Besuch auf Münchens höchster Baustelle

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Luftiges Rendezvous in 856 Meter Höhe

München - Ein Date, 86 Meter über den Dächern Münchens – das war mir neu. Doch nur in dieser schwindelerregenden Höhe kann man die beiden Steuermänner des größten Krans Münchens gleichzeitig treffen.

Denn dort ist der Arbeitsplatz der beiden Männer. Zbyszek Markiewicz (48) sitzt heute im Führerhäuschen, sein Kollege Daniel Grocholski (29) begleitet mich in der roten Metallgondel nach oben (Foto links). Für viele unvorstellbar! Ich habe die beiden an ihrem Arbeitsplatz am Sendlinger Tor besucht. Was ich dort oben erlebte: Ein Gefühl, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Die tz auf Baustellen-Tour am Hochhaus „The Seven“ – dem neuen Münchner Luxusquartier in der Müllerstraße. Ein kleiner Ruck- und der feste Boden unter den Füßen ist weg. Zügig bewegt sich die Gondel nach oben und die Menschen unter mir werden immer kleiner. Oben angekommen, winkt mir Zbyszek aus seinem Führerhäuschen zu.

Der Blick von dort oben: atemberaubend. Das Gefühl: unbeschreiblich. Die warmen Sonnenstrahlen kitzeln im Gesicht und ein lauer Windzug sorgt für eine angenehme Abkühlung. Der Blick reicht bis zur Zugspitze, die Allianz Arena scheint zum Greifen nah. Unten werkeln Bauarbeiter in der prallen Sonne, schleppen schwere Bauteile, Menschen hetzen sich durch die Straßen. Doch hier über der Skyline Münchens ist von den Anstrengungen und dem Stress nichts zu spüren.

Extra für unser Rendezvous über den Wolken steigt Zbyszek auf die kleine Plattform neben seinem Häuschen (großes Foto). Ein breites Grinsen in seinem Gesicht zeigt: Er liebt seinen Job. Die beiden Polen Daniel und Zbyszek steuern seit Juli für die Baufirma Bilfinger Berger den gelben Riesen-Koloss in der Müllerstraße. Jeden Tag klettern sie in nur wenigen Minuten die rund 300 Sprossen nach oben. Dort wird dann auf einem kleinen Kocher der Kaffee aufgesetzt, und die Arbeit kann beginnen. „Nur zur Mittagspause geht’s zurück auf den Boden.“

Und noch ein Schmankerl bringt ihr Job in der Luft mit sich. „Manchmal kann man andere Menschen in ihren Wohnungen sehen. Klar freuen wir uns, wenn dann auch mal schöne Frauen dabei sind“, lacht Daniel und zwinkert seinem Kollegen zu. Angst haben sie nicht. Denn selbst ein starker Wind stört dort oben nicht. „Und wenn’s warm wird heißt’s: Fenster auf, dann zieht’s schön durch!“ Dort oben zu arbeiten ist etwas ganz besonderes. Ein Gefühl von fast unendlicher Freiheit. Nur Fliegen kann das wohl noch toppen.

Andrea Guggenberger

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