Tutanchamun-Ausstellung

Der echte Jäger des verlorenen Schatzes

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Gold, so viel Gold! Die Ausstellung zeigt wertvolle Repliken.

München - Howard Carter, der Entdecker des Grabes von Pharaonenkönig Tutanchamun, war eine schillernde Figur. Ab Freitag können sich die Münchner auf die Spuren des "echten Indiana Jones" begeben.

Der letzte Ruhm ist ihm versagt geblieben. Als der große Entdecker Howard Carter († 64) nach langer Krankheit starb, blieb der Andrang an seinem Grab aus. Kein Archäologe, kein Ägyptologe, kein Politiker gab dem „Emporkömmling“ das letzte Geleit. Dabei hatte Carter seiner ganzen Zunft zu Weltruhm verholfen. Als der sture Autodidakt 1922 das Grab des Tutanchamun entdeckte, blickte die ganze Welt nach Ägypten. 27 Jahre später hatte ihn die Öffentlichkeit bereits wieder vergessen. „Ho­ward Carter wurde von vielen Wissenschaftlern lange Zeit belächelt“, sagt der Ägyptologe Wolfgang Wettengel.

Die Ausstellung Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze verspricht „unbekannte Einblicke in das Leben des berühmten Archäologen und Entdeckers“. Zu sehen ist die Ausstellung ab Freitag in der Kleinen Olympiahalle – da ist nämlich Eröffnung. Hier schon mal ein Vorgeschmack:

Carter – der Autodidakt

Im Alter von 17 Jahren ergreift die Ägypten-Begeisterung Besitz vom Briten Carter. Er zeichnet vor Ort Grabbilder ab. Wenige Monate später geht er beim Ägyptologen und Archäologen Flinders Petrie in die Lehre. Um 1900 steigt er zum Chefinspektor der ägyptischen Antikenverwaltung auf. In den folgenden Jahren entdeckt er mehr als 30 Gräber.

Carter – der Sturkopf

Der Höhenflug nimmt ein jähes Ende: Als sich Carter bei einer Prügelei mit französischen Touristen auf die Seite der ägyptischen Wächter schlägt, schaltet sich die Politik ein: Carter solle sich entschuldigen. Er aber fühlt sich im Recht, tritt zurück und verzichtet auf eine verheißungsvolle Karriere bei der Antikenverwaltung.

Carter – der Lebenskünstler

Sein Fall ist tief: Fortan schlägt er sich als Zeichner, Antiquitätenhändler und Fremdenführer durch. Dann begegnet er allerdings Lord Carnarvon, einem reichen Aristokraten und passionierten Hobby-Archäologen, der einen kompetenten Grabungsleiter sucht.

Carter – der Spürhund

1914 erwirbt Carnarvon die Grabungslizenz für das Tal der Könige. Drei Jahre später beginnt sein Spürhund Carter mit den Ausgrabungen. Das Tal der Könige gilt schon zu diesem Zeitpunkt als vollständig erforscht, Carter hält an seiner Überzeugung fest: Tutanchamun liegt irgendwo unentdeckt! Fünf Winter lang pflügt er sich Meter für Meter durch das Tal. Carnarvon will ihm daraufhin endgültig den Geldhahn zudrehen, mit viel Überredungskunst bekommt Carter schließlich eine letzte Chance. Und nutzt sie. Der Rest ist Geschichte.

Carter – der Dieb?

Ende Februar 1923, nach der Öffnung der Sargkammer, stirbt Lord Carnarvon – wie man heute weiß – infolge eines infizierten Moskitostiches. Bald ziehen weitere dunkle Wolken auf: Politische Wirren im nationalistischen Ägypten führen dazu, dass Carter vom Grab ausgesperrt wird. Höhepunkt der Schikane: Man bezichtigt Carter, wichtige Funde gestohlen zu haben. 1925 lenkt der ägyptische Staat ein und lässt den Fachmann zurück an sein Werk. Die tägliche Maloche jedoch setzt Carter zu. Als er 1932 seine archäologischen Arbeiten abschließt, diagnostizieren seine Ärzte Krebs. Er stirbt sieben Jahre später.

