tz-Detektiv-Serie

Die Jagd auf den dreisten Betrüger-Boss

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München - Ein Münchner Wirtschaftsermittler packt im Rahmen der neuen tz-Detektiv-Serie aus: Spannende Fälle aus 18 Jahren verdeckter Ermittlungen. Im 1. Teil geht es um die Jagd auf einen dreisten Betrüger-Boss.

Nein, kein Sherlock Holmes, kein Matula. Die Detektiv-Fälle, über die wir in dieser neuen tz-Serie berichten, sind nicht erfunden. Alle sind tatsächlich so passiert. Wir begleiten den Münchner Wirtschaftsermittler Tamer Bakiner (42). Er operiert mit seiner Detektei vorwiegend in Deutschland, kann aber im Bedarfsfall auf ein weltweites Netzwerk an Partnern zurückgreifen. Hier erzählen wir die spannendsten Fälle aus 18 Jahren Detektiv-Arbeit. Lesen Sie selbst:

Am Ende ist ihm das viele Geld zum Verhängnis geworden. Jener Mann, der seinen Arbeitgeber um eine Riesensumme betrogen hat: Er war in Sachen Schmiergeld einer der dreistesten Fälle, in denen Tamer Bakiners Detektei bisher ermittelt hat. Auf die Schliche gekommen sind ihm die Ermittler, weil er sich mit seinem neuen Reichtum ein auffälliges Luxusleben gönnte.

Warum konnte sich Herr Fischer plötzlich einen Porsche leisten?

Jener Mann, nennen wir ihn Herrn Fischer, arbeitete für eine Immobiliengesellschaft aus Österreich. Dieses Unternehmen baut unter anderem Einkaufszentren – und Herr Fischer entschied als leitender Angestellter mit über die Vergabe von Aufträgen an Baufirmen. Lang war alles gut, der freundliche und fleißige Mann fiel niemandem besonders auf. Aber irgendwann wunderten sich die Chefs: Ist der Fischer nicht früher einen Mittelklasse-Wagen gefahren? Jetzt hat er einen Porsche … Hat er nicht im Kaufhaus eingekauft? Jetzt sieht man ihn in Edel-Boutiquen … Das war der Moment, in dem die Geschäftsführung auf Bakiner zukam. Der Ermittler sagt: „Wir sollten herausfinden, wie sich Herr Fischer diesen Lebensstil leisten konnte. Ganz konkret: Nimmt er Schmiergeld? Kann man ihm noch trauen?“

Bakiner und seine Leute bauten die Ermittlungen in zwei Schritten auf. Zuerst recherchierten sie im privaten Umfeld der Zielperson, ob Herr Fischer vielleicht eine Erbschaft gemacht oder bei einem Gewinnspiel Glück gehabt hatte – das wäre ja möglich gewesen. Solche Ermittlungen sind heikel. Wer bei Nachbarn oder Freunden neugierige Fragen stellt, kann schnell auffliegen. In diesem Fall gab einer der Ermittler vor, er habe ein Haus in der Nähe gekauft. Er sprach einen Nachbarn an: Man redete über Gartenarbeit. „Zufällig“ kam die Rede dann auch auf Herrn Fischers schönen Garten. Bakiners Mitarbeiter ließ dabei auch fallen, er habe gehört, jemand aus der Gegend habe bei einem Gewinnspiel abgeräumt – das könne doch Herr Fischer gewesen sein. Der Nachbar verneinte. Auf diese und ähnliche Weise fragten sich die Detektive durch.

