Ärger um Prepaid-Karten

Helferin in der Handy-Falle: tz-Bürgeranwalt klärt auf

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Schulweghelferin Heidi Mayr hatte ein Handypro­blem, das Bürger­anwalt Dietmar Gaiser lösen konnte.

Heidi Mayr braucht für ihre ehrenamtliche Arbeit ein Handy. Deswegen kaufte sie sich ein neues - doch die Firma schickte ihr keine Prepaid-Karte zu. Der Bürgeranwalt half.

Frage: „Als ehrenamtliche Schulweghelferin habe ich ein Handy dabei, um im Notfall Hilfe holen zu können. Bisher hatte ich ein billiges Prepaid-Handy, das mir völlig reichte. Leider habe ich es verloren. Deswegen ging ich mit einem Bekannten in einen Telefonladen, um ein neues zu kaufen. Dort schwatzte man uns ein Handy für mehr als 300 Euro auf. Wir kauften es trotzdem und wollten bezahlen, doch an der Kasse sagte man uns, die Prepaid-Karten seien nicht vorrätig, man würde sie uns schicken. Man bot mir an, einen Vertrag mit monatlicher Zahlung abzuschließen. Natürlich tat ich es nicht, denn das wäre viel teurer geworden. Die Karte habe ich immer noch nicht. Jetzt stehe ich jeden Tag an meiner Schule, passe auf, dass die Schüler gut über die Straße kommen, und hoffe, dass nichts passiert. Telefonieren kann ich nicht und die Firma nimmt das Handy auch nicht zurück.“ Heidi Mayr (68), Schulweghelferin aus München

Antwort: Als wir uns mit der Telefonfirma in Verbindung setzten, zeigte diese sich kulant und nahm das Handy zurück. Sie bot Heidi Mayr auch an, ihr umgehend eine Prepaid-Karte zuzuschicken, aber die Schulweghelferin hatte die Lust an dem Telefon verloren und wollte sich ein neues kaufen. „Ich nehme dann ein ganz billiges und kann trotzdem im Notfall meinen Schülern helfen“, sagte sie uns erleichtert. 

Ärger mit Handykäufen und -verträgen ist für das Team des Bürgeranwaltes keine Seltenheit. Deswegen baten wir die Juristin der Verbraucherzentrale Bayern, Daniela Czekalla, uns einige Grundregeln für den Handykauf zusammenzustellen. Sie empfiehlt vor allem, sich vorab zu informieren und mit klaren Vorstellungen in einen Handyladen zu gehen. Ein großer Vorteil ist es auch, wenn man einen Zeugen mitnimmt, das kann ein Bekannter oder Freund sein. „Wenn man meint, das richtige Handy und den richtigen Vertrag gefunden zu haben, nicht gleich unterschreiben, sondern eine Nacht darüber schlafen. Nach unserer Erfahrung sind die vermeintlichen Schnäppchen regelmäßig auch am nächsten Tag noch da“, weiß die Fachfrau aus ihrer Erfahrung. Vorsicht beim Kauf ist auch deswegen geboten, weil Verträge, die im Laden abgeschlossen werden, nicht ohne Weiteres widerrufen werden können. Die Juristin schränkt aber ein: „Nach unserer Auffassung kann auch beim Handykauf im Laden ein Widerrufsrecht bestehen. Allerdings muss es sich um ein Handy handeln, das mit Vertrag verkauft wird und dann mindestens 200 Euro billiger ist als ohne Vertrag.“ Aber diese Fälle sind sehr kompliziert und es gebe auch noch keine höchstrichterliche Entscheidung, warnt die Juristin. Für unsere Leserin ist der Handyärger Gott sei dank zu Ende. Dank des Entgegenkommens der Firma nach Intervention des Bürgeranwaltes.

tz-Forum zum Thema Renten-Schock

Auf dem Podium des Bürgeranwalts-Forums am 8. März wird auch Ulrike Mascher sitzen (Info s. rechts). Sie hält einen Vortrag und wird Fragen aus dem Publikum beantworten. Ulrike Mascher hat in der deutschen Rentendebatte ein gewichtiges Wort mitzureden: Sie ist die Präsidentin des VdK, des größten Sozialverbandes Deutschlands, und sie ist Vorsitzende des Landesverbandes Bayern. Ulrike Mascher prangert vor allem an, dass immer mehr alte Menschen von ihrer Rente nicht mehr leben können: „Die Altersarmut greift weiter um sich, die Zahl der Bezieher von Grundsicherung steigt und wird weiter steigen.“ Handlungsbedarf bestehe vor allem bei Geringverdienern, Menschen mit Erwerbsminderungsrente und Langzeitarbeitslosen: „Diese Personengruppen sind massiv von Altersarmut bedroht“, so die VdK-Präsidentin. Außerdem wird ein Teil der Mütter bei der Rente benachteiligt, sagt Ulrike Mascher. Sie fordert deswegen „gleiches Recht für alle Mütter“. Bisher wird jeder Mutter, die vor 1992 Kinder bekommen hat, ein Jahr für die Rente angerechnet. Aber Frauen, die ihre Kinder nach 1992 bekamen, werden drei Jahre angerechnet. Mascher: „Das ist sozial ungerecht und eine Abwertung der Mütter, die früher ihre Kinder großgezogen haben.“ Auch die Rente mit 67 kritisiert Ulrike Mascher scharf. „Wir sind gegen eine Anhebung der Regelaltersgrenze“, so Mascher, denn die Rente mit 67 sei realitätsfern. „Tatsache ist, dass nur jeder zehnte Arbeitnehmer überhaupt bis zum 65. Lebensjahr durchhält“, begründet die VdK-Präsidentin ihre Kritik. Wer spezielle Fragen zu diesen oder anderen Rententhemen hat, kann sich bei unserem Bürger­anwalts-Forum am 8. März an einem Info-Stand des VdK auch an dessen Rentenberater wenden.

So sind Sie dabei: Das Forum zum Thema Renten-Schock – was nun? findet statt am Mittwoch, 8. März, ab 19 Uhr in der Alten Rotation des Münchner Pressehauses, Paul-Heyse-Straße 2–4. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen an: tz, Redaktion Jetzt schreib i, Paul-Heyse-Str. 2–4, 80336 München, Stichwort: Das Forum. Per E-Mail an: buergeranwalt@tz.de oder per Telefon unter der Nummer 089/5306522.

Der Bürgeranwalt half zuletzt auch bei anderen spannenden Fällen. So zum Beispiel bei der Liebesfalle Datingportal, bei Testament-Problemen und er rettete eine Tour zum Mount-Everest-Basiscamp.

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