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Detektiv: So deckten wir einen Müll-Skandal auf

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Lkw laden Müll ab - aber was für welchen genau? Bakiner und seine Leute hatten den Auftrag, das zu ermitteln. Hier geht's zur Homepage der Detektei Bakiner

München - Ein Münchner Wirtschaftsermittler packt im Rahmen der neuen tz-Detektiv-Serie aus: Spannende Fälle aus 18 Jahren verdeckter Ermittlungen. Im 8. Teil geht es um verdeckte Ermittlungen auf einer Müllkippe.

Nein, kein Sherlock Holmes, kein Matula. Die ­Detektivfälle, über die wir in dieser großen tz-Serie berichten, sind nicht erfunden. Alle sind tatsächlich so passiert. Wir begleiten den Münchner Wirtschaftsermittler Tamer Bakiner (42). Er operiert mit seiner Detektei vorwiegend in Deutschland, kann aber im Bedarfsfall auf ein weltweites Netzwerk an Partnern zurückgreifen. Hier erzählen wir die spannendsten Fälle aus 18 Jahren ­Detektiv-Arbeit. Lesen Sie selbst:

Bakiners Leute schleusten sich als Hilfsarbeiter ein

Es klang erst mal nicht spektakulär, entpuppte sich aber als Riesensache! Ein Klient hatte Bakiners Detektei beauftragt, in Sachen Müll zu ermitteln. Der Klient hatte den Verdacht, dass jemand illegal Abfälle entsorgte. Es ging um mehrere Ton-Gruben. Diese Gruben darf man mit „mineralischen Abfällen“ verfüllen, wie es heißt. Das bedeutet: Man darf Bauschutt entsorgen. Nicht erlaubt ist Plastikmüll, der nicht verrottet, aber das Grundwasser belasten kann. Deshalb müsste er eigentlich verbrannt werden. In diesem Fall gab es da einen Verdacht. Offizielle Stellen hatten aber nichts zu beanstanden: Bei Lkw-Kontrollen waren die Papiere in Ordnung, und das war’s dann.

Bakiners Ermittlungen liefen anders. Wichtig war es für die Detektive, Innenansichten zu bekommen. Deshalb schleusten sich einige von Bakiners Leuten als Hilfsarbeiter für die Schredder und die Müllkippe ein. Bakiner: „Wir mussten rausfinden und dokumentieren, welche Art Müll von wo nach wo transportiert wird. Wir mussten wissen, von welchen Mengen wir überhaupt reden. Und wir mussten recherchieren, was am Ziel mit diesem Müll passiert.“

Dieser Einsatz war gefährlich – galt es doch etwa, nachts Proben zu sammeln. Einer von Bakiners Mitarbeitern fiel dabei metertief in die Grube, blieb aber dank des weichen Mülls unverletzt.

Zur Grundreinigung gingen die Detektive erst mal in die Autowaschanlage

Eines der Detektiv-Teams arbeitete tagsüber am Rand der Grube. Die Leute saßen in einem Versteck und fotografierten aus ein paar hundert Metern Entfernung mit einem großen Tele-Objektiv das Geschehen. Sie sahen täglich ’zig Lkw vorfahren, die ihre Ladungen abkippten. Um nicht entdeckt zu werden, arbeiteten die Leute unter einer Tarn-Plane. Außerdem hatten sie sich mit einer stinkenden Brühe eingerieben, um nicht von Spürhunden gewittert zu werden. Unangenehme Begleiterscheinung: Bakiner wurde im Hotel abgewiesen. Wer stinkend und mit matschigen Gummistiefeln ankommt, kriegt logischerweise kein Zimmer. Kein Witz: Zur Grundreinigung gingen die Detektive erst mal in die Autowaschanlage. Bakiner: „Wir haben Klamotten und Stiefel mit einem Hochdruckreiniger saubergespritzt.“

Immerhin: Es hat sich gelohnt. Bakiner und seine Leute konnten dokumentieren, dass es sich bei den entsorgten Stoffen tatsächlich vielfach nicht um Bauschutt handelte, sondern etwa um kleingeschredderten Hausmüll mit hohem Plastik-Anteil. Die Ermittler hatten Fotos (darunter auch Nahaufnahmen der Lkw-Ladungen) – und sie hatten Proben, die sie direkt aus der Grube geholt hatten. Bakiner: „Das Material war wie Watte, aber es blubberte darin.“ Die Proben belegten, was hier tatsächlich abgeladen worden war. Die Sache landete bei der Staatsanwaltschaft …

Pro Tonne Müll kann es um rund 60 Euro Ersparnis gehen

Hintergrund: Wenn man Hausmüll ordnungsgemäß verbrennt, ist das deutlich teurer, als wenn man ihn lediglich in eine Grube wirft und mit einer dünnen Erdschicht abdeckt. Pro Tonne kann es da um rund 60 Euro Ersparnis gehen, im Fall einer großen Müllkippe kann eine Millionen-Summe draus werden. Schon erstaunlich, welch ein Geschäft man mit Dingen machen kann, die eigentlich niemand mehr haben will … Und für Bakiner ein Grund, über seinen Auftrag hinauszudenken: „Man fragt sich ganz automatisch: Wie lässt sich verhindern, dass so etwas wieder passiert …? Ich weiß es nicht …“

Uli Heichele

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Und so arbeitet die Detektei von Tamer Bakiner

Das Unternehmen des Münchner Wirtschaftsdetektivs Tamer Bakiner (42) hat Servicebüros in mehreren deutschen Städten. Sein weltweites Partnernetzwerk umfasst 70 Länder. Er ermittelt und berät unter anderem in Sachen Wirtschaftskriminalität und Industriespionage. Zu seinen Aufgaben gehören die Analyse und Aufklärung komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge. Immer wieder arbeitet er für prominente Kunden und große Konzerne.

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