tz-Detektivserie

Der Chef mit der Rotlicht-Affäre

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München - Ein Münchner Wirtschaftsermittler packt im Rahmen der neuen tz-Detektiv-Serie aus: Spannende Fälle aus 18 Jahren verdeckter Ermittlungen. Im 4. Teil geht es um einen Chef mit brisantem Geheimnis.

Nein, kein Sherlock Holmes, kein Matula. Die Detektivfälle, über die wir in dieser großen tz-Serie berichten, sind nicht erfunden. Alle sind tatsächlich so passiert. Wir begleiten den Münchner Wirtschaftsermittler Tamer Bakiner (42). Er ­operiert mit seiner Detektei ­vorwiegend in Deutschland, kann aber im Bedarfsfall auf ein weltweites Netzwerk an Partnern zurückgreifen. Hier erzählen wir die ­spannendsten Fälle aus 18 Jahren Detektiv­arbeit. Lesen Sie selbst:

Uli Heichele

Wieso erreichen wir den Mann nicht? Und wo fließt eigentlich unser ganzes Geld hin? – Das fragte sich der Inhaber eines mittelständischen Maschinenbau-Unternehmens (300 Millionen Jahresumsatz), als er Tamer Bakiners Detektei kontaktierte. Sein Verdacht: Da stimmt was mit seinem Geschäftsführer nicht – jenem Mann, den er vor zwei Jahren eingestellt hatte. Mitte 50, verheiratet, zwei Kinder, schneller Entscheider, starker Charakter, eigentlich perfekt für den Posten – so schien es zunächst …

Nach einiger Zeit häuften sich aber die Beschwerden der Mitarbeiter über den Geschäftsführer, nennen wir ihn Herrn Bauer.

Die Spesenrechnungen stiegen massiv, im gleichen Maße sank die Erreichbarkeit per Handy. Außerdem kündigte Bauer grundlos einer Werbeagentur, mit der die Firma über lange Jahre sehr gut zusammengearbeitet hatte. Das war der Punkt, an dem der Inhaber die Detektei um Hilfe bat. Bakiners Vorschlag war, in Phase 1 einfach nur zu observieren. Bakiner: „Vier Wochen lang beobachteten wir, was Herr Bauer den lieben langen Tag so tat. Insbesondere überprüften wir Minute für Minute, wie viel Zeit er tatsächlich für die Firma aufbrachte. Schnell zeigte sich: Die Zielperson nahm tagsüber reihenweise Privattermine wahr.“ Insbesondere fiel den Detektiven auf, dass Bauer viel für die sportliche Förderung seines 14-jährigen Sohnes tat, der Go-Kart-Rennen fuhr. Auf einmal war auch klar, warum es diesen fragwürdigen Sponsorendeal gab, mit dem die Firma ein Go-Kart-Team unterstützte …

Jetzt galt es, Beweise zu sammeln. In den folgenden zwei Monaten ging es für Bakiners Leute deshalb auch darum, Fotos zu machen. Damit einem Ermittler das gelingt, muss er unauffällig und clever sein.

In diesem Fall hieß das zum Beispiel: mit Go-Kart-Spezln reden, sportliches Interesse vorgeben, selber Kart fahren, Vertrauen gewinnen und schließlich Informationen einholen. Auf diese Weise bekamen die Ermittler unter anderem heraus, dass der Vater viel Geld für die Karriere des Sohnes bereitstellen konnte. Es zeigte sich auch, dass Herr Bauer ein freundschaftliches Verhältnis zum Inhaber jener Werbeagentur hatte, die den alten Partner abgelöst hatte. Bakiner: „Es gab sogar gemeinsame Reisen.“

Außerdem wiesen die Ermittler private Besuche in Edel-Restaurants nach, die der feine Herr auf Firmenkosten abrechnete. Dienstlich oder privat? So etwas klären die Detektive in der Regel, indem sie die Begleitung der Zielperson bis zur Privatadresse verfolgen. So lässt sich meist die Identität des Mannes oder der Frau ermitteln (Klingelschild!) – und weitere Nachforschungen zeigen schnell, ob es einen beruflichen Zusammenhang geben kann. Bei den Bekannten von Herrn Bauer war das meistens nicht der Fall …

Am heftigsten ging es aber bei einer Geschäftsreise Bauers nach Hongkong zur Sache. Bakiner flog selbst hinterher und organisierte zusammen mit einem Netzwerk-Partner vor Ort den Einsatz. Bauer wurde observiert, und die Ermittler waren überrascht, als sie mitbekamen, wie viel Alkohol er trank und wie viel Zeit er in Rotlicht-Etablissements verbrachte …

Wenig überraschend war dagegen jetzt die Tatsache, dass Herr Bauer auf Dienstreisen so schlecht per Handy zu erreichen war.

Alles in allem ergab sich für die Ermittler ein klares Bild: Sie konnten der Zielperson gravierendes Fehlverhalten in mehreren Fällen nachweisen. Nachdem Bakiner dem Auftraggeber den Ermittlungsbericht übergeben hatte, bekam der Geschäftsführer die fristlose Kündigung.

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