Hier geht's zur Homepage der Detektei Bakiner

"Es gilt immer: nicht auffallen, auch nicht im Sterne-Restaurant"

Nach den gründlichen Nachforschungen war klar: Herr Fischer war nicht durch einen plötzlichen Geldsegen à la Gewinnspiel so wohlhabend geworden. Es musste eine andere Ursache geben … Die zweite Ermittlungsphase begann. Über einen Zeitraum von drei Monaten observierten Bakiners Leute Herrn Fischer genau. Und sie wurden schnell stutzig … Bakiner: „Immer wieder sahen meine Leute, wie sich Herr Fischer außerhalb der Arbeitszeiten mit dem Chef eines Bauträger-Unternehmens traf. Ausgerechnet jenes Unternehmens, das für Herrn Fischers Firma gerade einen 80-Millionen-Euro-Auftrag ausführte … Die beiden Herren trafen sich immer mal wieder zu Hause, in der VIP-Loge bei Fußballspielen oder beim Golf. Das wirkte alles sehr vertraut.“

Als die Ermittler mitbekamen, dass sich die beiden in einem Nobel-Restaurant treffen wollten, witterten sie ihre Chance. Zwei von Bakiners Leuten reservierten ebenfalls einen Tisch in dem Lokal – und zwar direkt neben der Zielperson. Bakiner sagt: „Ein Detektiv muss viel Vorarbeit leisten. In diesem Fall hieß das zum Beispiel: rausfinden, an welchem Tisch die Herren essen und dann einen Platz direkt daneben bekommen. Für erfolgreiche Detektiv-Arbeit ist es außerdem wichtig, dass die Ermittler vielseitig und weltgewandt sind, dass sie sich ungezwungen in jeder Gesellschaftsschicht bewegen können. Es gilt immer: nicht auffallen, auch nicht im Sterne-Restaurant.“ Was die Detektive am Rande jenes Menüs zu hören bekamen, war der Durchbruch für die Ermittlungen. Da sagte Herr Fischer doch tatsächlich zu dem Bauunternehmer, er habe eine Idee, wie er zu Lasten seines Arbeitgebers noch mehr abrechnen könne. Jetzt war alles klar: Herr Fischer hatte dafür gesorgt, dass sein Spezl den Riesen-Auftrag bekommen hatte. Außerdem ließ er es zu, dass eben dieser Spezl zu hohe Rechnungen stellte. Und ein Teil dieses Überschusses wanderte direkt auf Fischers Konto weiter.

Als Fischer ein Ferienhaus kaufte, war er überführt

Für Bakiner ging es jetzt darum, konkretes belastendes Material zu sammeln. Herr Fischer hat es ihm da nicht allzu schwer gemacht. Es sind eine ganze Reihe von Fotos entstanden, die ihn bei ausufernden Einkaufstouren, in Luxus-Autos und bei edelsten Menüs zeigen. Der Höhepunkt kam aber, als Fischer ein Ferienhaus in Italien kaufte. Das Beweismaterial (Fotos und Beobachtungsprotokolle) reichte jetzt, um den Mann zu überführen. Der Auftraggeber stellte Strafanzeige gegen den Angestellten. Die anschließenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zeigten, dass dem Auftraggeber ein Schaden von rund fünf Millionen Euro entstanden war. Und der freundliche Herr Fischer hatte in Form von Schmiergeldzahlungen, Geschenken und Aufmerksamkeiten eine richtig hohe Summe bekommen.

Uli Heichele

So arbeitet seine Detektei

Das Unternehmen des Münchner Wirtschaftsdetektivs Tamer Bakiner (42) hat Servicebüros in mehreren deutschen Städten. Sein weltweites Partner-Netzwerk umfasst 70 Länder. Er ermittelt und berät unter anderem in Sachen Wirtschaftskriminalität und Industriespionage. Zu seinen Aufgaben gehören Analyse und Aufklärung komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge. Immer wieder arbeitet er für prominente Kunden und große Konzerne.

Studie über Bestechung

Korruption ist in der europäischen Wirtschaft offenbar nach wie vor weit verbreitet. Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, bei der knapp 3500 Top-Manager (Finanzvorstände, Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung und Compliance-Experten) aus 36 Ländern befragt wurden, antworteten 39 Prozent der Befragten, dass Bestechung in ihrem Land an der Tagesordnung sei.

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