So war der Merkel-Abend in der Akademie

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Angela Merkel betonte bei ihrem Vortrag die Bedeutung von Werten.

München - Angela Merkel hat in der Katholischen Akademie die Bedeutung von Werten für Politik und Gesellschaft betont. Wie die Bundeskanzlerin auf das Publikum wirkte, lesen Sie hier.

Fünfhundertfünfzig kamen rein; weit über tausend erhielten eine Absage: hoher Besuch in der Katholischen Akademie. Direktor Andreas Schuller hat schon recht, wenn er es „als hohe Wertschätzung unserer Arbeit“ sieht, dass Angela Merkel nach knapp vier Jahren nun zum zweiten Mal bei ihm einen Vortrag hielt und anschließend zu einer offenen Diskussion bereit war.

Sicher, es ist Wahlkampf, aber Frau Merkel ist in der Akademie auch diesmal wieder eine andere, als wenn man sie – etwa mit Medwedjew – „staatstragend“ im Fernsehen sieht. Lockerer, witziger, schlagfertiger.

So schien sie an diesem heißen Abend erst bei der Diskussion ganz in ihrem Element zu sein. Fragen jeder Art waren möglich. Sie antwortet klug, knapp, kompetent. Und immer auch mit diesem Quäntchen Demut, das sie in ihrem Vortrag über Politisches Handeln aus christlicher Verantwortung so deutlich gefordert hatte („Unsere Unvollkommenheit gebietet es, demütig zu sein“).

Sie umriss die uns allen sattsam bekannten Probleme, deren Lösung, wenn überhaupt, nur möglich seien auf dem Boden einer sicheren Orientierung: „Ohne Werte geht es nicht. Wir brauchen einen verlässlichen Kompass“, und als den sieht sie den christlichen Wertekodex. „Was ist unser Bild vom Menschen? Er ist Ebenbild Gottes, als das er sich frei entfalten können soll. Aber nicht zum Schaden anderer. Er ist kein isoliertes Individuum; seine Freiheit ist keine egoistische Beliebigkeit. Er hat die Freiheit nicht von etwas, sondern zur Teilhabe“.

Merkels Mimik

Strecke

Merkel ist glaubwürdig. Wenn sie erzählt, wie sehr um die komplizierten Fragen am Lebensanfang und am Lebensende gerungen wurde (Embryonen, Patientenverfügung), nimmt man ihr das ab. Was bedeutet bei diesen großen Themen der Satz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar?“ „Aus dem christlichen Menschenbild lassen sich keine konkreten Handlungsweisen ableiten“, sagt sie, aber doch eine klare Orientierung, die Toleranz gegenüber anderen einschließt. Viel mehr Menschen müssten sich einmischen, mitdiskutieren bei den Lebensfragen: „Ich bitte um gesellschaftlichen Diskurs“ – und sie meint auch solche Treffpunkte wie die gastgebende Akademie. Ihr Ziel, um die soziale Marktwirtschaft auch in der globalen Welt und für sie zu retten, wäre die Gründung einer „Charta des nachhaltigen Wirtschaftens“. Nur so könne man die Wiederholung der derzeitigen Krise vermeiden.

Sie mahnt eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht an, in der die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht dem Egoismus Einzelner. Und was fragen die Leute in diesem Forum? Warum sie den Papst angegriffen habe; sie fragten nach dem Stichtag für die Stammzellen, nach der Rentengarantie, nach dem Generationenvertrag, nach der Hochschulreform („Bologna“), nach Kernenergie und Endlagerung.

Jedes Mal kam eine kluge, knappe, nie nur so dahin geschwätzte Antwort. Zum Schluss fragte der Gastgeber: „Wenn Sie auf niemanden Rücksicht nehmen müssten – was würden Sie ändern?“ - Nach einer Pause: „Arbeit für alle, aber ich wüsste, dass ich das nicht schaffen kann“. Schuller: „Welcher Charakterzug von Papst Benedikt ist für Sie der interessanteste?“ „Seine geistige Schärfe“. „Worin besteht der Charme der Bayern?“ „Dass sie eigentlich ganz nett sind, aber ihre Interessen sehr stark vertreten.“ 

Beate Kayser

Am Samstag, 25. Juli um 22.30 Uh,r ist der Merkel-Abend noch einmal in BR alpha zu erleben.

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