Falschen Tarif angeboten / Freischaltung verzögert

tz-Bürgeranwalt: Telekom halbiert Rechnung

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Gerlinde Schiffner zeigt tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser die Rechnungen der Telekom. Nach einer Tarifumstellung hat die 76-Jährige statt günstiger ganz schön teuer telefoniert

In einer neuen Serie kümmert sich die tz zusammen mit dem Journalisten Dietmar Gaiser um die Sorgen der Leser.

Ich bin ganz verzweifelt und weiß nicht mehr weiter. Ich habe telefonisch bei der Telekom zwei Flatrates in Auftrag gegeben. Mit der einen wollte ich in Deutschland telefonieren, mit der anderen kann ich unter anderem nach Italien telefonieren. Das ist für mich wichtig, weil ich früher in Italien gelebt habe und dort noch viele Freunde von mir sind. Mir wurde gesagt, dass mit den Flatrates für diese Telefonate keine weiteren Gebühren anfallen. Dann kam aber das dicke Ende. Und zwar Rechnungen über mehr als 100 Euro, weswegen sich im Laufe der Zeit ein Betrag von mehreren hundert Euro angesammelt hat. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe mich zwar beschwert, bei der Telekom aber nichts erreicht.Gerlinde Schiffner (76) aus München

Ärger mit Telefonanbietern ist leider häufig. Wir schalteten die Pressestelle der Telekom in Bonn ein, die der Sache sofort nachging. Um das gute Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: Die Telekom erließ Frau Schiffner insgesamt rund 200 Euro – das entspricht in etwa der Hälfte der Rechnung!

Udo Harbers von der Pressestelle stellte fest, dass der telefonische Auftrag für die Flatrate von Frau Schiffner zwar am 29. Mai eingegangen war, die Flatrate aber erst am 19. Juni freigeschaltet wurde. „Ein solcher Zeitraum ist normal“, betont Telekom-Sprecher Udo Habers. Und genau in diesen drei Wochen der Tarifumstellung entstand die erste große Rechnung, weil Gerlinde Schiffner glaubte, die Flatrate funktioniere sofort – ein Missverständnis.

Desweiteren stellte die Pressestelle fest, dass Gerlinde Schiffner nicht der optimale Tarif für ihre Bedürfnisse verkauft worden war. Die Telekom rechnete also aus, was die alte Dame bezahlt hätte, wenn sie den für sie richtigen Tarif gehabt hätte. Daraufhin reduzierte das Unternehmen die Summe, die wegen der drei Wochen Verzögerung bei der Freischaltung entstanden ist. Außerdem verzichtet es auf den Betrag, der durch den falschen Tarif entstanden war.

Aber: Gerlinde Schiffner hat auch gebührenpflichtige Service- und Handynummern angerufen. Auf die Gebühr dafür kann und will die Telekom nicht verzichten – schließlich muss sie diese Beträge ja selbst weitergeben.

Der Restbetrag wurde noch mal abgerundet – Frau Schiffner darf ihn in zwei Raten bezahlen.

Stufen als Barriere: Eine Hubbühne hilft

Ich lebe seit 39 Jahren mit meinem Mann in einer Wohnung am Karl-Marx-Ring. Leider sitze ich im Rollstuhl. Nun muss ich, wenn ich in meine Wohnung will oder sie verlasse, eine Treppe mit sechs Stufen überwinden, um ins Freie zu kommen. Früher hat mir mein Mann dabei geholfen, aber inzwischen ist er schwer krank. Was ich bräuchte, wäre eine Hubbühne, auf der ich mit meinem Elektro-Rolli die Treppe ohne fremde Hilfe überwinden kann.Katharina Eichner (64) aus München

Die tz hat mit der Beratungsstelle Wohnen, Verein Stadtteilarbeit, gesprochen. Eine Architektin und eine Sozialpädagogin aus dem Team der Wohnungsanpassung haben sich die Situation vor Ort angeschaut. Beide setzen sich jetzt für den Einbau einer Hubbühne und dessen Finanzierung ein.

Bei dem tz-Gespräch mit der Heimag München GmbH zeigte sich auch die Hausverwaltung sehr kooperativ. Sie will sich jetzt nach anfänglichem Zögern auch für das Projekt einsetzen.

Frau Eichner kann also aufatmen. In absehbarer Zeit wird sie mit dem Rollstuhl ohne fremde Hilfe wieder ins Freie können.

