Münchner Türsteher verraten:

So kommt man in unseren Club

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Mo, Andreas Sagert und Oliver Goess haben als Türsteher schon so einiges erlebt

München - Ein Party-Abend ist in München schnell geplant. Doch manchmal endet die Nacht schon vor der eigentlichen Feierei - nämlich am Einlass. Wir sprachen mit Türstehern der Stadt und sie lüften das Geheimnis: So kommt man in einen Club.

Es ist Freitag, kurz vor Mitternacht. Ein laues Lüftchen zieht durch die Herzogspitalstraße. Vor dem Nachtclub Sugar tummeln sich die ersten Frauen und Männer. "Es ist die beste Zeit, um in einen Club zu kommen", erzählt Mo Ben Bekkour (35) und begrüßt routiniert einen weiblichen Stammgast. Bussi links, Bussi rechts. Er ist seit 14 Jahren Türsteher, arbeitete im Pacha, der Max Suite und dem NV. Nur eine Stunde später in dieser Nacht wird die Schlange länger sein. 100 Leute, manchmal mehr, weist Mo pro Abend ab. Zum einen aus Sicherheitsgründen. Denn: Irgendwann ist der Club eben voll. Zum anderen auch wegen bestimmter Kriterien. Den Kriterien die bestimmen, ob für den Gast der Partyabend im Club weitergeht. Den Kriterien die bestimmen, ob für heute Schicht im Schacht ist. "Wir lassen keine aggressiven oder stark betrunkenen Leute rein", sagt Mo und winkt nebenbei zwei Männer in den Club. Mo selbst bezeichnet sich als Selekteur an der Tür. Furchteinflößend? Das ist er nicht. Eher ein Kumpel. Doch manchmal verschränkt er mit ernster Miene die Arme vor der breiten Brust, stellt sich potentiellen Gästen in den Weg und sagt: "Sorry, Ihr müsst heute draußen bleiben". Das wirkt.

"Bloß nicht auf den Boden starren"

Auch Mo selbst blitzte schon an einem Club ab. "Aber das ist 15 Jahre her." Mo grinst. Heute erlebt er selbst die unglaublichsten Szene vor der Tür. Sprüche wie "Ich bin ein wichtiger Gast", oder: "Meine Freundin ist schon drin" sind Standard. Ein Mann habe mal versucht, mit seinem Hund in den Club zu kommen. Der Hund höre schlecht, deshalb ginge das, so die Begründung. Mann und Bello blieb die Party-Nacht verwehrt. Denn: Solche Aktionen kommen beim Türsteher gar nicht gut an.

Aus dem Augenwinkel scannt Mo zwei Mädels. Sie stehen schon länger unsicher vor dem Sugar. Als sie sich ein Herz fassen und zum Türsteher kommen, verlangt Mo die Ausweise und winkt die Damen dann durch. "Bloß nicht auf den Boden starren, wenn man zum Türsteher kommt." Das lässt vermuten, man verbirgt etwas. Mo: "Selbstbewusst sein. Und sprechen wie ein Gentleman." Denn wer in einen Club will, muss auf sein Verhalten achten. Imponiergehabe? Ein No-Go. Dieser Schuss geht oft nach hinten los: "Ich habe Menschen schon total falsch eingeschätzt." Ein schnell gefälltes "Nein" ließe sich aber ebenso fix revidieren. "Ein nettes Gespräch mit dem Türsteher schadet nie. Manchmal irren auch wir uns."

500 Meter weiter, eine dreiviertel Stunde später vor dem 8seasons. Oliver Goess (47) checkt eine Gruppe Engländer ab, die um Einlass bittet. Der an der Waffe ausgebildete Personenschützer wirkt mit seiner schmächtigen Statur und seinem D'Artagnan-Bart eigentlich gar nicht wie ein Türsteher, hütete aber schon den Eingang des Nobelclubs P1. "Wir suchen uns die Gäste nicht nach den brandheißesten Modetrends aus", sagt Oliver Goess. Selbst trägt er an diesem Abend ein angesagtes, graublaues "Superdry"-Shirt. Ein Blick auf die Terrasse des schicken Clubs an der Sonnenstraße zeigt dann auch: Wer hier rein will, muss gepflegt sein. Betrunkene haben es hier außerdem ebenso schwer wie zu junge Gäste. Für die geht die Nacht nicht im 8seasons weiter. Oliver Goess rät zur Aufrichtigkeit bei einem kleinen Plausch mit dem Türmann. "Wenn ich merke, das Gespräch ist ehrlich, dieser Mensch ist in Ordnung, darf er rein."

