Max Tidof und Lisa Seitz

tz auf bairisch: Bei uns dahoam zu Hause

+
Da Bögel Rudi, unsa Chefredaktör (v. l.), da Tidof Max und d Seitz Lisa: Sie ham a Gaudi ghabt mitanand

Minga - Mia bsuachan d Seitz Lisa und an Tidof Max – sie Bayerin, er Preiß.

Des kimmt öfter vor, wia ma denkt. A preißisch-boarische Ehe. Aa in de bestn Familien. D Seitz Lisa aus Bogenhausn hod an Tidof Max gheirat, oa Deandl hams. Eahm kenn ma aus verschiedene Fuim, aa bayerische wia an Meineidbauern oder Bergkristall, d Lisa kennt ma sowieso. Ihr Deandl, d Luzie, werns scho glesen ham bei uns, de huift im Klatsch vo da Schmidtn aus. Und mia ham uns denkt, dasma amoi mit dene zwoa redn, wia des so zammgeht ois Preiß und ois Bayer. Gführt hod des Interview da Bögel Rudi dahoam bei dene zwoa z Obermenzing. Ned wundern, obwoi d Lisa im Herzn a echte Bayerin is, ois echts Mingara Gwachs redts aber mehr so a Salonmünchnerisch. Vielleicht liegts aber aa do dro, dass da Max a bisserl obgfarbt hot.

Des erste, wos mi interessiert, is: Woher kemmts ihr zwoa eigentli?

Seitz: Ich komm aus München.

Tidof: Ich bin im Rheinland geboren, in Hamburg aufgewachsen und mit 18einhalb nach München.

Und in Minga bist dann zum ersten Moi auf den bairischen Dialekt troffa?

Tidof: Als ich hier ankam, da seh ich vor mir zwei Taxler, die sich um den Parkplatz gestritten haben – auf Bairisch. Da stand ich da und dachte mir, das ist ja geil. Ich hab zwar kein Wort verstanden, und die beiden haben sich die übelsten Beschimpfungen an den Kopf geschmissen auf Bairisch. Aber Du hast gemerkt: Das funktioniert, da kommt’s zu keiner Schlägerei. Wenn Du das auf Hanseatisch übersetzen würdest, da würde es sofort richtig scheppern.

Seitz: Da Dialekt is a Anti-Agressions-Training.

Iatz sog amoi Lisa, Du bist scho a Münchnerin, aa wenn mas ned oiwei hert.

Seitz: Ich bin in München geboren. Mein Vater ist aus einer urbayerischen Familie. Schlierseer Bauerntheater. Mütterlicherseits, da kam d’Oma aus Ostpreußen, also aus eine ganz anderen Eckn. Ich bin sogar in Neuhaus am Schliersee eingeschult wordn. Aber da haben die Kinder gesagt: Weißt was, lass das bleiben mit Deinem Bairisch, weil wir verstehen Dich eh scho so schwer.

Aba so ganz hostas ned bleim lassn midm Dialekt, ma herts scho durch, des is aba mehr so a Salonmünchnerisch …

Seitz: Eher so a Kir-Royal-Münchnerisch. Und es gibt so a paar Eigenheiten im Dialekt, die sind einfach herrlich. Das Conferencier-E zum Beispiel. Liebeeee Freundeeee, liebeeeee Gästeeee!

Wos dir aa no bliem is, is des rollende R.

Seitz: Das kommt immer drauf an. Du sprichst ja Bairisch – und dann fang ich an, mich so einzustimmen.

Und wenn mia uns jetzad no so a Stund unterhoidn daadn …

Seitz: Dann wachsn mir die Lederhosen automatisch …

Wos daads Ihr sogn, wos da Dialekt über den Menschenschlog sogd?

Tidof: Kleines diebisches Bergvolk am Rande der Alpen … So stehts ja in alten Lexika … Besser kan man sie ja gar nicht beschreiben.

Seitz: Des Bairische is vom Klang her scho ein bisserl mediterran. Eigentlich ist der Bayern scho ein halber Italiener …

Wos konn Bairisch mehra wia Hochdeitsch?

Tidof: Auf Bairisch geht viel mehr. Also zsamm. Das hab ich schon erlebt mit dem Sepp (Vilsmaier), der redet irgendwie mit den Jungs und das klappt. Also wenn so ein Fischkopp-Produzent Schnee braucht, dann zahlt er einen Haufen Geld und kriegt bloß geschmolzenen Schnee. Wenn der Sepp das macht, dann kommt der Schnee wagenladungsweise.

Weil a bissl wos geht oiwei. Apropos Fuim: Du host ja, wia Du sogst, aa vui mitm Vilsmaier Sepp draaht. Hots do sprachliche Missverständnisse gem?

Tidof: Ich verstehe vom Sepp höchstens die Hälfte. Aber das macht nix, wir liegen beim Drehen auf einer Wellenlänge. Und außerdem ist Bairisch international: Das hab ich gesehen, als wir die Harmonists gemacht haben in New York auf einem Flugzeuträger. Und dann sollten 300 amerikanische Komparsen zwei Reihen nach hinten treten. Der Sepp: kein Englisch, nur Bairisch. Aber das hat nichts ausgemacht. Der Sepp pfeift einfach auf den Finger und sagt: Ihr da, geht’s a Stückl zrück. Und da guckten die ihn an, machten einen Schritt zurück. Und dann sagt er zum Dollyfahrer (Kamerawagen), der ein Schwarzer war: Und du fahrst a Stück zurück, da hinten rüber und bleibst da stehen. Natürlich im tiefsten Bairisch. Der kuckt ihn an, der Sepp sagt „Geh schon, mach‘‘!“ Und da fuhr der mit dem Dolly genau da hin. Und da Sepp sagt: „Siegst? Der spricht doch Bairisch.“

Seitz: Und was lernt man da draus: Bairisch is einfach eine Herz- und Bauchsprache, die jeder versteht. Bairisch und Esperanto liegen anscheinend ganz nah beieinanda.

Tidof: Bairanto.

Wahrscheinlich iss aso, das des Esperanto ausm Bairischen entstanden is …

Seitz: Nein, nein, das seh i ganz anders. Esperanto ist ja gescheitert, aber des Bairische lebt.

Habts ihr zwoa eigentlich a bairischs Lieblingswort?

Seitz: „Gschuspi“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit dem Dialekt mehr ausdrücken kann als im Hochdeutschen. A Gschpusi ist viel mehr als ein Verhältnis oder ein Affäre.

Tidof: „Schleich di“ klingt doch viel besser als „hau ab“.

Seitz: Und „Noagal“ ist auch supernett. Da gibt’s noch nicht einmal ein hochdeutsches Wort dafür.

Tidof: „Samma wieder gut“. Das finde ich auch gut, das ist so versöhnlich.

Seitz: Und dann gibt’s noch die Ackaschnoin.

Jetz hosd mi dawischt! Wos is nachad des?

Tidof: Ackerschnalle. Mohn.

Seitz: Weil die Mohnblume so rot und provokativ am Feldrand steht …

I glaab, bei unsam nächstn Ratsch miass ma an am Bairisch-Lexikon arwan. I bedank mi sakrisch bei Eich. Und sog Pfiadd Eich mid an Spruch vo meiner Oma: Aus is und gor is und schod is, dass wohr is …

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

So will die Stadt das Feiervolk bremsen
So will die Stadt das Feiervolk bremsen
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag

Kommentare