1. tz
  2. München
  3. Stadt

Bettel-Mafia: Ihr Weg nach München

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Bettler ­­werden in Laderäume eingepfercht © Polizei

München - Sie kommen aus Rumänien, Bulgarien und der Slowakei. Ihr Ziel ist München, Frankfurt, Paris, Madrid. In den Metropolen Westeuropas verdienen sie als Bettler Geld. 40 bis 100 Euro pro Tag.

Die tz erklärt den abenteuerlichen Weg der Bettler.

Babys, Kleinkinder und Erwachsene eingepfercht in Transportern ohne Fenster: Dieses Bild bietet sich den Schleierfahndern auf den Autobahn-Parkplätzen oft, wenn sie die Gefährte aus dem Verkehr ziehen. Eine der Hauptrouten der organisierten Banden führt über den ehemaligen deutsch-österreichischen Grenzübergang Suben bei Passau. Dort spielen sich dramatische Szenen ab. Zwei Beispiele, die sprachlos machen:

- In einem Ford Transit befinden sich 23 Menschen. Der Laderaum hat keine Fenster, die Rumänen sind mittellos. Polizei und Ordnungsamt untersagen deshalb die Weiterreise. Die Bettler werden beim Roten Kreuz untergebracht. Die angeblich über Dolmetscher verständigten, weiteren Fahrzeuge kommen nie an. Nach zwei Tagen werden sie mit einem Bus an die rumämische Grenze zurückgebracht.

- Unglaublich auch der jüngste Fall: Ein zwölf Monate altes Baby mit geflochteten Zöpfen hat die Windeln übervoll. Als die Ordnungskräfte die Mutter auffordern, diese zu wechseln, stellt sich heraus: Es ist ein Junge! Kleine Mädchen eignen sich besser zum Betteln. Sie erzeugen mehr Mitleid.

Doch nach einer Kontrolle können viele ihre Reise fortsetzen. Weil die Banden-Chefs plötzlich doch ein paar hundert Euro aus der Tasche ziehen. „Das ist ein riesen Problem“, sagt Eduard Bosch, Pressesprecher am Passauer Landratsamt. „Es handelt sich um EU-Bürger, die kein Visum brauchen.“ Viele machen sich mit der Bahn auf die Weiterreise. Meist ist München das Ziel. Das bestätigen die Zahlen aus dem Bayerischen Innenministerium: Allein im ersten Halbjahr 2009 sind im Bereich des Polizeipräsidiums die Fälle organisierter Bettlerei auf 1100 gestiegen. „Eine deutliche Zunahme“, wie Innenmisteriums-Sprecher Rainer Hutka betont.

Viel Handhabe gibt es auch in München nicht, dagegen vorzugehen. Das erbettelte Geld wird als Sicherheitsleistung einbehalten, die Ost-Europäer bekommen einen Platzverweis ausgesprochen. „Doch grundsätzlich können sie nach gültigem EU-Recht so lange in Deutschland bleiben wie sie wollen – so lange sie niemanden belästigen“. Viele ziehen am nächsten Tag einfach ein paar Straßen weiter, wenn sie erwischt worden sind.

Stefan Dorner

Polizei: Wer spendet, hilft nur der Mafia

Sie sitzen auf dem Gehsteig an der Bayerstraße, manche haben Kleinkinder auf dem Schoß. Andere laufen mit Krücken die Sendlinger Straße entlang und strecken den Passanten einen Pappbecher entgegen. Andere wiederum gehen in der S- oder U-Bahn durch die Sitzreihen und betteln hier die Fahrgäste an. Etwa 30 Frauen, junge Mädchen und Männer sind derzeit in München auf Betteltour. „Tedenz steigend“, sagt Polizeisprecher Markus Dengler.

Ihre Reviere sind die Münchner Altstadt, Fußgängerzone und der Bereich rund um den Hauptbahnhof. Am Sonntagvormittag griff die Polizei sechs Frauen aus Rumänien (12 bis 32) auf, die aggressiv in den Eingängen der Michaelskirche in der Fußgängerzone bettelten. Die Frauen hielten Kirchgängern Bettelkarten entgegen, auf ­denen von Hochwasser und von kranken Eltern die Rede war. Als die Frauen von der Polizei angesprochen wurden, versuchten drei Bettlerinnen, in das Gotteshaus zu flüchten. Die Frauen müssen sich nun wegen Betruges verantworten – weil sie Notsituationen vortäuschten. Die Münchner Polizei rät dringend davon ab, ihnen Geld zu geben. „Dadurch unterstützt der Spender lediglich die krimminellen Machenschaften im Hintergrund. Der Bettler selbst wird nur einen winzigen Teil sehen, wenn überhaupt“, sagt Polizeisprecher Markus Dengler.

jam.

Auch interessant

Kommentare