Wertvolles Stück für 50 € verscherbelt

"Tut mir leid": Kirchen-Brandstifter vor Gericht

+
Kirchenschänder Maximilian B. gestand vor Gericht, dass er auf dem Altar Feuer legte und die Reliquien des Heiligen St. Leonhard stahl.

München - Der Kirchenschänder von Grafing zeigte vor dem Münchner Amtsgericht Reue. Die wertvolle Monstranz ist bis heute verschwunden - der Täter hat sie für 50 Euro an einen Unbekannten verkauft.

Vor dem Münchner Amtsgericht geht der Kirchenschänder von Grafing in Sack und Asche. „Es tut mir leid, was ich angestellt habe. Ich gestehe alles“, sagt Maximilian B. Am 6. Juli 2013 hatte der Bursche (19) in der Leonhardikirche brutal gewütet: Er zerstörte Heiligenfiguren, zündete die Bruchstücke auf dem Altar an und stahl die Monstranz mit Reliquien des Heiligen St. Leonhard.

Geschockt steht Pfarrer Hermann Schlicker vor dem Altar, auf dem die Vandalen Feuer gemacht haben

Die Monstranz, deren Wert Staatsanwalt Martin Engl auf rund 5000 Euro beziffert, ist bis heute verschwunden. „Ich habe sie für 50 Euro am Dom in München an einen Unbekannten verkauft“, sagt der Angeklagte, dem insgesamt 18 Straftaten zur Last gelegt werden. Mit dem Geld habe er Marihuana gekauft.

Der Verlust der Reliquien traf die Kirchengemeinde in Grafing hart. Stadtpfarrer Hermann Schlicker zur tz: „Die Leonhardifahrt konnte nur mit geliehenen Reliquien aus Bad Tölz über die Bühne gehen.“

Warum hat der Angeklagte auch noch Feuer gelegt? Und das ausgerechnet auf dem Altar? Hier weicht Maximilian B. aus: „Draußen sind Leute vorbeigehuscht. Ich wollte den Raum vernebeln, damit ich in aller Ruhe das Schloss zu der Monstranz aufbrechen kann.“

Richterin Kirsten Eminger: „Sie hätten die ganze Kirche abfackeln können!“ Er habe sich nichts dabei gedacht, behauptet der Zündler und betont: „Der Pfarrer hat mich am 22. November in der Haft besucht. Er vergibt mir.“ Wenn er wieder aus dem Knast komme, wolle er in der Kirche ehrenamtlich arbeiten.Pfarrer Schlicker: „Ich kann nur beten, dass er in Zukunft den rechten Weg findet.“

Das Gericht bahnt dem obdachlosen Angeklagten, der aus dem Elternhaus geflogen ist, den Weg: Zwei Jahre Haft mit Bewährung auf Vorbehalt! Er bleibt in Stadelheim, bis er einen Therapieplatz in einer Drogenklinik gefunden hat. „Das Urteil entspricht meinem Antrag“, freut sich Verteidigerin Claudia Enghofer. „Er akzeptiert das Urteil.“

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare