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Berufsverbot für Todespflegerin

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Pflegerin Barbara S. schaute 70 Minuten lang nicht nach ihrer Patientin © ebu

München - Ihre Patientin starb, während Barbara S. die Wäsche machte. Jetzt wurde die Krankenschwester verurteilt.

Das Schicksal der 74-jährigen Mona M. war traurig: Sie litt an einer fortschreitenden Muskellähmung (Amyotrophe Lateralsklerose), war zuletzt bewegungsunfähig und auf künstliche Ernährung und Beatmung angewiesen – und das bei vollem Bewusstsein. Umso grausamer müssen die letzten Minuten ihres Lebens gewesen sein: Mona M. erstickte qualvoll, weil der Schlauch ihres Beatmungsgerätes herausgerutscht war! Ihre Pflegerin, die im Keller Wäsche wusch, muss dafür jetzt büßen.

Die Krankenschwester Barbara S. (40) arbeitete seit Dezember 2007 im Haus der Patientin in Neuried. Von 8 bis 20 Uhr musste sie die Patientin waschen und pflegen, sie musste dafür sorgen, dass die Geräte funktionierten. Sie verrichtete die Arbeiten im Haushalt, wusch die Wäsche.

Der Ehemann der Patientin, der Nervenarzt Prof. Rudolf M. (75), arbeitete unterdessen in seiner Praxis. Als er am 8. Mai 2008 gegen 14 Uhr nach Hause kam, hörte er einen Alarmton. Das Alarmsignal des Beatmungsgeräts! Erschrocken lief er nach oben, rief: „Schwester Barbara!“

Diese kam aus dem Waschkeller ins Obergeschoss geeilt. Zu spät. „Meine Frau war bereits tot“, berichtete Rudolf M. als Zeuge vor Gericht. „Sie fühlte sich schon kalt an.“

Im Jahr 2004 sei die unheilbare Krankheit bei ihr ausgebrochen. „Zuletzt war sie absolut bewegungsunfähig“, erzählt ihr Mann. „Aber sie war hellwach, war völlig da“, berichtet er weiter. „Sie war noch gerne am Leben.“

Wie die Auswertung des Beatmungsgeräts ergab, war der Alarm um 12.51 Uhr ausgelöst worden. Pflegerin Barbara S. hatte also mindestens 70 Minuten nicht nach ihrer Patientin geschaut. „Ich war im Keller und habe die Wäsche gewaschen“, erzählte die Angeklagte. „Wenn die Waschmaschine und der Trockner laufen, kann ich den Alarmton nicht hören.“ Über eine Stunde im Waschkeller – Richter Klaus-Dieter Harleb mochte das nicht glauben: „Was haben Sie in der Zeit gemacht?“ Die Angeklagte: „Kann ich mir nicht erklären.“ Angesichts so viel Sorglosigkeit forderte Staatsanwältin Kathrin Höffler sieben Monate Haft mit Bewährung wegen fahrlässiger Tötung: „Es war die oberste Pflicht, die Patientin zu beaufsichtigen.“ Außerdem forderte sie fünf Jahre Berufsverbot für die Intensivpflege.

Verteidiger Harald Getz kämpfte vor allem gegen ein Berufsverbot: „Das entzieht meiner Mandantin die Lebensgrundlage. Sie ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern.“

Richter Hartleb verurteilte sie zu 1500 Euro Geldstrafe und zu drei Jahren Berufsverbot. 

Eberhard Unfried

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