Aber es gibt Ausnahma!

Bei uns in der Stod redt kaam no oaner Dialekt

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Der Willy Michl (63) is a gebürtiger Münchner und a Isar-Indianer.

Minga - Es is a Kreiz mim Dialekt. In Minga kimt er fast goanimma vor. Mia erglärn eana, warum des so is und wias früher war. Aber es gibt aa Ausnahma, de a heit no Bairisch redn!

Des is a bissl wia beim Diamantensuacha. Wer heit in Minga no an echten Mingara Dialekt hern wui, der braucht entweder vui Geduid oder muaß scho ganz genau wissen, wo er suacha muaß ... Der Huber Gerald, der des Buach Hubers bairische Wortkunde gschriebn hod, moant auf jeden Foi: „In München is Bairisch fast scho ausgstorbn.“

Der Dialekt war bei uns sowieso scho jahrzehntelang aufm Rückzug – a ganz starker Einschnitt war dann de deitsche Wiedervereinigung. Der Huber sogt: „Bei der Wiedervereinigung hod München sei Stellung ois heimliche Haupt­stod verlorn – und damit aa gleichzeitig sei Stellung ois kultureller Orientierungspunkt. Des is iatz oiss in Berlin – und des merkt ma aa da Sprach o.“

Olle redns Standard-Deitsch oder probierns jedenfois. Es geht aso weida, wias scho vor a guadn Zeit ogfangt hod. Der Huber sogt: „Der Mingara Dialekt war aa scho im 18. und 19. Jahrhundert näher am Sprachstandard wia de Dialekte aufm Land. Aa domois hod ma si scho für wos Bessers ghoitn, wenn ma noch der Schrift gredt hod.“ Schritt für Schritt is Minga ­wegganga vom Dialekt. Do dazua ghert übrigens aa des Wort „München“ selber. Huber: „Friara ham de Münchner zu München no ,Minga’ gsogt. Des hod si aber gändert.“

Vor hundert Johr no hod ma in de verschiedna Mingara Viertel unterschiedliche Dialekte gredt. Do hod ma ghert, ob oana aus Giasing kimmt oder aus Sendling. Der Huber sogt: „Do hod a Schwabinger aus der Sicht vom Lehel praktisch im Ausland glebt.“ Übrigens, weil ma grod scho dabei san: Wer „Lehel“ richtig bairisch aussprecha wui, der sogt „Lechel“: Und zwar mit am leichten „ch“ mit der Zung am Gaumen, aber nia mit am harten, kracherten Rachen-ch. Den Laut gibt’s in Bayern gor net.

Heit is des mit de Unterschiede zwischen de Viertel sowieso vorbei. Heit derf ma froh sei, wenn ma überhaupt no irgendwo an Dialekt hert. Des hoaßt: A boor Ausnahmen gibt’s na do no. Der Huber Gerald sogt: „Heit is der Mingara Dialekt zwar so guad wia ausgstorbn. Es gibt aber scho no a ganze Reih ältere Herrschaften, de den feinen Münchner Singsang drauf ham. Aa unter de Prominenten foid ma oaner ei, der in dera Richtung redt: der Willy Michl. Der redt weich, leicht nasal. Des geht a bissl in Richtung Wienerisch.“ Ähnlich is no der Sänger Konstantin Wecker – aber des wars dann aa.

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Wia des weitergeht? Ma konns schod findn oder ma konns einfach nehma, wias is – aber wahrscheinli werds ­boid koan Mingara Dialekt mehr gebn. Es is zum Beispui no gor ned so lang her, do ham Wissenschaftler a große Untersuchung gmacht, wia vui Schüler in Minga no Dialekt redn. Sie san auf 2,5 Prozent kemma, und sogar des war no nach obn verzerrt. Do war nämlich oa Realschui-Klass dabei, in der zwäif Kinder Bairisch gredt ham – de ham si praktisch gegenseitig ogsteckt. Oft wer ma so wos wia de Klass in Minga wahrscheinlich nimmer derlebn. De Entwicklung hi zum Standard-Deitsch geht jedenfois oiwe mehr ind Breitn. Heit is zum Beispui grod no aso, dass ma an echten Mingara – wenn er denn Bairisch redt – von am Freisinger unterscheiden konn. Aber aa des gleicht si immer mehra aneinander o, werd immer einheitlicher. Und oiss mitanand geht oiwe mehra in Richtung Schriftsprach. Ob des guad is? Wos moana Sie, Herr Huber? „Wer nimmer redt wia a Bayer, der denkt aa nimmer wia a Bayer. Is er dann no a Bayer?“ Guade Frog.

Uli Heichele

Der letzte Mohikaner

Wenn’s um Wurzeln geht, na kennt er si aus. Der Willy Michl (63) is ois gebürtiger Münchner und Isar-Indianer oaner, der an Haufa Tradition mit sich rumtrogt – ausm eigna Land und von wo andersher. Er konn an no redn: den oiden, weichen Münchner Dialekt.

Und, weil er immer wieder unterwegs is in Bayern, hod er aa andere Dialekte ganz guad drauf – zum Beispui de Sprach aus der Deggendorfer Gegend. Der Willy sogt: „I red, wos grod gfrogt is.“ Bloß in der Oberpfoiz is des immer no a bissl schwer.

Er is zwar koa militanter Dialekt-Kämpfer – aber trotzdem daad sich der Willy gfrein, wenn dLeit no lang Bairisch redn daadn. Er sogt: „Bestimmte Sachan konn ma in der Hochsprach eigentlich gor ned wiedergebn. Wenn zum Beispui a Bayer sogt: ,Leck mi am Arsch’, dann hoaßt des wos ganz anders wia wenn a Norddeitscher sogt: ,Sie können mich mal am Arsch lecken‘. Beim Bayern konn des nämlich durchaus bewundernd gmoant sei!“

Der Willy hod aber sowieso koa Angst, dass unser Sprach so schnej verschwinden kannt. Er sogt: „Naa, des siehg i ned. Gäh in an Biergarten – dann werst an Münchner Dialekt hern. Allerdings woaß i aa, dass Sprachen sich über de Jahrzehnte und de Jahrhunderte verändern. Und des guit aa fürn Dialekt.“

Der Experte

Der Huber Gerald hod des Buach Hubers Bairische Wortkunde gschriebn. Des war für uns a ganz a wichtige Orientierung, wia ma de Zeidung do gmacht ham. Des is aber koa Lexikon, sondern eher so a Art Lesebuach – do werd ganz genau erklärt, wo de oanzeina Wörter herkemma. Zum Beispui konn ma lerna, dass des Wort „Semme“ eigentlich ausm Lateinischen kimmt. Wenn Sie si näher für soichane Sachan intressiern: Des Buach is im Volk Verlag erschiena, hod 216 Seiten und kost 19,90 Euro.

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