Das Paar rannte um sein Leben

Sie waren 50 Meter vom Sousse-Attentäter entfernt

+
Der Schock steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Fritz Diesinger und Maria Dederer erlebten den Attentäter von Tunesien hautnah mit.

München - Der Schock steht ihnen noch ins Gesicht geschrieben: Als Fritz Diesinger und Maria Dederer am Sonntag in München landen, sind sie erleichtert. Denn: Sie waren nur 50 Meter entfernt, als der Attentäter von Sousse 38 Menschen am Strand tötete.

Das Paar aus Dasing verbrachte eine traumhafte Woche Strandurlaub in Sousse in Tunesien – bis ein Attentäter nur 50 Meter neben ihnen 38 Menschen am Strand tötete.

Wolfgang Wittke (von re., 59), Jutta Schauer (56), Herta und Peter Roith (51, 55) aus Abensberg: "Wir haben keine Angst. Wir haben den Urlaub seit über drei Monaten geplant, wollen dort Wolfis 60. Geburtstag feiern. Da wollten wir die Woche nicht absagen. Natürlich sind wir geschockt, haben aber keine Angst. Terror kann überall passieren."

Es ist Freitagmittag, 12 Uhr, als das Paar am Strand seines Hotels liegt. Kurz bevor die beiden zum Mittagessen gehen, wollen sie nochmal ins Wasser. „Als ich aufgestanden bin und meine Sachen in die Tasche gepackt habe, habe ich plötzlich Schüsse gehört“, erzählt der 46-Jährige. 50 Meter neben ihnen knallt es mehrfach. Seine Freundin Maria glaubt, es ist ein Feuerwerk. Doch plötzlich sieht Fritz Diesinger, wie die Menschen auseinanderspringen, eine Handgranate fliegt. „Da habe ich nur noch geschrien, wir müssen sofort weg hier!“ Beide laufen in Todesangst los. „Wir rannten um unser Leben, wir haben alle unsere Sachen liegengelassen und sind losgestürzt.“ Über den siedend heißen Sand und Beton flüchten die beiden barfuß in ihr Hotel. „Wir sind einfach nur gerannt – ohne zu wissen, was gerade wirklich passiert.“

Im Hotel angekommen, verschanzen sich die beiden in ihrem Zimmer. Ihre Füße sind mit Brandblasen übersät, aber sie haben überlebt. Über drei Minuten lang hören sie nebenan noch Schüsse. Dann ist es still. Totenstill. Wenig später wird das Ausmaß des Anschlags klar: 38 Menschen sind gestorben.

Joachim und Lieselotte Billian (43, 57), Unternehmer aus München: "Endlich Urlaub! Der Tunesien-Urlaub ist unser erster Urlaub seit drei Jahren, wir freuen uns schon so. Gebucht haben wir zwei Tage vor dem Anschlag. Wir haben dann kurz überlegt, uns aber doch zum Fliegen entschlossen. Der Anschlag war schrecklich, aber wahrscheinlich ist es jetzt sehr sicher vor Ort."

Allen Touristen wird noch am selben Tag angeboten, auszureisen oder an einen anderen Urlaubsort geflogen zu werden. Aber das Paar entscheidet sich dagegen. „Die Menschen waren so nett, das Hotel so toll, wir wollten nicht überstürzt abreisen.“ Auch waren alle immer sehr um die Sicherheit der Touristen bemüht. Vor allem für die Einheimischen ist der Anschlag in den Augen Diesingers eine Katastrophe: „Alle Hotels schließen, die Menschen verlieren ihren Job. Für das Land ist es wirklich schlimm.“ Nicht zuletzt deswegen – und weil der Urlaub bis Freitagmittag um 12 Uhr noch ihr Traumurlaub war – wollen die beiden irgendwann zurückkommen. Jetzt versuchen Maria Dederer und Fritz Diesinger aber erst einmal, das Erlebte zu verarbeiten.

Auch interessant

Meistgelesen

München und die Zirkuswelt trauern um Christel Sembach-Krone
München und die Zirkuswelt trauern um Christel Sembach-Krone
Madl (9) findet Geldbeutel - Carolin Reiber verlor ihn 2013 
Madl (9) findet Geldbeutel - Carolin Reiber verlor ihn 2013 

Kommentare