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Beinahe-Katastrophe: Rentner (89) fährt in S-Bahnhaltestelle

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Das Auto des Rentners an der Bahnsteig-Kante.
Das Auto des Rentners an der Bahnsteig-Kante. © Bundespolizei

Wann bremst er denn endlich? Christina F. (25), die am Sonntagabend am S-Bahnhof Fasanenpark auf die Richtung München fahrende S5 wartete, stockte der Atem: Da rollte doch tatsächlich ein Auto über den Fußgängerweg direkt auf die Bahnsteigkante zu!

 „Der Fahrer kam ganz langsam daher, er machte einen verwirrten Eindruck“, so die Augenzeugin. „Ich dachte: Was macht er denn da, warum bremst er denn nicht?“ Der Mann aber fuhr weiter. „Dann hat es kracks gemacht.“ Der Mitsubishi Space Runner kippte mit der Vorderachse über die Kante und blieb mit dem Kühler über dem Gleis hängen.

Jetzt war es höchste Eisenbahn, denn jeden Augenblick konnte der Zug einfahren! „Eine Frau hat sofort die Fahrertür aufgemacht und den Mann herausgeholt“, so die 25-jährige Dentalhygienikerin. „Ich habe sofort den Notruf gewählt.“ Gleichzeitig habe sie mit Gesten den wartetenden Fahrgästen am vorderen Bahnsteigende zu verstehenden gegeben, sie sollten den S-Bahn-Fahrer alarmieren. Diese fuchtelten und signalisierten daraufhin wie wild, als die S-Bahn heranrollte.

Der Kalender der Münchner Feuerwehr

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„Wir alle hatten Glück, der Zug konnte rechtzeitig stoppen. Dem S-Bahnfahrer sind wir alle sehr dankbar.“ Es hätte in der Tat auch sehr böse enden können: Der Fußweg vom Infineon-Gelände befindet sich etwa in Bahnsteigmitte. Der einrollende Zug hätte an dieser Stelle noch ein beachtliches Tempo gehabt. Der Zug hätte das Auto teilweise zermalmt und zurück auf den Bahnsteig geschleudert, möglicherweise auf wartende Fahrgäste.

Dem 89-jährigen Autofahrer war inzwischen bewusst geworden, in welch prekärer Lage er sich befunden hatte. „Er hat sich bei uns tausendmal bedankt, dass es so glimpflich ausgegangen ist“, erzählt Christina F. Etwa zehn Minuten nach dem Beinahe-Unglück traf die Bundespolizei ein, die jedoch technisch nicht in der Lage war, das festhängende Fahrzeug vom Bahnsteig wegzuziehen. Schließlich rückten die Feuerwehren Unterbiberg und Neubiberg an, um den Mitsubishi mittels Hebekissen wieder auf alle vier Räder zu stellen.

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Der 89-Jährige (l.) hörte gar nicht auf, sich bei den Helfern zu bedanken. © Gaulke

Der 89-jährige Autofahrer stand aufgeregt daneben. Christina F.: „Er hat allen Leuten gesagt, dass er der Übeltäter ist.“ Gegen 23 Uhr konnte die S-Bahn in Richtung München ihrer Betrieb wieder aufnehmen. Die Züge in Richtung Holzkirchen verkehrten schon etwas früher, nachdem klar war, dass keine Gefahr mehr bestand. Der Unfallfahrer bedankte sich bei den Helfern: „Habt ihr prima gemacht.“ Noch ist unklar, wie der 89-Jährige auf den halb überdachten Fußgängerweg geraten ist. Er stammt aus dem Landkreis Dachau und hatte sich vorher offenbar über einen Nachbarn aufgeregt. Warum er in die Gegend von Unterhaching gefahren ist, konnte die Polizei ihm noch nicht entlocken.

Beim Infineon-Gelände muss er auf einen Kreisverkehr geraten sein, wo er total die Orientierung verlor. Der Polizei gab er an, ihm sei der Weg in diese Richtung gezeigt worden. Er gab auch an, er habe noch wenden wollen. Die Augenzeugen haben jedoch davon nichts bemerkt. Der Sohn holte schließlich seinen betagten Papa nach Hause. Ist es nicht besser, der 89-Jährige gibt seinen Führerschein jetzt ab? Berti Habelt, Sprecher der Bundespolizei am Hauptbahnhof: „Das muss die Führerscheinstelle entscheiden. Diese ist informiert.“

Eberhard Unfried, Dorita Plange, Thomas Gaulke

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