tz-Besuch am Luise-Kiesselbach-Platz

Licht am Ende des Tunnels

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So wird der Luise-Kiesselbach-Platz in Zukunft aussehen

München - Seit Oktober 2007 wird am Luise-Kiesselbach-Platz gebaut. Ab 2015 soll das Mammut-Projekt abgeschlossen sein. Die tz war auf der Baustelle zu Besuch.

Satte 400 Millionen Euro lasten auf den Schultern von Johann Wittmann (61). Aber er lächelt zufrieden. „Wir haben alles im Griff“, sagt der Projektleiter der Luise-Kiesselbach-Baustelle. Seit Oktober 2007 nagen Bohrer und Kräne an Münchens wichtigstem Verkehrsknotenpunkt.

Noch klaffen Löcher, wo ab 2015 der Verkehr (hoffentlich) schneller und besser rollt. 400 Millionen Euro: So viel kostet das ganze Projekt, die Riesen-Ring-Baustelle. Wie geht der Bau voran? Wer arbeitet vor Ort? Und wie leben die Anwohner?

Der tz-Besuch unter Tage: Exakt 64 Stufen geht es hinab in den halbfertigen Tunnel, dort misst das Thermometer 18,2 Grad. Im Dunkeln knattern Bagger vorbei, wir laufen auf Kies. Projektleiter Wittmann führt uns. „Die Außenwände stehen schon“, sagt er. „Demnächst bauen wir die Mittelwände im ganzen Tunnel ein.“

Vier Betriebsstationen versorgen den Tunnel mit Strom. Notausgänge und Notrufnischen sind schon fertig. Insgesamt 2,8 Kilometer wird der Tunnel messen. Alle 120 Meter wird es eine Notrufsäule mit Telefon geben, alle 300 bis 350 Meter einen Notausgang. Die Schlitzrinne fehlt noch – darüber wird angestautes Wasser abfließen. An den Lüftermischern an der Decke sollen bald Ventilatoren hängen.

Es gibt noch viel zu tun. An der zukünftigen Tunneleinfahrt zur A95 kreischen Kreissägen, Arbeiter schuften am Gerüst oder verdichten Beton mit Stahlträgern. Rund 120 von ihnen sind im Einsatz, sie arbeiten von 7 bis 20 Uhr. Von oben wurden anfangs die Bohrpfähle gesetzt, dann folgte der Aushub. Jetzt gibt’s Licht am Ende des Tunnels: Für die zweite Hälfte des Jahres 2015 ist die Einweihung geplant. Dann heißt es endlich: Ring frei!

Was jetzt noch gebaut wird:

OBERIRDISCH:

Ende Garmischer Tunnel / Hinterbärenbadstr. / A96: In den Sommerferien wird der Verkehr umgelegt, teilweise werden die Straßenanschlüsse für den Tunnel gebaut. Wegen dieser Arbeiten wird’s in Richtung Norden eine Fahrspur weniger geben. Auf der Ostseite der Garmischer Straße werden die Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und Daten, die in den Vorgärten lagen, in den künftigen Gehweg verlegt (der wird dann 2016 gebaut).

A95 / Heckenstallerstraße: Im Juli wird der Verkehr aus der Einhornallee auf die ursprüngliche Straße (neben der Tunnelrampe) verlegt – dadurch werden die Anwohner entlastet. Auch am Luise-Kiesselbach-Platz selber wird’s in den Sommermonaten einige Änderungen geben. Das gilt vor allem für diejenigen Autofahrer, die von Osten kommen und auf die A 95 wollen: Die Abbiegespuren werden nach Süden verlegt. In der Heckenstallerstraße ergeben sich bis zur Verkehrsfreigabe (vorgesehen für 2015) keine Änderungen mehr.

UNTERIRDISCH:

Garmischer Straße: Die Betondecke des Tunnels ist schon seit April fertig. Derzeit finden jetzt noch Abdichtungsarbeiten statt. Auch der Aushub des gesamten Tunnels ist mittlerweile so gut wie abgeschlossen – jetzt fehlen nur noch ein paar Kubikmeter.

Ebenfalls Garmischer Straße: Seit Anfang Juni ist der Tunnel komplett begehbar. Dazu gehört auch ein Stück Röhre, das bereits früher angelegt wurde (beim U-Bahn-Bau). Zwischenzeitlich war dieser Abschnitt als Fußgängerquerung an der Garmischer Straße genutzt worden. Mit Baggern haben die Arbeiter mittlerweile die Trennwände zu diesem Bereich abgebrochen. Im Einfahrtstunnel zur Garmischer Straße Richtung Norden werden außerdem Grundwasserwannen betoniert.

Andreas Thieme

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