Asylbewerber verschanzen sich im DGB-Haus

tz in der Trutzburg der Flüchtlinge

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„Wir bleiben hier, wir siegen!“ Das Schlaflager der Asylbewerber im Partykeller des DGB-Hauses. Draußen steht die Polizei.

München - Endstation Partykeller! Zwischen zusammengerollten Schlafsäcken und Kleiderhaufen sitzen sie da und formen ihre Finger zum Victory-Zeichen: An die 60 Asylbewerber haben sich im DGB-Haus verschanzt. Die tz hat sie besucht.

Sie alle haben hier die Nacht verbracht, nachdem sie quer durch Bayern marschiert sind. Sie demonstrieren für ihre Rechte, vor allem gegen die Residenzpflicht, die ihnen das freie Reisen durch Bayern verbietet. Polizeikontrollen versuchten sie durch gegenseitiges Einhaken zu unterbinden, was die Beamten wiederum hart eingreifen ließ.

Am Dienstag zogen sie unbehelligt mit ihrer Demo durch München, gegen 14 Uhr erreichten sie das Gewerkschaftshaus in der Schwanthalerstraße, wo sie bis 22 Uhr den Partykeller reserviert hatten. Als die Demo weiter zur Münchner Freiheit zog, blieben rund 30 Asylbewerber im DGB-Keller. Da sie keine Erlaubnis haben, sich in München aufzuhalten, fürchten sie, dass die Polizei sie schnappt, sobald sie das Gewerkschaftshaus verlassen.

DGB will Eskalation vermeiden

Obwohl die Polizei freien Abzug versprach, blieben die Asylbewerber im DGB-Haus, wo es keine Betten, Bäder oder Duschen gibt. „Dabei wollte die Mehrheit gehen“, so Timo Günther, Pressesprecher des DGB Bayern. Doch die Hardliner unter den Asylbewerbern und ihren Unterstützern setzten sich durch. Es ist schwer durchschaubar, wer bei ihnen das Sagen hat, die deutschen Unterstützer aus dem linken Umfeld spielen offenbar eine wichtige Rolle.

Gespenstisch, als Mittwochfrüh um 10 Uhr eine blonde Aktivistin die „Übersetzung“ einer Erklärung verliest, in der von den Flüchtlingen als „unterste Schicht der Arbeiterklasse“ die Rede ist. Flüchtlings-Sprecher Ghlam Vali spricht pragmatisch und auf Englisch: „Wir bleiben hier, bis alle unsere Forderungen erfüllt sind. Und wir rufen alle Asylbewerber auf, ebenfalls hierher zu kommen.“

Simone Burger, kommissarische Geschäftsführerin der DGB-Region München, ist über die Dauergäste wenig erfreut: „Es liegt im Interesse der Flüchtlinge selbst, in eine geeignete Herberge zu wechseln.“ Vom Hausrecht will sie aber nicht Gebrauch machen: „Vordringliches Interesse des DGB ist es, eine Eskalation der Situation zu vermeiden.“ Auch Polizeivize Robert Kopp will keine Zuspitzung.

Das sagen die Asylbewerber

"Wir bekamen keinen Richter"

Ich war mit der Route von Bayreuth nach München unterwegs. Wir wurden vier Mal kontrolliert und von der Polizei stundenlang festgehalten – und das ohne Richter. Die Kontrolle am Sonntag bei Freising war unvorstellbar brutal, ich habe immer noch Schmerzen.

Ghlam Vali aus Pakistan

"Ich saß über Nacht im Knast"

Ich bin von Würzburg nach München gegangen und wurde zwei Mal von der Polizei kontrolliert und angehalten. Einmal haben sie mich sogar über Nacht mitgenommen. Die Polizeikontrolle auf der Autobahnbrücke bei München war brutal.

Brook Tadele (24) aus Äthiopien

"Ich bin völlig ausgepowert"

Ich habe die vergangenen Nächte kaum geschlafen und wurde von der Polizei brutal behandelt. Das Amt in Dingolfing hat mir ausdrücklich verboten, am Marsch teilzunehmen. Jetzt hab ich wegen der Polizei Angst, das DGB-Haus zu verlassen.

Yasir Shehzad (23) aus Pakistan

J. Welte

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