Rechnung nur per E-Mail: Telekom wollte 3700 Euro von einer Kundin einkassieren

tz-Bürgeranwalt: Internet-Gebühr ohne Computer

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Manche Rechnungen werden nur online verschickt. Da heißt es: den Posteingang regelmäßig checken !

München - Jetzt schreib I“: Bürgeranwalt Dietmar Gaiser kämpft für tz-Leser. Heute geht es um falsche Online-Gebühren und die fehlerhafte Berechnung der Krankenkassenbeiträge.

Ich wende mich mit einem kuriosen Problem an Sie. Meine Mutter (81) hat 3700 Euro Internetkosten, obwohl sie gar keinen Computer hat. Sie wollte eine Telefon- und Internet-Flatrate, weil ihr Enkel bei ihr manchmal mit seinem Laptop surft. Als eines Tages jemand vor der Tür stand und das anbot, unterschrieb sie einen Vertrag. Was man ihr verkaufte, war aber keine Flatrate, sondern ein Internetanschluss, der minutengenau abgerechnet wird. Die Rechnungen wurden online geschickt. Da meine Mutter nie im Internet ist, bekam sie nicht mit, welche Summen aufliefen. Erst durch die horrenden Abbuchungen merkten wir, dass etwas nicht stimmt. Ich habe mich selbst schon beschwert, konnte aber nie etwas erreichen. Inzwischen sind mehr als 3700 Euro an Kosten aufgelaufen. Weil die Rechnungen nicht bezahlt sind, ist der Telefonanschluss inzwischen gesperrt. Meine Mutter kann also im ­Notfall keine Hilfe holen. Bitte helfen Sie einer alten Frau, die eine kleine Rente hat und verzweifelt ist.

Franz Geroldinger (55), Systemelektroniker aus Bad Abbach

Als die Pressestelle der Telekom durch den Bürgeranwalt von der verfahrenen Situation erfuhr, reagierte sie schnell. „Offensichtlich wurde für die Kundin der falsche Tarif gebucht, der keine Daten-Flatrate beinhaltet. Dadurch wurde der Minutenpreis für die Internetnutzung monatlich in Rechnung gestellt“, teilte uns Cordelia Hiller von der Pressestelle mit.

Sie versicherte weiter: „In Zukunft kann das nicht mehr passieren, denn inzwischen hat die Kundin eine Flatrate. Nichtsdestotrotz haben wir uns natürlich bei der Kundin entschuldigt und ihr das Geld für die Internetnutzung erstattet.“

Auf Intervention der tz bekommt die alte Dame nun 3658 Euro zurück – nur die entstandenen Telefonkosten muss sie bezahlen. Als wir Franz Geroldinger diese Nachricht überbrachten, war er sehr erleichtert.

Trotzdem bleibt bei ihm ein unguter Nachgeschmack: „Unerfreulich ist die Tatsache, dass das nicht schon lange passiert ist. Ich habe mich selbst schon oft beschwert. Wenn die vielen Anrufe, Mails und Briefe, mit denen ich auf den Zustand aufmerksam gemacht habe, ernst genommen worden wären, hätte nicht so viel Geld auflaufen können. Vom Ärger für uns und von der Angst der Oma will ich gar nicht reden.“

Trotzdem ist die Familie Geroldinger froh, dass die Sache vom Tisch ist und das Telefon der Oma wieder funktioniert. „Endlich kann sie wieder anrufen, wenn es Probleme gibt“, atmet Franz Geroldinger auf.

Krankenkasse fordert 5100 €

Ich habe vor etwa drei Wochen von der AOK eine Rechnung über rund 5100 Euro bekommen. Natürlich erschrak ich und rief bei der Versicherung an. Die Telefonauskunft war, man habe erst jetzt entdeckt, dass so viele Beiträge aufgelaufen seien. Wenn ich nicht bezahle, werde Strafanzeige gestellt. Ich habe gegen die Rechnung Widerspruch eingelegt, bekam aber bisher keine Antwort. Bitte helfen Sie mir, ich weiß keinen Ausweg!

Alexander M. (24) aus München

Der Bürgeranwalt setzte sich mit dem Vorstand der AOK in München in Verbindung. Dort kümmerte sich Walter Kett um den Fall und erklärte uns, wie so eine große Summe auflaufen konnte: „Wir haben Herrn M. mehrfach aufgefordert, uns sein Einkommen mitzuteilen. Als er nicht reagierte, setzten wir den Höchstbeitrag, wie bei einem sehr guten Einkommen, fest. Aber auch auf unsere Mahnungen reagierte Herr M. nicht. Es kamen also Mahngebühren und Säumniszuschläge dazu. Inzwischen ist die Summe tatsächlich auf rund 5100 Euro angewachsen. Nachdem wir uns aber auf Vermittlung des Bürgeranwaltes mit unserem Mitglied kurzgeschlossen haben, werden wir auf die Mahngebühren und die Säumniszuschläge verzichten. Herr M. teilte uns jetzt auch sein Einkommen mit und wir konnten rückwirkend die richtige Beitragsstufe festlegen. Was aber trotzdem zu bezahlen bleibt sind 2319 Euro. Auf die können wir nicht verzichten.“

Als Alexander M. von diesem Ergebnis hörte, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Er will jetzt versuchen, das Geld aufzutreiben. Wenn es nicht gelingt, muss er nochmals mit der AOK verhandeln, ob sie mit einer Ratenzahlung einverstanden ist.

Wenn auch Sie Probleme ­haben: Das tz-Team von "Jetzt schreib i" erreichen Sie per Brief unter

tz Redaktion, „Jetzt schreib i“, 81027 München

Telefon: 089/53 06-522

Fax: 089/53 06-127

E-Mail: jetztschreibi@tz.de

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