tz-Detektivserie

Betrügerjagd in Bangkok

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München - Ein Münchner Wirtschaftsermittler packt im Rahmen der neuen tz-Detektiv-Serie aus: Spannende Fälle aus 18 Jahren verdeckter Ermittlungen. Im 5. Teil geht es um eine Betrügerjagd in Bangkok.

Nein, kein Sherlock Holmes, kein Matula. Die Detektivfälle, über die wir in dieser großen tz-Serie berichten, sind nicht ­erfunden. Alle sind tatsächlich so ­passiert. Wir begleiten den Münchner Wirtschaftsermittler Tamer Bakiner (42). Er ­operiert mit seiner Detektei ­vorwiegend in Deutschland, kann aber im Bedarfsfall auf ein weltweites Netzwerk an Partnern zurückgreifen. Hier erzählen wir die ­spannendsten Fälle aus 18 Jahren Detektiv­arbeit. Lesen Sie selbst.

Betrügerjagd in Bangkok

Manchmal muss man fast bis ans andere Ende der Welt reisen, um Betrügern auf die Schliche zu kommen. In diesem Fall flog Tamer Bakiner nach Thailand und ermittelte zusammen mit einem Netzwerk-Partner vor Ort. Hierhin hatte sich ein Mann abgesetzt, der einen Mandanten um 20 Millionen Schweizer Franken (16 Millionen Euro) erleichtert hatte.

Das Problem: Der Mandant – nennen wir ihn Herrn Schmidt – hatte dem Mann blind vertraut. Er kannte ihn schon lang als seinen Bankberater. Dann machte sich der feine Herr selbstständig und bot Schmidt ein Geschäft an, das sich gut anhörte: Schmidt sollte 20 Millionen Franken auf zehn Jahre anlegen. Das Geld sollte in den Bau einer Solaranlage in Spanien fließen. Der Berater versprach zehn Prozent Rendite. Schmidt unterschrieb – und zunächst ging alles gut. In den ersten beiden Jahren flossen die Zinsen pünktlich. Dann begannen aber die Probleme. Im dritten Jahr überwies der Berater kein Geld mehr. Und: Der Mann war nicht mehr zu erreichen. Herr Schmidt suchte selber sechs Monate lang erfolglos nach dem Betrüger, schaltete dann über seinen Anwalt Bakiners Wirtschaftsdetektei ein. Der Ermittler erzählt: „Das Erste, was wir in Spanien herausbekamen: Die Solaranlage war zwar bei den Behörden beantragt, aber nie gebaut worden.“ Parallel ermittelten die Detektive in Deutschland. Bakiners Leute hörten sich in der Nachbarschaft jener Adresse um, wo der Berater zuletzt gewohnt hatte. Stück für Stück ergab sich ein Bild: Der Mann war mit einer Thailänderin verheiratet gewesen, die beiden hatten sich aber scheiden lassen. Und: Sie hatten einen gemeinsamen Sohn. Nach der Scheidung waren Frau und Sohn nach Thailand gezogen. Den Mann hatten die Nachbarn seit ungefähr einem Vierteljahr nicht gesehen. Da es sonst keine Spuren gab, war für Bakiner klar: Vor-Ort-Recherche in Thailand war nötig. Das über viele Jahre aufgebaute Informanten-Netzwerk der Detektei war auch jetzt äußerst hilfreich. Kontakte und Vertrauensverhältnisse, die der Detektiv über die Jahre aufgebaut hat – und die ihm jetzt schnellen Zugriff auf Informationen geben. Bakiner: „Unser Mann in Bangkok ermittelte vorab, dass die Frau in einem Nobelviertel von Bangkok wohnte, dass sie nicht arbeitete und dass ihr Ex-Mann die Miete bezahlte.“

Jetzt mussten die Ermittler handeln. Bakiner flog nach Bangkok. Zusammen mit einem Mann vor Ort observierte er die Frau. Der Eindruck: Sie lebte mit dem Sohn, aber ohne Partner in der Wohnung, ging gern gut essen und edel einkaufen. Bei einer jener Gelegenheiten nahmen Bakiner und sein Kollege Kontakt mit ihr auf – und zwar so, dass sie denken musste, die Initiative sei von ihr ausgegangen. Das ist ein alter Ermittler-Trick. In diesem Fall war’s ganz einfach. Die Ermittler setzten sich in einer Hotelbar in Hörweite der Dame und sprachen bewusst laut Deutsch miteinander. Der Plan ging auf: Die Frau, die ja logischerweise Deutsch verstand, wurde neugierig. Man kam miteinander ins Gespräch, man trank Alkohol, die Dame wurde sehr schnell sehr offen. Sie freundete sich mit Bakiners Kollegen an, vereinbarte weitere Treffen. Sie sagte, sie habe jetzt sowieso mehr Zeit – schließlich lebe ihr Ex-Mann ja mittlerweile in Thailand und könne sich um den Sohn kümmern. Man müsse das Kind nur bei dem Mann in dessen Hotel abliefern … Klack! Da schnappte die Falle zu. Die Detektive hatten den Aufenthaltsort des Mannes. Hätte der Trick an der Hotelbar nicht funktioniert, wäre eine langwierige Observation nötig gewesen. So aber dauerte es nicht lang, bis mit einem Anwalt und den Behörden vor Ort alles geklärt war. Wenige Tage später war der Betrüger geschnappt. Fall gelöst!

Ob der Klient sein Geld wiederbekommen hat, weiß Bakiner nicht. Sein Job war nur die Ermittlungsarbeit.

Uli Heichele

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Der Spezialist für Wirtschaftsfälle

Das Unternehmen des Münchner Wirtschaftsdetektivs Tamer Bakiner (42) hat Servicebüros in mehreren deutschen Städten. Sein weltweites Partnernetzwerk umfasst 70 Länder. Er ermittelt und berät unter anderem in Sachen Wirtschaftskriminalität und Industriespionage. Zu seinen Aufgaben gehören die Analyse und Aufklärung komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge. Immer wieder arbeitet er für prominente Kunden und große Konzerne.

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