Mia schreim in unserer Mutersprach

tz auf Bairisch: Warum ma mia des macha

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Rudi Bögel, da tz-Chef.

Minga - Am Freidog erscheint de ganze tz auf Bairisch. Von vorn bis hintn! Rudi Bögel, da Chef von da Zeitung, mocht hia kloa, warums des Dialekt-Experiment übahabt gibt.

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Am Freidog, liabe Leser, hams wos in der Hand, wos einmalig is! De ganze tz auf Bairisch. Vo vorn bis hint! Jetzt wern Sie sich frogn, warum mia des macha? Offizieller Anlass is da intenationale „Tag der Muttersprache“. Und do hamma uns denkt: Dann schreima am Freidog einfach in unserer Muattersprach, nämlich Bairisch.

Die tz im Druck.

Jetzt derf i mi erst amoi vorstelln: I bin da Bögel Rudi, da Chef von da tz. I bin Bayer durch und durch, mei Familie kimmt aus Aschau, Starnberg und Fürstenfeldbruck. Glebt hab i oiwe bloß in Bayern, in und um Minga, bis auf oa Ausnahm. I war amoi a halberts Jahr in Augsburg. Aber des is ja aa Bayern – wenn aa koa bairischs, sondern a schwäbischs. Mei Familie warn lauter Beamte, Bauern, Handwerker und Jaga und unser Stammbaam geht bis ins 15. Jahrhundert zruck, noch Niederbayern.

Vo doher bin i saufroh, dass i no richtig Bairisch konn, und manchmoi foin mia Ausdrück ei, de kemma ganz tiaf aus meiner Kindheit. A Heigeign zum Beispiel, oder a bsuffas Wogscheitl. Vui Leit in meiner Umgebung verstenga des ja gor nimma. Dann kimm i mir vor wia im Ausland, obwoi i doch do dahoam bin.

Und jetzt, liabe Leser, wissts aa, warums des Dialekt-Experiment in der Zeidung am Freidog gibt. Mia woin a Zeichen setzen, dass da Dialekt ned sterbn derf. Und do moan i jedn Dialekt. Ob Friesisch oder Badensisch, ob Säschisch oder Fränkisch, ob Nieder- oder Oberbairisch - des is ganz wurscht. Weil da Dialekt ned bloß Hoamat is, sondern aar a Stückerl Kultur und aa Geschichte.

Warum kennt das Bairische beispuisweis so vui französische Ausdrück: Bifflamot (Bœf à la mode), Trottoir (Gehsteig), Pissoir, Toilette (Klo), Portemonnaie (Geldbeutel)? Oder wer hod ned scho amoi a oide Schäsn ghabt (la chaise = Kutsche) und woit ned scho amoi an andern, über den er si gärgert hod, aus „seim Schmis“ (la chemise = das Hemd) aussahoin? Und überhaupts: Warum hoaßt des Viertel am Ostbahnhof „Franzosenviertel“? Weil des einfach a Stückerl Geschichte is, weil mia Bayern hoit amoi gemeinsame Sach mitm Napoleon gmacht ham, aar an Kriag, und do san no so vui Ausdrück über bliebn.

Waar doch wirklich schod, wenn des oiss aussterbn daat? Deshoib woima mit deara tz an Denkanstoß gebn und de Leit zoagn, dass da Dialekt ned bloß wos für Bierdimpfe und Trachtenbayern is, sondern a lebendige Sprach. Oane, mit der ma aa ernste Sachan sogn konn. Aa übern Tod redn, weil da Dialekt ja ned bloß a Ausdrucksform is, de ma hernimmt, damit de andern Leit wos zum Lacha ham.

Und no wos, liabe Leser: Der bairische Dialekt is so unterschiedlich wia de Leit, de an redn. Und des guit aa fürs Kapitel „Dialekt schreibn“. Freilich gibts a boor Grundregeln, und do hamma uns mitm Ludwig Zehetner, mitm Sepp Obermeier und mitm Gereon Motyka drei Expertn ins Boot ghoit, de uns a bisserl über d’Schuiter gschaut ham. Und mia ham uns am Gerald Huber seim Buach „Hubers Bairische Wortkunde“ orientiert. Aber ob mia in dera kurzn Zeit, in der ma so a Zeidung macht, olle Regeln konsequent eighoitn ham? Dann, liabe boarische Leser, waars nett, wennts uns des ned krumm nehmts. Und liabe ned-boarische ­Leser: Aa wenns Lesen für Eich am Freidog schwer is, dann sehts uns des noch, is ja bloß oamoi. Hebts Eich de Ausgab ­liaba auf, kannt amoi wos wert wern.

Da Bögel Rudi

 

tz auf Bairisch als Einzelausgabe digital

Hier konn am Freidog die tz als bairische Ausgabn aa ois Epaper oanzeln kafft wern. Die Digital-Ausgabe kost 0,60 EUR zzgl. 14 Cent Bearbeitungsgebühr. Zoin kenna S per Telefon oda SMS. Außadem griagt ma s a bei itunes um 0,89 EUR.

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Kommentare

GiesingerAntwort
(0)(0)

Immerhin drei leit is der schmarrn mit'm franzosenviertel aufgfoin .... Merci Kameraden

hexenfee
(0)(0)

also, i woar geschtern in Minga draußn (miar Südtiroler fohrn olm noch Münchn außi :-) ..) und hon miar die tz gekaft und mit groaßer Begeisterung glesn. es gib soviele Audrück, de miar a benutzn: zB. Graffl, Gfrett....
i bin froah, dass insere Jungen no fescht im Dialekt redn und schreibn, z.B. a ba die SMS und in Facebook. Die Sprochwissnschoftler sogn, dass des guet isch. Die deutsche Hochsprache isch die erschte 'Fremdsproch' de insre Kinder lernen. Wia orm war a Lond, wenn plötzlich die regionaln Sprochen und Dialekte verschwindn tatn, des hot mit Identität zu tian. Die Schweizer hobn soviel Selbschtbewusstsein, dass sie des durchziachn. Es muaß und soll sich koaner schamen, dass er Dialekt redet. Des gheart zum Kulturguat von a Volksgruppe.
donkschian tz für de einmolige Ausgob. Mi hot's gfreit und a unterholtn.

Poet v. d. Schwanthalerhöh
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A Münchner

Vielen Dank liebe TZ und ganz wichtig war das die ganze Zeitung, bis auf die Werbung, in bayrisch war, denn bayrisch ist nicht nur eine Sprache für die dauerlustigen, super g'scheid Bayern, sondern unsere Muttersprache zeichnet eben aus das sie sehr prägnant, direkt, mache meinen das sein krachert oder unfein. Es ist bestimmt keine Sprache der Diplomatie, sie ist aber durchaus geeignet komplizierte Sachverhalte kurz und verständlich auf dem Punkt zu bringen, des halb war dieses mal der Nachrichtenteil gerade zu von einer wohltuenden Direktheit und Genauigkeit. Würde anderen Zeitungen wie der Süddeutschen, der Welt ect. sehr gut tun wenn sie von vielen Sinnlosen wortreichen Geschwafel was in "Hoch- besser gesagt Schriftdeutsch" zur unendlichen langweile der Leser leider Gang und Gäbe ist. Sehr interessanter versuch, hoffe das sich vielleicht darauß etwas entwickeln läßt aber eben nicht nur zum heimatpflegerischen, lustig Bayern sondern eine lebendige Anwendung unser ganz besonderen Sprache. Weiter so!