Türkei schießt russischen Kampfjet ab

Kommentar: "Ein Freudentag für die IS-Mörder"

Moskau/Ankara - Die Türkei hat am Montag einen russischen Kampfjet über Syrien abgeschossen. Das dürfte ein Freudentag für die IS-Mörder gewesen sein, schreibt tz-Redakteur Klaus Rimpel in seinem Kommentar.

Es ist wie ein Albtraum, bei dem sich immer neue Türen zum noch größeren Horror öffnen: Ausgerechnet in einer Situation, da sich Frankreichs Präsident Hollande um eine weltweite, Russland und den Iran einschließende Allianz gegen das IS-„Kalifat“ bemüht, schießt die Türkei einen russischen Jet ab. Diese dramatische Zuspitzung kommt jedoch nicht überraschend: Militär-Experten warnen seit Beginn der massiven russischen Luftangriffe über Syrien vor solch einem Zusammenstoß von Nato und Wladmir Putins Jets.

Klaus Rimpel

Angesichts des gemeinsamen Interesses, den Islamischen Staat zu stoppen, ließe sich auch diese schwierige Situation noch meistern: Der türkische Premier Erdogan sollte sofort zum Telefon greifen und Putin um Entschuldigung für ein „Versehen“ bitten. Doch hier stehen sich nicht zwei Staatsmänner, sondern zwei gefährliche Egomanen gegenüber. Und so beharrt die Türkei darauf, dass der Abschuss richtig gewesen sei, weil die russische Maschine den türkischen Luftraum verletzt habe. Putin wiederum will ebenfalls kein Versehen seiner Piloten eingestehen, sondern droht umgehend mit „ernsten Konsequenzen“. Besser könnte es für die bestialischen IS-Mörder nicht laufen. Ihre Saat der Gewalt geht auf, mal wieder. Von einem gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind sind wir weiter entfernt denn je. Putin kämpft für Assad, Erdogan gegen die Kurden – und der IS gegen unsere liberale Weltanschauung. Und die EU? Wir sind ratlos, hilflos.

"Eine heikle Angelegenheit": Interview mit Dr. Marcel Dickow, Sicherheitsexperte Stiftung Wissenschaft und Politik

Rubriklistenbild: © Westermann Michael

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