Besuchen Sie den mysteriösen Pharao!

Tutanchamun-Ausstellung kommt nach München

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München - Im Jahr 1922 entdeckte der Archäologe Howard Carter das Grab von Tutanchamun im Tal der Könige. Am 3. April eröffnet die Ausstellung über ihn in der Kleinen Olympiahalle.

Er ist ein Popstar der ersten Stunde – und er wird wohl auf ewig mysteriös bleiben: Tutanchamun, der rätselhafte Pharao mit der Grabkammer voller Schätze. Im Jahr 1922 entdeckte der Archäologe Howard Carter sein Grab im Tal der Könige. Die Bilder der Reichtümer, die sich dort bis unter die Decke stapelten, gingen um die Welt. Die goldene Totensmaske stieg zur Ikone auf. Der Kindkönig hatte nur zehn Jahre lang regiert und war mit nur 19 Jahren gestorben. Wer selber in die geheimnisvolle Welt des alten Ägypten eintauchen will, kann das ab der kommenden Woche in München tun. Denn: Am 3. April eröffnet die Ausstellung Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze in der Kleinen Olympiahalle. Wir zeigen Ihnen jetzt schon mal vorab in einer Serie, was Sie erwartet. Lesen Sie über den Rätsel-König:

Ein Mysterium wird geboren: Schon lang galt Echnaton als Vater. Der Ägyptologe Zahi Hawass erbringt 2010 per DNA-Analyse den Beweis. Der Name der Mutter stellt die Wissenschaftler aber bis heute vor ein Rätsel. Dabei fiel immer wieder ein Name: Nofretete. Hawass kommt in seinem neuem Buch jedoch zu einem anderen Schluss: Echnaton zeugte Tutanchamun mit einer vollblütigen Schwester, also nicht Nofretete. Sein Vorschlag: Die „Younger Lady“, eine Mumie aus einem anderen Grab, ist Tuts Mutter. „Inzest war nicht ungewöhnlich“, schreibt er. „Aber in diesem Fall hatte es böse Folgen, denn ohne Zweifel war die physische Schwäche Tutanch­amuns, die letztlich zu seinem frühen Tod führte, durch Inzucht mitverursacht.“

Ein Kind besteigt den Thron: Tut wird bereits mit neun Jahren König. Sein Vater Echnaton stirbt – wohl durch einen Anschlag. Als auch sein Vorgänger nach kurzer Regentschaft stirbt, muss der Knabe völlig unerfahren ein Großreich lenken. Er ändert seinen Geburtsnamen von Tutanchaton in Tutanchamun.

Der Sohn rebelliert gegen den Vater: Sein Vater hinterlässt ein politisches Chaos. Das Volk tobt, weil Echnaton die jahrtausendelang verehrten Götter abgesetzt hat. Es gibt nur noch einen Gott: Aton, die Sonne. Auch die alte Residenz Theben versinkt in Bedeutungslosigkeit. Mächtige Priester begehren auf, weil Echnaton sie enteignet hat. Stürmische Zeiten für einen Jungen. „Tutanchamun ließ in einen Pfeiler meißeln: Das Land hat eine schwere Krankheit durchgemacht“, sagt der Münchner Ägyptologe Wolfgang Wettengel. „Seine einzige Möglichkeit war, das Land zu stabilisieren und zu den alten Traditionen zurückzukehren.“ Und Tut trifft die richtige Entscheidung: „Dass er die alte Religion wiedereinführte, beruhigte die Lage.“

Der Junge zeugt keine Nachfolger: Tut heiratet seine Schwester – wie damals üblich. Zwar wird seine Frau zwei Mal schwanger, doch ein Kind stirbt noch vor, das andere nach der Geburt. Die Kinder liegen mumifiziert in der Grabkammer.

