Wichtige Tipps

tz-Bürgeranwalt: Keine Fehler beim Vererben!

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Unser Podium: Matthias Zachmann (links), Schwester Bernadette Brommer und Dr. Thomas Fritz.

München - Am Dienstag hat der tz-Bürgeranwalt zum Thema "Richtig vererben" geladen. Unsere Experten gaben die wichtigsten Tipps, um Fehler zu vermeiden. Wir fassen zusammen:

Unsere Experten gaben wichtige Tipps, um die schlimmsten Fehler in Sachen Erbschaft zu vermeiden. Wir fassen zusammen:

Dr. Thomas Fritz, Fachanwalt für Erbrecht, hatte drei Dinge auf dem Herzen: „Machen Sie ein Testament, um Streit nach Ihrem Tod zu vermeiden“, riet er. Elementar sei, das Testament handschriftlich zu verfassen und zu unterschreiben. „Werden die Formvorschriften verletzt, ist es unwirksam!“ Drittens warnte er davor, voreilig größere Werte zu verschenken, um Steuern zu sparen: „Sie wissen nicht, ob sie das Geld nicht später selbst brauchen.“

Matthias Zachmann, Fachanwalt für Steuerrecht und Familienrecht, warnte davor, verworrene Konstruktionen zusammenzubasteln, um Erbschaftsteuern zu sparen. „Manche machen alles zu Betriebsvermögen, vergessen dabei, dass die Kinder Einkommensteuer zahlen müssen, wenn sie aus dem Betriebsvermögen wieder Privatvermögen machen wollen.“ Zudem wies er darauf hin, dass in Europa in jedem Land ein anderes Erbschaftsteuerrecht gilt. Es gibt große Unterschiede: In Österreich gibt es keine Erbschaftsteuer, in Spanien kann sie bis zu 81,6 Prozent betragen. Je nachdem, in welchem Land der Erblasser zuletzt lebt, gilt das dortige Recht. Außer, es wird im Testament festgelegt, dass deutsches Erbrecht gelten soll.

Bernadette Brommer, Schwester vom katholischen Orden des Guten Hirten, warnte vor Erbschleichern: „Halten Sie Kontakt zu Ihren Verwandten und werden Sie misstrauisch, wenn sich diese verändern und isolieren.“

Die wichtigsten Fragen

Wie vermeide ich Streit nach meinem Tod? Indem ich mir ein Testament erstelle, das meinen Willen wiedergibt und umsetzbar ist. Jedem ist etwas anderes wichtig, dies zeigten die Fragen unserer Leser beim Forum. Wir haben einige Fragen für Sie aufgezeichnet:

In Ehe Vermögen gleich verteilen?

Wie verhält es sich, wenn einem Ehegatten mehr gehört als dem anderen? Das kann ja steuerrechtliche Konsequenzen haben, wenn einer stirbt. Wir haben Kinder, deren wir Vermögen weitergeben wollen.

Josef Schuster

„Es kann ratsam sein, das Vermögen gleichmäßig auf die Ehegatten zu verteilen“, sagt Steuerrechtler Matthias Zachmann. Bei einer Zugewinngemeinschaft ist dies einfach, denn einen Zugewinnausgleich können auch Paare machen, die sich nicht scheiden lassen. Er ist erbschaft- und schenkungsteuerfrei. Ist das Vermögen gleichmäßig verteilt, kann dann jeder Elternteil in Höhe von 400 000 Euro steuerfrei an die Kinder verschenken. Leben die Ehegatten in Gütertrennung, ist diese einfache Verteilung des Vermögens nicht möglich.

Meine Schwester soll erben

Ich habe eine Eigentumswohnung in München und eine Schwester im Bayerischen Wald, die diese bekommen soll. Ich habe aber Angst, dass sie so viel Erbschaftsteuer zahlen muss, dass sie die Wohnung verkaufen muss.

Rudolf Brunner

In München sind diese Probleme häufig, eine Wohnung in einer schönen Gegend kann hier sehr viel wert sein, sagt Steuerrechtler Matthias Zachmann. Die Schwester hat nur einen geringen Freibetrag bei der Erbschaftsteuer, nämlich 20 000 Euro. Die Höhe der Erbschaftsteuer kann bei 25 Prozent liegen. Deshalb rät Zachmann, die Wohnung schrittweise zu übertragen, indem alle zehn Jahre im Wert von 20 000 Euro verschenkt wird. Der Schenker kann sich zudem Nießbrauch vorbehalten und so den Wert der Schenkung reduzieren. Denn eine Wohnung mit Nießbrauchsvorbehalt ist steuerlich weniger wert.

Wie hoch ist der Kinderfreibetrag?

Wir möchten eine Immobilie an die Kinder weitergeben. In München sind aber die Preise so hoch, dass wir Angst haben, dass eine sehr hohe Erbschaftssteuer anfällt.

Inge Fröhler

Der Freibetrag für Kinder beträgt bei Erbschaft und Schenkung 400 000 Euro, erklärt Anwalt Matthias Zachmann aus Olching. „Alle zehn Jahre kann in dieser Höhe steuerfrei verschenkt werden.“ Es ist also auch möglich, immer nur in der Höhe des Freibetrags von 400 000 Euro zu übertragen und so schrittweise das Eigentum schon zu Lebzeiten weiterzugeben. Besonders begünstigt ist ein Familienwohnheim, soweit eine Wohnfläche von 200 Quadrat­metern nicht überschritten wird. Das erben Kinder steuerfrei, wenn sie es mindestens zehn Jahre selbst bewohnen. Egal, wie viel es wert ist.

Ist unser Testament gültig?

Sieglinde Kopplinger

Muss mein Ehegatte bei unserem gemeinschaftlichen Testament auch noch hinschreiben, dass dieses Testament seinem Willen entspricht? Oder reicht seine Unterschrift unter dem Text aus? Wir haben unser Testament beim Amtsgericht in Verwahrung gegeben, sollen wir es jetzt dort abholen und ergänzen oder können wir uns den Weg sparen?

Beim gemeinschaftlichen Testament ist für die Gültigkeit ein Satz notwendig, in dem der unterzeichnende Ehegatte schreibt, dass er den Inhalt des Testaments so auch will, erklärt Anwalt Dr. Thomas Fritz: „Die Gerichte sind zwar wohlwollend, aber wenn jemand gegen das Testament klagt, könnte es unwirksam sein. Dieses Risiko sollten Sie vermeiden.“ Er rät, bei Testamenten streng die gesetzlich vorgegebene Form einzuhalten. Sonst können Testamente ungültig sein.

Wie den Wert einer Immobilie feststellen?

Wenn eine Immobilie verschenkt wird, fällt ja Schenkungsteuer an. Wie aber kann man feststellen, wie hoch diese Schenkungsteuer ist? Dazu müsste man ja den Wert einer Immobilie feststellen, aber wer kann das? Es geht um eine Wohnung, die zwischen mir und meiner Schwester übertragen werden soll.

Carmen Liegl

Beim Gutachterausschuss der Gemeinde oder bei einem Makler erfährt man den Wert einer Immobilie, sagt Rechtsanwalt Dr. Thomas Fritz. In der Schenkungsurkunde kann dann dieser Betrag als Wert der Immobilie angegeben werden. Sieht das Finanzamt den angegebenen Wert als zu niedrig an, dann kann es allerdings sein, dass die Immobilie als unterverbrieft gilt, ergänzt sein Kollege Matthias Zachmann: „In dem Fall könnte sogar Schenkungsteuer nachverlangt werden.“

Susanne Sasse

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