Lange Zeit erinnerte am Friedhof von Putney Vale in West-London nur ein schlichter Grabstein an den weltberühmten Entdecker. Die knappe Inschrift: „Ägyptologe, Entdecker des Grabes von Tutanchamun, 1922.“

Carter – der Profi

„Carter war kein Hobby-Archäologe. Er war den studierten Kollegen seiner Zeit weit voraus“, erklärt der Ägyptologe Wettengel. Mit größter Sorgfalt katalogisiert Carter seinen Fund. Zehn Jahre schuftet er, bis alle Objekte geborgen sind. Carter geht in den dunklen Kammern und dem künstlichen Licht an seine Grenzen, arbeitet unten im Grab, „als wäre er sein eigener Gefangener“, wie der Autor Walter Weiss sagt.

Es ist ein weiteres schier unglaubliches Kapitel in der Geschichte des Grabfundes: die Legende vom Wasserträger. Howard Carter und seine Männer drehten jahrelang jeden Stein im Tal der Könige um, siebten beinahe jedes Sandkorn – den Eingang zum Grab aber fand ein kleiner Junge.

Das Grab und der Todes-Fluch

Lord Carnarvon war ein abergläubischer Mensch. Er verkehrte in spiritistischen Zirkeln – und vor seiner Reise an den Nil suchte er Hellseher auf. Sie rieten ihm ab, den Pharao auszugraben – sonst würden dessen böse Geister erwachen. Kurz nachdem das Grab des Tutanchamun geöffnet wurde, starb Carnarvon – und die Spekulationen schossen ins Kraut: Der Fluch des Pharao hatte ihn getötet! „Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharao stört“, soll auf einer Tontafel im Grab gestanden haben. Am Tag der Graböffnung soll außerdem eine Kobra in Carters Haus eingedrungen sein und seinen Kanarienvogel verschlungen haben, sagte sein Diener. In der Nacht des Todes Carnarvons seien zudem alle Lichter in Kairo ausgegangen. Sein Foxterrier Susi im fernen England sei mit Schaum vor dem Maul verstorben – in der selben Stunde als auch der Lord verstarb! Carter widersetzte sich all diesen Gerüchten übrigens mit Nachdruck.

Kleiner Bub, großes Glück

Sein Name: Hussein Abdel Rasoul. Er sollte die durstigen Arbeiter regelmäßig mit Wasser versorgen. Er benutzte dafür große Tonkrüge, die zusammengebunden und auf dem Rücken von Eseln transportiert wurden. Am Morgen des 4. November 1922 führte Hussein wie üblich seine Esel zur Grabung. Bevor er die Krüge absetzen konnte, musste er eine kleine Mulde in den Boden hacken, da die Krüge andernfalls umzufallen drohten. Dabei stieß er plötzlich auf eine Steinplatte: die erste Stufe der Treppe hinab zum Grab! Eine Geschichte – fast zu schön, um wahr zu sein. Für den Münchner Ägyptologen Wolfgang Wettengel aber gibt es keinen Grund dafür, an der Version zu zweifeln: „Warum nicht? Natürlich könnte es so gewesen sein.“ Dafür spricht, dass der kleine Junge auf dem Foto ein wertvolles Amulett aus der Schatzkammer trägt, das ihm nur Carter umgehängt haben kann: zum Dank für seine Entdeckung. Interessant: Das Aufstöbern von Schätzen lag ihm offenbar im Blut. Wettengel: „Sein Familienclan hatte seit Generationen einige Grabräuber hervorgebracht.“

Vorab-Besuch zu gewinnen

Auf dem Foto fangen die Arbeiter grad mit dem Aufbau der Tutanchamun-Ausstellung in der Kleinen Olympiahalle an. Wissen Sie was? Auch Sie als tz-Leser haben die Chance, schon vor der Eröffnung reinzuschauen. Bei unserem königlichen Gewinnspiel verlosen wir heute 5 x 2 Karten für eine exklusive Führung am Abend des 2. April. Wer gewinnen will, ruft an ­unter Telefon 01378/80 66 36 und spricht dort das Stichwort Pharao, ­seinen Namen, seine Adresse und ­seine Telefonnummer aufs Band*. Sie können auch eine SMS mit tz win Pharao und Ihren Daten an die 52020 ­schicken*. Viel Glück!

* telemedia, 0,50 Euro/Anruf oder SMS a.d.dt. Festnetz; ggf. abweichende ­Preise a. d. Mobilfunknetz).

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