"Es ist nicht immer leicht als Türsteher"

Miese Erfahrungen - die hat Oliver Goess auch schon gemacht. "Einmal wollte ein Student des Europarechts rein. Er meinte, er hätte ein Recht auf Zutritt." Das Problem: zu viel Promille im Blut. Einlass verweigert. Der schmächtige Mann rebellierte. "Er stand mittlerweile hinter zwei anderen Gästen, sprang dann hoch in die Luft und watschte mir eine - über die Köpfe der anderen Wartenden hinweg." Oliver Goess krallte sich den Studenten, setzte ihn auf den Hosenboden und wartete mit ihm, bis die Polizei da war. Für den Türsteher war die Sache damit gegessen - nicht so für den Jura-Studenten, der sich offenbar bloßgestellt fühlte. "Er hat mich angezeigt - wegen seelischer Grausamkeit." Der 47-Jährige schmunzelt. Die Anzeige verlief im Sande.

"Es ist nicht immer leicht als Türsteher", bestätigt Andreas Sagert (44). Der Glatzkopf mit der modischen Brille wacht über die Pforten des La Nuit. "In drei Sekunden lässt sich schwer beurteilen, wie ein Mensch tickt." Dennoch muss er das hunderte Male am Abend tun. Vielleicht schon ein paar hunderte Male zu oft. Der imposante Türmann wirkt abgeklärt, kühl. Aus seinem V-Ausschnitt lugen Tattoos. Welcher Satz bei ihm die Alarmglocken zum Läuten bringt? "Ich bin ein ganz Braver." 18 Jahre Erfahrung lehrten ihn: dem ist oft nicht so. Er selbst legt Wert auf Spontaneität und Lockerheit. "Wenn Leute lustig sind, kreativ, ehrlich, dann lass' ich sie rein." Ein Beispiel: Ein nicht mehr ganz so nüchterner Mann wollte unlängst in den Club. Andreas Sagert zweifelte: "Wenn Du jetzt noch einen Handstand kannst, darfst Du rein." Verdutzt antwortete der Mann: "Handstand? Den kann ich ja nüchtern nicht mal richtig." Ein Satz tief aus dem Herzen. Einlass für den Mann. Manchmal sagt Andreas Sagert den Leuten auch, dass sie in den Klamotten, die sie tragen, nicht in den Club kommen. "Und plötzlich stehen die Leute neu gekleidet vor mir." So viel Einsatz wird belohnt.

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Andreas Sagert hat aber auch schon schöne Türsteher-Erfahrungen gemacht. Ein völlig verzweifelter Mann stand einst vor ihm: Seine Frau sei ihm davongelaufen, er vermute sie in diesem Club. Ein völlig abgedroschener Spruch. Doch Andreas Sagert vertraute seinem Bauchgefühl - und ließ den Mann rein. Mit Happy End: Die Herzensdame war tatsächlich in dem Club, es folgte die Versöhnung. "Drei Wochen später kam das Paar zu mir an die Tür und bedankte sich." Er habe Anteil daran, dass diese Liebe eine zweite Chance bekam. "Sie luden mich zum Essen ein."

Mittlerweile ist es Samstag, halb zwei Uhr in der Nacht. Vor dem Sugar stehen sich mehr als ein Dutzend Menschen die Beine in den Bauch. Der Club ist voll. Mo lässt im Moment keinen mehr rein. An der Schlange vorbei läuft selbstbewusst eine junge Frau. Mo lockert die ernste Miene, lächelt und begrüßt sie routiniert. Bussi links, Bussi rechts. Ein Stammgast.

mes

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