44-Jähriger sollte für Krimi-Serie „K11“ Bungee-Jumping-Drama darstellen

TV-Dreh: Stuntman schwer verunglückt!

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Florian O. verunglückte beim Bungee-Jumping schwer.

Aschheim - Florian O. streckt sich, breitet die Arme aus, blickt nach vorn und lässt sich aus dem Stahlkorb fallen, der auf dem Gelände des Autokinos in Aschheim in 63 Metern Höhe hängt.

Florian O. ist bei der Arbeit. Für die TV-Serie „K11 – Kommissare im Einsatz“ spielt der Stuntman eine Szene: einen Bungee-Sprung, der mit einem Unglück endet. Sekundenbruchteile später wird für den 44-Jährigen die Drehbuch-Szene zur grausamen Wirklichkeit. Das Seil ist zu lang! Florian O. schlägt auf dem Boden auf!

Vor dem Aufprall versucht der Film-Profi noch, seinen Kopf mit den Armen zu schützen. Trotzdem knallt er mit Kopf auf den Beton, seine Armen brechen. Das schreckliche Geräusch des aufprallenden Körpers wird keiner der Anwesenden mehr vergessen.

Der Stuntman prallt noch einmal zurück und schleift, an den Füßen weiter am Seil hängend, über den Boden. Er blutet aus einer Platzwunde an seinem Kopf. Ein Augenzeuge erzählt später, dass die Blutspritzer sich in einem Umkreis von zehn Metern am Boden verteilt haben.

Bianca Titus, Produktionsleiterin bei Constantin Film, die auf dem Gelände des Autokinos für „K 11 – Kommisare im Einsatz“ drehte, zur tz: „Ganz kurz waren wir alle wie erstarrt. Dann fing Florians Freundin an zu schreien.“ Die junge Frau, die alles mitangesehen hat, läuft auf ihren verunglückten Freund zu. Ebenso die 30 Mitarbeiter der Produktionsfirma.

Florian O. ist bei Bewusstsein, er schreit sie an: „Lasst mich in Ruhe. Ich will aufstehen.“ Seine beiden Oberarme sind gebrochen, über sein Gesicht läuft Blut. Zwei Sanitäter des Arbeiter-Samariter-Bunds, die bei der Szene routinemäßig anwesend sind, sind sofort zu Stelle. Sie nehmen ihn vom Seil, bringen ihn in die stabile Seitenlage, berichtet Titus.

Als dann der Notarzt kommt, versetzt er Florian O. sofort in ein künstliches Koma. Im Rettungshubschrauber wird der 44-Jährige ins Schwabinger Krankenhaus geflogen. Seine Freundin fährt in einem schwarzen Wagen hinterher. Später im Krankenhaus wird klar: O. hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma.

Zurück bleiben die Mitarbeiter seines Team von von Constantin Film, mit denen er schon oft zusammen gearbeitet hat. „Ich kann gar nicht verstehen, wie das passieren konnte“, sagt Produktionsleiterin Titus. „Seine Mitarbeiter haben alles abgemessen. Ich verstehe das nicht.“ Drei Kriseninterventionsteams kümmerten sich gestern um die Menschen, die hilflos mit ansehen mussten, wie O. auf den Boden knallte. Die Dreharbeiten wurden gestern sofort abgebrochen, niemand konnte an etwas anderes als den Kollegen denken. „Wir mögen ihn so gerne. Es ist einfach furchtbar“, sagt Titus.

Die Kripo geht momentan davon aus, dass O. selbst das Seil für seinen Sprung zu lang bemessen hat.

Die Sendung mit dem Namen „Sprung in den Tod“ soll am 3. September um 22.15 Uhr auf Sat1 laufen. Florian O. sollte in seiner Szene zwei Bungee-Jumper mimen, die sich vor dem Sprung mit den Worten „Wir sehen uns dann unten“ verabschieden. Einer der beiden stirbt.

K. Bitz, D. Plange, A. Raith

Quelle: tz

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