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Dieser Specht hat (k)einen Vogel

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Ohne Pause hämmert der kleine Buntspecht auf die Kaminleiter ein – und das seit Wochen. „Schon morgens um 6 Uhr legt er los“, erzählt Anwohnerin Helga Schumann. Vielleicht würde ihn eine Fahne an der Leiter vertreiben? © Kurzendörfer

Nervös blickt Helga Schumann vom Balkon ihrer Wohnung in Haidhausen. Dann ruft die 65-Jährige plötzlich: „Da – da ist er wieder!“

Und pfeilgrad. An der gegenüberliegenden Hauswand flattert ein Buntspecht heran, setzt sich auf eine Kaminleiter – und hämmert los. Ein lautes Ding-Ding dröhnt durch die gesamte Wohngegend, es klingt wie ein pene­tranter Wecker.

„Seit Wochen geht das nun schon so“, sagt die Frau. „Morgens um 6 Uhr fängt er an – der kostet uns echt den letzten Nerv.“ Ohne Zweifel: Der metallene Rabatz des Flattermanns ist in der Gegend rund um die Kellerstraße lautstark zu hören. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ein Specht mit seinem Schnabel 20 (!) Schläge pro Sekunde ausführen kann. Das lärmt!

„Am Anfang dachten wir noch, jemand im Haus oder bei den Nachbarn hätte eine kaputte Alarmanlage, die ständig von selbst loslegt“, so Helga Schumann. „Bis wir gestern den Specht entdeckten. Irre!“ Aber warum haut der possierliche Vogel ständig auf die Alu-Leiter ein? Er müsste doch längst gemerkt haben, dass dort nichts zum Fressen zu finden ist? Hat er auch. Spechte hämmern aber auf Bäume nicht nur ein, um sich Käfer oder anderes Krabbelgetier unter der Rinde zu schnappen – sondern auch, um durch das Klopfen ihr Revier zu markieren und Partner zu ­finden.

Unser Specht ist also eher ein ganz schlauer: Warum für Letzteres den Baum nehmen, wenn die Leiter doch viel lauter ist? Oft kommt es vor, dass Spechte ganze Löcher in Hausfassaden schlagen. „Die Tiere passen sich halt einfach dem Leben in der Großstadt an“, erklärt der Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV). Der Grund hier: Sie nutzen das Speisenangebot des Stadtreviers und picken die Schnecke an der Hauswand auf. Plötzlich aber merkt der Specht: „Da ist was hohl unter der Häuserrinde“ – und schlägt los.

Was tut man nun gegen die Störenfriede? Ja keine Gewalt! „Die Tiere stehen unter Naturschutz“, warnt der LBV. Am besten man erschreckt sie dauerhaft. Zum Beispiel mit einer Vogelscheuche oder Ähnlichem. „Wir werden jetzt schauen, ob der Kaminkehrer eine Art Fahne an die Leiter hängen kann“, hofft Helga Schumann. Und dann gibt die Rentnerin zu: „Irgendwie mag ich den kleinen Kerl ja – wenn er nur nicht so laut wäre.“

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