doch den gebürtigen Münchner trifft es besonders hart: Aus seiner alten Wohnung musste er ausziehen, seitdem kommt er bei Freunden in Trudering unter. „Aber das ist nur eine Notlösung. Ich lebe zur Zeit in einem Wohnwagen bei ihnen im Garten.“ Aber lange geht das nicht mehr gut. Denn draußen wird es immer heißer. Außerdem sind die Freunde eingeschränkt, weil sie ihren Garten nicht mehr nutzen können.

„Sie wollten mich nicht hängen lassen, dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich brauche jetzt dringend wieder meine eigenen vier Wände“, sagt Doll. Seit Jahrzehnten ist er fest angestellt, hat immer gearbeitet. Bis zu 1200 Euro warm könnte Sigmund Doll sogar monatlich zahlen – am liebsten im Norden oder Osten von München. „Das ist meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl und kenne viele Leute.“ Und klar: Zum Englischen Garten wäre es dann auch nicht so weit. „Dort gehe ich so gerne mit meinem Leo spazieren.“

Ein tierisches Team: Sigmund Doll mit seinem Hirtenhund Leo.

Gerade mit Hund sei es in München sehr schwierig, eine Wohnung zu bekommen. „Viele Vermieter haben mir genau aus diesem Grund abgesagt“, sagt Doll. „Ich finde das sehr schade. Leo hat ein ruhiges Gemüt, er tut doch keinem was.“ Aber die Suche bleibt zäh – denn die Konkurrenz ist riesig. Gerade für zwei Zimmer mit Küche und Bad, was sich auch Sigmund Doll wünscht. „Ich habe das Gefühl, die echten Münchner sterben aus. Umso mehr würde ich mich freuen, wenn mir ein netter Vermieter eine Chance gibt“, sagt er und streichelt seinem Leo über den Kopf. Dass er den Hund abgeben müsste, um endlich eine Wohnung zu finden? Das kommt für Sigmund Doll nicht infrage. „Das würde mir das Herz brechen. Wir sind seit Jahren ein Team.“ Es muss doch auch anders gehen, irgendwie.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Trudering/Riem“.

Andreas Thieme

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Kommentare

Trapper64Antwort
(0)(0)

Danke für die Info hab ich wohl Überlesen

Tina djegoAntwort
(1)(0)

Mit Katze gehts einem leider genauso

Jean SackAntwort
(0)(0)

Echt jetzt?