Der König stirbt: Nach neun Jahren auf dem Thron stirbt der Pharao. Tutanchamuns Tod ist bis heute ein Mysterium. Lange ging man davon aus, dass er erschlagen wurde. Auch Malaria wurde als Todesursache gehandelt. Heute glauben die meisten Wissenschaftler an einen Jagdunfall, bei dem Tut vom Streitwagen fiel und sich einen offenen Oberschenkelbruch zuzog. Der Wiener Ägyptologe Wilfried Seipel sagt: „Wahrscheinlich hat eine Blutvergiftung den Kindkönig in die Knie gezwungen.“

Das Grab gerät in Vergessenheit: Aus den Augen, aus dem Sinn … Zum Glück, muss man heute sagen. Tutanchamuns Grab liegt in einer Talsohle, der Eingang dazu unterhalb des Eingangs zur Gruft von Ramses VI. Unbekannte löschten den Namen von den Denkmälern. Und der Grab­eingang wurde mit Schutt verdeckt. Arbeiter bauten ihre Hütten darauf. So wurde Tut lange Zeit kaum beachtet, von den Nachkommen vergessen – und von Plünderern verschont! Auch deshalb träumten so viele Wissenschaftler von der Entdeckung des Grabes. Und umso größer war die Sensation, als Carter es entdeckte.

Der Schatz überdauert die Zeit: Weil die meisten Grabräuber die Kammern nicht fanden, gab es hier Schätze zu finden wie in keinem anderen Pharaonengrab zuvor oder danach. „Man geht zwar davon aus, dass das Grab kurz nach der Bestattung des Königs zweimal beraubt wurde, aber nur Salben, Schmuck und Parfüm wegkamen“, so Ägyptologe Wettengel. Insgesamt fast 5000 Objekte, zwei Tonnen Gold! Wie so etwas aussieht? Bald zu erleben in der Kleinen Olympiahalle bei der großen Tutanchamun-Ausstellung!

Das sagt der Tut-Experte

Zahi Hawass (mit Hut) in der Grabkammer.

Zahi Hawass (67) ist einer der einflussreichsten – aber auch umstrittensten – Ägyptologen der Gegenwart. Ex-Staatschef Hosni Mubarak (86) ernannte ihn einst zum Minister für Altertumsgüter, nach dem Sturz des Präsidenten bekleidete er das Amt erneut. Nun hat Hawass ein opulentes Standardwerk über die Geschichte Tutanchamuns vorgelegt (Auf den Spuren Tut­anchamuns, Theiss Verlag, 29,95 €), es erscheint zudem als Begleitband zur Ausstellung. Die tz traf den Ägyptologen in Luxor und sprach mit ihm über den Kindkönig, verborgene Schätze und Nofretete:

Inzestkind, schiefe Zähne und ein Klumpfuß: Tutanchamun werden viele Dinge nachgesagt. Unter anderem auch, er sei behindert gewesen...

Zahi Hawass: Tut hatte keine schwerwiegenden Gebrechen. Er kann gar nicht behindert gewesen sein: Er ging jagen!

Welche Krankheit hatte Tut wirklich?

Zahi Hawass: Tut litt an der Krankheit DISH (Morbus Forestier), einer Wirbelsäulenerkrankung, die viele aus der königlichen Familie hatten.

Im Moment liegt die Mumie Tutanchamuns in dessen Grab im Tal der Könige. Eine gute Idee?

Zahi Hawass: Ganz ehrlich? Mumien sollten nicht ausgestellt werden. Wer will schon, dass die Leute einem auf das Gesicht starren, wenn man tot ist?

Was bedeutet Tutanchamun für Ägypten?

Zahi Hawass: Tut ist in den Herzen aller Menschen. Meiner Meinung nach ist er auch heute noch Ägyptens wichtigster Diplomat.

Glauben Sie, dass es im Tal der Könige noch etwas zu entdecken gibt?

Zahi Hawass: Und ob ich das glaube! Es gibt noch so viel zu entdecken: so viele Schätze, so viele Königsgräber.

Immer wieder ereilen uns Nachrichten über Ausschreitungen in Ägypten. Wie schlimm ist die Situation?

Zahi Hawass: Da wird häufig übertrieben. Ägypten ist sicher!

Wie steht es um den Tourismus in Ägypten?

Zahi Hawass: Früher drängten sich Tausende durchs Tal der Könige – jeden Tag. Heute sind es täglich vielleicht noch 600 Besucher. Trotzdem könnte alles zerstört werden, wenn die Massen zurückkehren. Wir brauchen jetzt Geld, um irgendwann ein Replika-Tal-der-Könige zu errichten.

Neben Tutanchamun gibt es einen zweiten Superstar der alten Ägypter: Nofretete. Deren weltberühmte Büste findet man aber im Ägyptischen Museum Berlin.

Zahi Hawass: Am liebsten würde ich Nofretete zurück nach Ägypten holen. Auch wenn mich die Deutschen dafür hassen würden …

Tobias Scharnagl

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