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Detektiv: So entlarvte ich den Krankmacher

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München - Ein Münchner Wirtschaftsermittler packt im Rahmen der neuen tz-Detektiv-Serie aus: Spannende Fälle aus 18 Jahren verdeckter Ermittlungen. Im 3. Teil geht es um einen notorischen Krankmacher.

Nein, kein Sherlock Holmes, kein Matula. Die Detektiv-Fälle, über die wir in dieser großen tz-Serie berichten, sind nicht erfunden. Alle sind tatsächlich so passiert. Wir begleiten den Münchner Wirtschaftsermittler Tamer Bakiner (42). Er operiert mit seiner Detektei vorwiegend in Deutschland, kann aber im Bedarfsfall auf ein weltweites Netzwerk an Partnern zurückgreifen. Hier erzählen wir die spannendsten Fälle aus 18 Jahren Detektiv­arbeit. Lesen Sie selbst:

Uli Heichele

Seltsam … Früher war er doch immer so fit – und jetzt ist er dauernd krankgeschrieben … Ein bayerischer Spediteur wunderte sich über einen seiner Lkw-Fahrer, der auf einmal so viele Fehltage hatte. Wenn man sich die Krankenscheine anschaute, musste man davon ausgehen, dass der Mann eine ganze Reihe verschiender Krankheiten hatte. Schließlich waren die gelben Zettel von Ärzten verschiedenster Fachrichtungen unterschrieben. Der Mitarbeiter war dauernd krank, aber der Spediteur musste ihn trotzdem weiter zahlen. Hintergrund: Die Krankenkasse zahlt Krankengeld erst nach sechs Wochen – und auch nur dann, wenn die Fehlzeiten auf ein einzelnes Krankheitsbild zurückzuführen sind.

Der Spediteur war jedenfalls skeptisch. Er erkundigte sich im Kollegenkreis – und erfuhr, dass der Mann unter anderem über höllische Rückenschmerzen geklagt hatte. Allerdings: Andere Kollegen hatten ihn in einem Baumarkt bei einem Großeinkauf gesehen. Die Vermutung: Ist der wirklich krank …? Für den Spediteur waren diese Hinweise der Anlass, den Fall durch Tamer Bakiners Detektei untersuchen zu lassen. Bakiner: „Wir haben mit dem Auftraggeber zunächst eine fünftägige Observation des verdächtigen Mitarbeiters vereinbart.“

Da Fälle im Bereich der Mitarbeiter­überwachung häufig vor Gericht enden, müssen die Ermittler bei der Dokumentation penibel genau darauf achten, alle Rechtsvorschriften zu beachten. Vor allem die Persönlichkeitsrechte der Zielperson dürfen zu keinem Zeitpunkt verletzt werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass man nicht einfach so in die Wohnung des betreffenden Mannes fotografieren darf.

Das Ermittlerteam der Detektei Bakiner startete am frühen Morgen an der Wohnanschrift der Zielperson. Zunächst: alles normal, nichts Auffälliges. Der Mann ging zu Fuß zum Bäcker, kam wenig später mit Semmeln wieder heim. Am späteren Vormittag wurde es dann allerdings interessant: Der Angestellte kam in Bauarbeiter-Klamotten aus dem Haus, fuhr mit dem Auto weg und hielt nach ein paar Kilometern an einem Haus, das gerade renoviert wurde.

Die Ermittler positionierten sich unauffällig in der Nähe der Baustelle und verfolgten die Aktivitäten von außen. Zu beobachten war dort ein reges Treiben. Eben eine echte Baustelle mit einer ganzen Reihe von Handwerkern. Und: Alle begrüßten die Zielperson, man kannte sich offenbar schon seit Längerem.

Erst abends um 18 Uhr verließ der Mann die Baustelle wieder – bis dahin hatte er gewerkelt. So krank war der Lkw-Fahrer also gar nicht … Die Ermittler hatten mit Foto- und Videokamera unter anderem festgehalten, wie der Mann schwere Lasten von Bauschutt schleppte und in den Container entsorgte. Am nächsten Tag und mehreren darauffolgenden Tagen das gleiche Spiel. Und bei seinem eigentlichen Arbeit­geber war der Mann die ganze Zeit krankgeschrieben!

Bakiner: „Wir haben den Mann immer wieder fotografiert – zum Beispiel, wie er Farbeimer und Maler-Utensilien schleppte. Auch die Farbflecken auf der Kleidung ließen eindeutige Rückschlüsse zu …“

Die Ermittler fragten sich in der Nachbarschaft und auf der Baustelle unter Vorwänden durch. Es stellte sich raus: Das Haus gehörte der Tochter des Lkw-Fahrers. Hier gab er den Bauleiter und legte selber Hand an, während seine Firma ihn weiter zahlte. Aufgrund der langjährigen Betriebszugehörigkeit der Zielperson und der klaren Faktenlage entschieden sich der Auftraggeber und Bakiner, den Observationszeitraum auf zehn Tage auszudehnen. Bakiner: „An neun dieser zehn Tage war die Zielperson auf der Baustelle anwesend und bei handwerklichen Tätigkeiten zu beobachten. Das stand im krassen Gegensatz zum angeblichen Krankheitsbild der des Mannes.“ Logisch: Krankgeschriebene Arbeitnehmer sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich so zu verhalten, dass der Genesungsprozess nicht gefährdet ist.

Klar, dass bei diesem Mann das Gegenteil der Fall war (oder dass er ohnehin nicht krank war). Bakiner: „Wir haben dem Auftraggeber den Ermittlungsbericht mit entsprechendem Bildmaterial und dem ergänzendem Film ausgehändigt. Er hat dem Mitarbeiter fristlos gekündigt.“

Übrigens: Der Auftrag­geber klagte auch noch die Detektiv-Rechnung beim angeblichen Kranken ein.

Krankschreibungen

Im Jahr 2012 waren laut einer DAK-Studie Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt 12,6 Tage krankgeschrieben. Häufigster Grund waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (Rücken, Gelenk- und Muskelbeschwerden).

Schwarzarbeit

Wie viel Schaden dem Staat durch Schwarz­arbeit entsteht, ist schwer zu sagen. Experten, die mit dem Finanzministerium zusammenarbeiten, gehen davon aus, dass die Schwarzarbeit im Jahr 2012 über 13 Prozent des legalen Bruttoinlandsprodukts ausgemacht hat. Das wäre ein Volumen von über 300 Milliarden Euro. Es existieren allerdings auch andere Schätzungen, die von niedrigeren Werten ausgehen.

So arbeitet seine Detektei

Das Unternehmen des Münchner Wirtschaftsdetektivs Tamer Bakiner (42) hat Servicebüros in mehreren deutschen Städten. Sein weltweites Partnernetzwerk umfasst 70 Länder. Er ermittelt und berät unter anderem in Sachen Wirtschaftskriminalität und Industriespionage. Zu seinen Aufgaben gehören Analyse und Aufklärung komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Immer wieder arbeitet er für prominente Kunden und große Konzerne.

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