tz-Bürgeranwalt

Iatz schreib i: Trachtengschichten

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Corinna Binzer und Alexander Wandinger zoagn vaschiedene Dirndl.

Minga - Heit geht's beim tz-Bürgeranwalt um Trachtengschichten vom Minidirndl und Schürznbindn bis zur kurzn Lederhosn.

Iatz schreib i

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Logisch: Heid gehts aar auf deara Seitn um wos echt Boarischs. Und wos kannt boarischer sei wia Trachten und der Charivari, der wo dazuaghead? Hätts Es denkt, dass des Wort Charivari aus dem Lateinischen stammt? Scho dodro merkt ma, dass mia Bayern recht gebildet san. D oiden Lateiner ham nämlich „Charivari“ gsagt, wenns a Durchanand gmoant ham. Und a richtiger Charivari is ja aa wirkli für a Fünferl a Durchanand. D Jager ham friarer eahnan Scharivari mit Jagdtrophäen gschmückt und d reichen Bauern ham damit demonstriert, dass a Geid do is. Ursrüngli is der Charivari ja aus der Uhrkettn entstanden. De hat mar an der Trachtenwestn oder an der Lederhosn oknöpft und damit am Feiertag umananderprozt. Und weil mia Bayern gern herzoagn, was ma ham, ham ma de Uhrkettn hoid immer mehrer mit Anhängserl verziert. Aber ned bloß dodrum is ganga. Mir woidn nämlich aa zoagn, dass ma echte Mannsbuider san. Wenn ma beispuisweis an Knocha vom Schniedlhipf vom Marder an der Kettn ghabt had. Frogts me iatz ned, was a Schniedl is. Für de, wos ned verstenga, red i nomoi Lateinisch: Der Schniedl is a Penis. Iatz konn ma se freilich ärgern, dass auf der Wiesn net weng scheene oide Charivari an am moderna Phantasie-Trachtngwand hängan. Mit der Tradition hod des nix zum doa. Aber mit da Gaudi. Warum oiso ned? Wenn i mas genau überleg, soid mar an Charivari aa ned gor so bierernst nehma. No vor guad 100 Johr ham d Leit nämli zu an a recht lautn und greislign Musi aa „Charivari“ gsogt. In dem Sinn an recht scheena Gruaß vom

Gaiser Dietmar

Trachtengschichten

Über d Tracht erzähln se d Leit ja vui. Dass a Witwe ihr Dirndlschürzn vorn bindt, a verheirate Frau rechts und a ledige links, dass a Lederhosn gscheid speckig sei muaß und vo selba steh, und dass friara d Leit olle eahna Gwand seiba gmacht ham. I denk, dass vui vo dem Gred gor ned stimmt. Kenna Sie oan, der se gscheid auskennt mit da boarischen Tracht und uns sogn konn, weiche von dene Mythen rund um d Tracht a bloßer Schmarrn san?

Corinna Binzer (47), Schauspielerin und Autorin aus München

Do waar doch der Alexander Wandinger vom Trachteninformationszentrum (TIZ) vom Bezirk Oberbayern genau da Richtige, hod se unser tz-Autorin Susanne Sasse denkt. Und is mit der Corinna Binzer noch Benediktbeuern ins Kloster gfahrn, wo im oiden Stoi da Wandinger und seine Kollegen mehra wia 5000 Original-Kleidungsstücke, 20000 Buidln und a Riesen-Bibliothek mit am Haufa Raritäten und wertvolle Biacha gsammet ham. Da hoin se zum Beispui Filmemacher wia da Marcus H. Rosenmüller Ratschläg. Und aa uns hod da Wandinger erzäid, wia des so is mit dem boarischen Gwand. Und des hamma gfrogt:

Gibts a bsonders Dirndl, des typisch is für München und Umland? „Naa, des gibts ned“, sogt da Wandinger. Es hoaßt ja scho „Trachtenmode“, und des hoaßt aa, dass de Leid oiwei scho bei ihram Gwand nach da Mode ganga san. Des Dirndl is bei uns erst noch 1910 salonfähig worn“, sogt da Wandinger, „es is über Salzburg noch München kemma. Davor wars a ganz a einfachs Arbatsgwand, zumindest in manche Gegenden vo Bayern, und hod Leibkittel, Leibgwand oder Heigwand ghoaßn.“ A Dirndl is a oateiligs Kleidungsstück mit Schürzn, außerdem mit oder ohne Blusn. Nochm Zwoaten Weitkriag hod ma d „Wäschedirndl“ ghabt – aus da Bettwasch gnaht. In de 60er und 70er hods de kurzn Minidirndl gem, in de 80er de langa Abenddirndl, Stildirndl und Wuidseidndirndl. Und heit gibts so vui Dirndl, dass sich eigentlich koaner mehr auskennt. „Des Wichtigste is aber, dass de Weiber im Gwand fesch ausschaun“, findt da Wandinger, „dann is nia foisch“.

Stimmt des, daß ma an dem, wiar a Schürzn bundn ist, kennt, ob de Frau verheirat, no zum ham oder Witwe is? „Naa. Des is oiss a rechta Blädsinn und historisch ned zum hoitn“, sogt da Wandinger. „D Schürzn hod ma je nach Zeit und Mode amoi vorn, seitlich oder hintn bundn, ob verheirat oder ned.“

Gherd d Lederhosn kurz oder lang? „Konn ma so ned song, is aar a Mode-Sach. Vor 1800 hods de Kniabundhosn gem. Von 1800 bis 1860 war de Kurze Mode, und waar de ned um 1890 von de Gebirgstrachtenvereine wieder aufgriffa worn, gaabs de heit nimma. Weil um 1800 is aa d lange Hosn über d französische Mode bei uns interessant worn. Ab 1830 iss im bäuerlichen Raum aar aus Leder gmacht worn. Friara hod mas aa gern amoi mit Stiefe kombiniert. Des san ois ganz hochmodische Sachan“, sogt da Wandinger, und raamt a no glei mit am andern Grücht auf: „A echte Lederhosn gherd gor ned speckig und steif! De war a kostbars Gwand, und des hod ma nia mit Dreeg eigschmiert, sondern ma hod aufpasst drauf. Und a echts samisch gerbts Leder, des konn ma aa waschen – wos ma mit de Billiglederhosn vo heitzdog, mit Leder aus Fernost, in dem aa vui Giftstoffe drinstecka kenna, ned konn. De wern brettlhart davo.“

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