Weitere Fälle in Kürze:

Zuverdienst zur Rente

Da meine Rente zum Leben nicht reicht, muss ich einen Antrag auf Leistung zur Grundsicherung stellen. Wie viel darf ich dann anrechnungsfrei dazuverdienen?M. Bernas aus München

Rentner, die eine Grundsicherung erhalten, dürfen anrechnungsfrei 25 Euro im Monat verdienen. „Ist der Verdienst höher als 25 Euro monatlich, dürfen 30 Prozent des Gehalts anrechnungsfrei behalten werden – nach Abzug von Werbungskosten wie beispielsweise Fahrkarten“, erklärt Fabian Riedl, Sprecher des Sozialreferats. Das Maximum liegt dabei allerdings bei 187,50 Euro monatlich. Mehr Informationen zu Fragen dieser Art erhalten Sie beim Sozialreferat der Stadt München (Orleansplatz 11, Telefon 089/23 32 57 57) oder bei Ihrem zuständigen Sozialbürgerhaus.

Verpackung öffnen

Ich wollte letztens in einem Kaufhaus eine Lampe kaufen. Weil sie nirgends ausgepackt war, habe ich den Karton aufgerissen, damit ich sie genauer ansehen kann. Der Verkäufer sagte mir aber, wenn ich die Verpackung aufreiße, müsse ich die Ware auch kaufen. Hat er recht?Heinz L. aus Unterföhring

Nein, hat er nicht. Natürlich ist es für die Ladeninhaber ärgerlich, wenn die Kunden einfach die Verpackungen aufreißen und die Ware dann nicht kaufen wollen. Trotzdem kann kein Kunde dazu verpflichtet werden, etwas zu kaufen, was er nicht möchte. Allerdings muss der Kunde für den Schaden aufkommen, wenn er etwas beschädigt – in dem Fall zum Beispiel den Klebstreifen am Karton. Da dieser Schaden aber in der Regel sehr gering ist, verzichten die meisten Läden darauf.

Dampf in der Heizung

Bei meinen Messgeräten an den drei Heizkörpern verdampft die Flüssigkeit, ohne dass die Heizung eingeschaltet ist. Ist das normal?Max Schönberger aus Bad Wörishofen

Auch wenn die Ventile an allen Heizkörpern einer Wohnung auf Null gestellt sind, können Heizkosten anfallen, die der Vermieter mit den Betriebskosten in Rechnung stellen darf. Denn allein durch die Wärmeleitung erfolgt über die Rohre der Anschlussleitungen eine geringe Energieentnahme. „Für den gefahrlosen Gebrauch der Wohnung ist ein geringer Wasserdurchfluss notwendig, um das Einfrieren der Anlage oder ein völliges Auskühlen der Räume zu vermeiden“, sagt Rechtsanwalt Hans-Jürgen Leopold von der Deutschen Anwaltshotline (Telefonische Rechtsberatung unter 0900/18 75 00 00 für 1,99 Euro pro Minute).

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Liebe tz-Leserinnen und -Leser

Telefon-Ärger kennen wir alle – egal, bei welchem Anbieter man Kunde ist. Das geht bei den Spracherkennungsmaschinen los, mit denen man manchmal kabarettreife Dialoge führt, geht weiter mit den Gebühren für Servicenummern und endet bei der Verkaufspolitik der Anbieter. Man hat manchmal den Eindruck, die Mitarbeiter vieler Telefonläden seien nur darauf getrimmt, Verträge abzuschließen.

Noch ärgerlicher ist es, wenn Neukunden große Rabatte bekommen und man selbst als jahrelanger Stammkunde in die Röhre schaut. Natürlich kann man juristisch dagegen nichts unternehmen. Mancher überlegt sich dann schon, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Ich weiß nicht, warum man in den Führungsetagen der Telefongesellschaften manchmal nicht so weit zu denken scheint.

Meiner Meinung nach sollte nicht nur das schnelle Geld, sondern auch die Kundenbindung und -zufriedenheit zählen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Dietmar Gaiser

PS.: In unserem Fall hat die Telekom sehr schnell gehandelt und wir waren nicht „falsch verbunden“.

Haben Sie auch Probleme? Schreiben Sie uns!

tz Redaktion, „Jetzt schreib i“, 81027 München

Telefon: 089 / 53 06-522

Fax: 089 / 53 06-127

E-Mail: jetztschreibi@tz.de

Quelle: tz

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