Bußgeld-Orgie in der Baustelle

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Das Ärgernis: Blitzer in der 30-Zone am McGraw-Graben.

Eine Stadtrats-Anfrage der FDP bringt es jetzt ans Tageslicht: Insgesamt wurden voriges Jahr genau 85 233 Autofahrer im McGraw-Graben geblitzt.

Dort galt wegen Bauarbeiten ein halbes Jahr lang Tempo 30. FDP-Fraktions-Chef Michael Mattar ist überzeugt: Tempo 40 hätte ausgereicht. Zehntausende Autofahrer hätten dann gar kein Knöllchen bekommen.


Am 23. Juni des vergangenen Jahres hatte die Blitz-Orgie im Münchner Süden begonnen. Weil die Stadt die porös gewordenen, über 30 Jahre alten Seitenwände sanieren ließ, mussten die vier Fahrspuren eingeengt werden, damit die Bauarbeiter links und rechts der Fahrbahn Platz haben. Das Kreiverwaltungsreferat verhängte Tempo 30 und stellte in beide Fahrtrichtungen je einen Blitzer auf. Und Zehntausende rauschten in diese Radarfallen. Eine Antwort des Kreisverwatungsreferates auf eine FDP-Anfrage zeigt die Zahlen:

Bis zum Abbau der Blitzer Mitte Dezember bretterten genau  85 233 Autofahrer in die Blitzfalle. Das entspricht 4,89 Prozent der Autofahrer, die dort unterwegs waren. 55 781 Autofahrer waren zwischen zehn und 20 Stundenkilometer zu schnell. Das heißt, sie kamen mit einer Verwarnung davon, die mit einem Bußgeld zwischen 15 und 35 Euro belegt wird. 22 585 Autofahrer hingegen waren zwischen 21 und 25 km/h zu schnell, bekamen dafür einen bis drei Punkte und mussten 80 bis 100 Euro Bußgeld bezahlen.

Radarfalle wird 50 - die verrücktesten Blitzer-Bilder

Schlechte Aussicht: Wäre der Teppich geschickter aufgeladen worden, hätte der Fahrer die Blitz-Gefahr wohl erkannt. © mm
Rückenansicht: Ein Trio bekundet wortlos seine Meinung über Geschwindigkeitskontrollen. © mm
Raser auf Schienen. © mm
Schneller als die Polizei erlaubt: Zwei Fahrradfahrer beim rasen. © mm
Prozession der Biker: Das "Führungsfahzeug" kam wol um ein Bußgeld nicht herum. © mm
Auch Fluggeräte im Visier: Ein Rettungshubschrauber ist womöglich zu schnell gelandet. © mm
Erhobener Mittelfinger: Die Insassen zeigen kaum verholen ihren Ärger. © mm
Mit Absicht: Kaum zufällig dürfte dieses Bild entstanden sein. Der Fahrer kam wohl ungeschoren davon. Motorräder haben halt vorne kein Nummernschild. © mm
Hundemann oder Alien? © mm
Zu schnell zum Einsatz: Ein Feuerwehrfahrzeug in Bad Mergentheim an der Blitzampel Schlossgartenstraße. © mm
Der Polizei entgeht nichts: Auch zu schnelle Vögel werden kontrolliert. © mm

Genau 6930 Autofahrer waren sogar mehr als 31 Stundenkilometer zu schnell und müssen jetzt mindestens einen Monat lang ihren Führerschein abgeben. Außerdem bezahlen sie zwischen 160 und 680 Euro Bußgeld.

Der Vorsitzende des Vereins Mobil in München Michael Haberland schätzt die Einnahmen der Stadt aus der Blitzerfalle auf fünf bis zehn Millionen Euro. „Damit hat sich die Baustelle, die 6,7 Millionen Euro gekostet hat, sozusagen selbst finanziert. Das kann aber nicht Sinn der Verkehrskontrolle sein.“

Für Michael Mattar ist der eigentliche Zweck der Blitzanlagen klar: „Das war eine Gelddruckmaschine der Stadtverwaltung. Das ist Raubrittertum auf dem Rücken der Autofahrer.“ Mattar: „Tempo 30 war total überzogen. Tempo 40 hätte hier genügt, es waren ja noch immer vier Fahrspuren da.“ Auch viele Fahrverbote wären bei Tempo 40 vermieden worden.

Der Verein Mobil in München hat gegen das 30er Tempo-Limit geklagt. Vereinschef Haberland: „Ich gehe davon aus, dass die Gerichtsverhandlung in den nächsten beiden Monaten stattfindet. Ich bin überzeugt, dass wir gewinnen.“
Johannes Welte

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