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Bärlauch-Fan stirbt an falschen Blättern

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Für einen Bärlauch-Freund bedeutete seine Leidenschaft den Tod © dpa

Erst nur ein bisserl Bauchweh, dann ausgewachsene Magenschmerzen und Erbrechen. Die Hausärzte und Klinikmediziner dachten zunächst an einen vergleichsweise harmlosen Infekt. Doch kurz darauf war der Mann tot.

Eine hochgiftige Pflanze hat ihn das Leben gekostet – die Herbstzeitlose. Der 69-Jährige aus dem Landkreis Freising hielt die Blätter für Bärlauch. Kein Wunder, schließlich schauen sie sehr ähnlich aus. Ein fataler Irrtum, der dem Patienten keine Chance ließ.

„Er verstarb innerhalb eines Tages nach seiner Einlieferung bei uns“, berichtet Professor Thomas Zilker, der Chef der Toxikologischen Abteilung am Klinikum rechts der Isar. Vorangegangen waren mehrere Artzbesuche – keiner fand die Ursache der Beschwerden. Selbst der Experte Zilker und seine Kollegen waren machtlos, konnten den Bärlauch-Liebhaber nicht mehr retten.

„Wir haben kein spezifisches Gegenmittel“, erklärt Zilker.Der Tod – er kam mit einem hochgiftigen Wirkstoff. So beinhaltet die Herbstzeitlose Colchicin. Diese Substanz greife nicht nur das Knochenmark an und hemme dadurch die Blutbildung, erläutert der Professor. Noch viel schlimmer: Colchicin schädige lebenswichtige innere Organe wie Leber, Lunge und Niere. Schnell könne es dann zu einem tödlichen Multiorgan-Versagen kommen.

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 Doch der 69-jährige Freisinger ist nicht der Einzige, dem beim Pflanzensammeln der fatale Irrtum unterlief. Gleich vier weitere Menschen seien in der vergangenen Woche in der Toxikologischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar behandelt worden, berichtet Professor Zilker. Sie kamen mit dem Leben davon.

Die Gift-Experten warnen alle Münchner dringend davor, jetzt Bärlauch sammeln zu gehen – etwa in den Isarauen oder im Englischen Garten, wo das Kraut in rauen Mengen aus dem Boden schießt. „Die Verwechslungsgefahr ist gewaltig“, weiß der Chef der Toxikologie. Gerade im Frühjahr seien die Blätter der Herbstzeitlosen jenen des Bärlauchs so ähnlich, dass sie auf den ersten Blick nur ein Botaniker auseinanderhalten könne. Wer trotzdem wilden Bärlauch gegessen hat und über Übelkeit klagt, solle unverzüglich eine Klinik aufsuchen.

Andreas Beez

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